Dreiräder gibt es nicht nur in Spielzeugläden. Am Ende der Stuttgarter Königstraße im Wilhelmsbau steht ein Motordreirad der Bauart De Dion-Bouton mit kupferglänzendem Tank. Nachgebaut von Bosch-Azubis, 101 Jahre nachdem es mit seiner Magnetzündung 1896 Geschichte schrieb.

Ebenfalls im neu eingerichteten Museum des Autozulieferers und Technikkonzern: eine neue Multifunktionskamera, die eine Straßenfahrbahn anhand ihrer Oberfläche auch dann ausmacht, wenn die Markierung fehlt. „Der Chip dazu ist der komplizierteste, den Bosch jemals hergestellt hat“, sagt Chef Volkmar Denner. Fahrzeuge werden besser erkannt und bei Fußgängern ermittelt die Kamera anhand Blickrichtung, Kopfstellung und Bewegungsrichtung, ob sie auf die Fahrbahn treten wollen oder nicht. „Eine wesentliche Voraussetzung für das automatisiert Fahren“, sagt Denner. „Die Kamera versteht, was sie sieht.“

Zwischen herkömmlicher Technik, Haus- und Gartengeräten und Zukunftstechnologie spannt sich der Bogen bei Bosch. In einem bei der Technikmesse CES erstmals gezeigten Werbespot hechtet ein Hipster in ein offenstehendes Autofenster und erlebt einen schönen Tag inmitten der Dinge, mit denen Bosch den Alltag leichter machen will und sie dafür ans Internet anschließt. „Like a Bosch“ (Wie ein Bosch) heißt die Losung und das klingt nicht umsonst wie „Like a Boss“ (Wie ein Boss).

Künstliche Intelligenz (KI) hat Denner zur Schlüsseltechnologie erklärt: Automatisierung soll die  Mobilität ändern. „Mit ihr steht uns eine technologische, ökonomische, soziale und ethische Revolution bevor.“ 1000 Entwickler wurden für die Entwicklung der KI bereits eingestellt, 3000 weitere sollen in den kommenden fünf Jahren folgen, dazu konzernweit 25 000 zusätzliche Software- und Informatikexperten.

Die Elektrifizierung ist das andere Mega-Projekt. Bis 2025 will Bosch den Bereich auf 5 Mrd. € verzehnfachen. Für mehrere Milliarden Euro hat der Konzern 2018 Firmen in dem Bereich gekauft. „Wir wollen Marktführer im Massenmarkt für Elektromobilität werden“, sagt Denner. Kein Unternehmen sei dabei so breit aufgestellt und verstrome vom Fahrrad bis zum Lkw alles. Es gibt 36-Volt-Antriebe für Lasträder, E-Antriebe für leichte Nutzfahrzeuge, E-Achsen für leichte und schwere Transporter, Brennstoffzellen-Antriebe für 40-Tonner und so weiter und so weiter.

Aus dem „Kein Auto ohne Bosch“ soll künftig „Kein Elektroauto ohne Bosch“ werden. In China werde 2030 nahezu jedes dritte Nutzfahrzeug zumindest teil­elektrisch unterwegs sein. 2018 wurden in dem Land erstmals mehr als eine Million elektrifizierte Fahrzeuge verkauft, ein Plus von mehr als 60 Prozent.

Die Zukunftstechnologien kosten viel Geld, bis 2022 wird bei der Automatisierung mit 4 Mrd. € Vorleistungen gerechnet. Weitestgehend autonom fahrende Autos (Level 4) und völlig selbstständige Fahrzeuge (Level 5) testet Bosch zusammen mit Daimler im US-amerikanischen San José. Das Bündnis der beiden großen Schwaben ist offen, unter anderem VW soll Interesse haben, heißt es.

Aber auch konventionelle Motoren sind noch ein Thema. Die juristische Diesel-Aufarbeitung schreitet voran. Das Unternehmen hat jüngst Vergleichsvereinbarungen mit 50 US-Bundesstaaten und Zivilklägern erzielt und umgerechnet 110 Mio. € gezahlt. Der vor einem Jahr verkündete „Durchbruch in der Diesel-Technik“, bei dem nur 13 Milligramm Stickoxid pro Kilometer emittiert werden, findet Eingang in Fahrzeuge. Unzufrieden ist Denner allerdings mit der Zurückhaltung bei nicht-fossilen Kraftstoffen, sogenannten E-Fuels, welche die EU nicht fördern will: „Um die mehr als ambitionierte CO2-Regulierung der EU einzuhalten, muss die Mobilität von morgen technologieoffen gestaltet werden.“

Im vergangen Jahr 7800 neue Stellen geschaffen


Mit gedämpften Erwartungen geht Bosch ins neue Jahr. Der 2018 stabil gehaltene operative Gewinn vor Steuern und Zinsen von 5,3 Mrd. € soll auch 2019 in etwa erreicht werden. 2018 hatte der Konzern mit einem „widrigen Umfeld“ zu kämpfen. Entwicklungen wie der Brexit und der Handelskonflikt zwischen den USA und China trübten die Konsum- und Investitionslaune, der Umsatz stieg nur um 1,5 Prozent auf 77,9 Mrd. €. Die Unternehmensbereiche konnten an Umsatz zulegen. Nur die Haushaltsgerätesparte litt unter nachteiligen Wechselkursen und einem hohen Preiswettbewerb. Die Zahl der Stellen stieg um 7800 auf 410 000. vt