Modell Goldfinger Anklage gegen Anwälte und Millionäre wegen Steuerhinterziehung

Großangelegtem Steuerbetrug auf der Spur.
Großangelegtem Steuerbetrug auf der Spur. © Foto: dpa
Ulm / Alexander Bögelein 04.01.2019

Einem groß angelegten Steuerbetrug ist die Staatsanwaltschaft Augsburg auf der Spur. Nach ihren Angaben hat sie Anklage gegen 19 Beschuldigte erhoben. Denen wirft sie vor, mit Hilfe eines illegalen Steuersparmodells Steuern hinterzogen zu haben beziehungsweise den Versuch unternommen zu haben. Insgesamt richten sich die Ermittlungen gegen 120 Beschuldigte, schreibt die Staatsanwaltschaft Augsburg.

Beweismaterial füllt 21 Umzugskartons

Nach Angaben des „Handelsblattes“ gehören zu den jetzt Angeklagten insbesondere Anwälte und Berater einer Kanzlei und eine Beratungsgesellschaft aus München, die das Modell aufgesetzt und teils auch an ihre Mandanten vertrieben haben. Gegen rund 100 weitere Beschuldigte dauern die Ermittlungen an. Allein für die jetzt abgetrennten 19 Verfahren umfasst die Anklageschrift 180 Seiten, das Beweismaterial füllt 21 Umzugskartons, schreibt die Staatsanwaltschaft. Den Angeklagten droht im Falle einer Verurteilung eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe. In besonders schweren Fällen von Steuerhinterziehung können es bis zu zehn Jahre Gefängnis sein.

Modell Goldfinger

Im Zuge der Ermittlungen hatte die Staatsanwaltschaft Augsburg vor rund einem Jahr eine Razzia angeordnet, bei der mehr als  800 Beamte im Einsatz waren. Sie durchsuchten 200 Häuser und Geschäftsräume im Bundesgebiet sowie in Deutschland, Österreich und in der Schweiz.

Die Staatsanwaltschaft will sich nicht näher zu dem Vorgehen äußern. Laut „Handelsblatt“ fehlen der Staatskasse mehrere hundert Millionen Euro pro Jahr, weil hochvermögende Bürger ein Anlagemodell fanden, mit dem sie ihre Steuerlast drastisch senkten. Das „Handelsblatt“ beschreibt ein Beispiel im Modell Goldfinger so: Mittelständler verkauften erst einen Teil ihrer Firmenanteile und betätigten sich später als professionelle Goldhändler. Sie gründeten dazu eine Firma in England, kauften Gold und brachten dies in ihr Umlaufvermögen ein. Ihr Steuersatz durch den Verkauf der Firmenanteile sank so auf Null. „Der Verkauf des Goldes im Folgejahr änderte dagegen fast nichts an der Höhe seines Steuersatzes, weil dieser ohnehin schon maximal hoch war“, schreibt das „Handelsblatt“.

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