Handelsstreit Amerika macht aus G7 ein „G6 gegen 1“

Ziemlich isoliert und am Pranger: US-Finanzminister Steven Mnuchin in Whistler.
Ziemlich isoliert und am Pranger: US-Finanzminister Steven Mnuchin in Whistler. © Foto: Bildquelle
Whistler / Georg Ismar 04.06.2018
Beim Treffen der Finanzminister sind die USA isoliert. Die Zölle auf Stahl werden als Rechtsbruch gesehen. Zerbricht hier das westliche Bündnis?

Steven Mnuchin muss beim Familienfoto in der letzten Reihe stehen, fast ganz außen. Als ob er nicht richtig dazugehört. Das passt zu diesem außergewöhnlichen G7-Treffen: Wohl noch nie ist ein US-Finanzminister dort so hart angegangen worden.

Der Mann mit der markanten schwarzen Brille muss im kanadischen Wintersportort Whistler ausbaden, was US-Präsident Donald Trump angerichtet hat. Aus der Gruppe der G7, der sieben führenden westlichen Industrienationen (USA, Kanada, Japan, Großbritannien, Frankreich, Italien und Deutschland), wird eine „G6 gegen einen“.

Whistler ist die Ouvertüre für den Showdown am kommenden Freitag, wenn sich bei Quebec die G7-Staats- und Regierungschefs treffen. Die Idylle mit Murmeltieren, kristallklaren Flüssen, tanzenden Ureinwohnern und in die Kameras lächelnden Ministern bricht sich an der miesen Stimmung hinter den Türen.

Zwar liegt nur noch auf den Bergen um Whistler Schnee, aber die Atmosphäre im Tagungshotel Fairmont ist mitunter eisig, als „völlig inakzeptabel“ wird der Strafzoll-Rundumschlag gegen befreundete Staaten gegenüber Mnuchin bewertet. Von einer Zäsur ist die Rede.

Welche Werte teilt man noch im transatlantischen Bündnis, wenn US-Präsident Trump gerade die Axt daran anlegt? In Whistler lassen  Teilnehmer durchblicken, dass Mnuchin scheinbar nicht glücklich wirke über die Strafzölle aus der EU, Mexiko und Kanada. Es ist der zweite Tiefschlag binnen kurzer Zeit, nach der Kündigung des Atomabkommens mit dem Iran, inklusive Sanktionsdrohungen gegen europäische Unternehmen, die dort weiter Geschäfte machen wollen.

Europa und Kanada Seit an Seit

Europäer und Kanadier schreiten nun Seit an Seit, sie haben den Fehdehandschuh aufgenommen und sagen: Verhandelt wird erst wieder, wenn Trump seine Strafzölle stoppt. Ihm werden Vergeltungszölle und Klagen angekündigt, die Frage lautet: Deal – mit einem weiteren Abbau von Handelsschranken für US-Produkte – oder ein Handelskrieg?

„Der Ball ist nun eindeutig im Feld der USA“, betont Frankreichs Wirtschafts- und Finanzminister Bruno le Maire – aber das Zeitfenster schließe sich. „Wir haben noch ein paar Tage, um eine Eskalation zu verhindern.“

Zerbricht hier das westliche Bündnis? Beim letzten G7-Gipfel war es Trumps Ansinnen, das Klimaabkommen von Paris zu verlassen, jetzt hat er quasi vorab eine ökonomische Kriegserklärung abgegeben. „Wir dachten wir sind Freunde“, formuliert es ein Diplomat. Andere verweisen in Whistler darauf, dass es doch Verträge, Abkommen und eine lange Partnerschaft gebe.

Aber Trump ist Trump, das G7-Finanzministertreffen ist gerade zu Ende, da erreicht die Delegationen seine nächste Kampfansage. Die USA hätten ein Handelsdefizit von fast 800 Mrd. Dollar. „Da kannst Du einen Handelskrieg nicht verlieren“, twittert er in die Welt. „Die USA sind jahrelang von anderen Ländern im Handel abgezockt worden.“ Und dann kommt eine klare Drohung: „Time to get smart!“, „Zeit zu handeln.“

Sein Ansinnen ist es, mit den Zöllen in der Heimat mehr Jobs zu schaffen – zugleich drohen durch Gegenzölle Marktanteile im Ausland verloren zu gehen. Trumps Biografie ist gepflastert mit Menschen, die er fallen ließ.

Ein Abschlusskommuniqué gibt es nicht. Von einem tiefen Dissens und klarem Rechtsbruch spricht der deutsche Finanzminister und Vizekanzler Olaf Scholz (SPD). Einer der wenigen Optimisten ist in Whistler der britische Finanzminister Philip Hammond. Trump habe halt einen speziellen Stil.

„Würth kehrt zurück, wenn Trump geht“

Der Schrauben- und Werkzeughersteller Würth zieht nach der Zölle-Entscheidung Konsequenzen. Das Unternehmen aus dem baden-württembergischen Künzelsau will erst wieder in Amerika investieren, wenn Präsident Donald Trump nicht mehr im Amt ist. Firmenpatriarch Reinhold Würth sagte in der ‘Bild am Sonntag’, er habe persönlich für diese Entscheidung gesorgt. Würth macht mit 1,8 Mrd. € 14 Prozent seines Jahresumsatzes in den USA. Wegen der unsicheren politischen Lage wolle man das Engagement nicht weiter vergrößern: „Wir warten mal ab, ob Präsident Trump wiedergewählt wird. Würth kehrt zurück, wenn er geht.“ swp

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Einheit und dann kommt ein schöner Text, der den Leser in den Aufmacher zieht.

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