Katar „Ideales Ziel für Direktinvestitionen“

Scheich Saoud Bin Abdulrahman Al Thani, Botschafter des Katar in Deutschland: „Wir versprechen, Unternehmer und Geschäftsleute in jeder Situation zu fördern, damit Markteintritt und -zugang immer so einfach wie möglich sind.“
Scheich Saoud Bin Abdulrahman Al Thani, Botschafter des Katar in Deutschland: „Wir versprechen, Unternehmer und Geschäftsleute in jeder Situation zu fördern, damit Markteintritt und -zugang immer so einfach wie möglich sind.“ © Foto: Foto
Ulm / Helmut Schneider 08.09.2018

Ein Interview mit einem Scheich wirft zuerst die Frage der Anrede auf. In den Golfstaaten sind Scheichs die Herrscher der Scheichtümer, sie gehören sozusagen der Königsfamilie an und werden mit „Exzellenz“ angesprochen. So wie Scheich Saoud Bin Abdulrahman Al Thani. Er ist Botschafter des Staates Katar in Deutschland. Wir haben mit ihm ein Interview darüber geführt, warum und wie sein Land die Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland und Baden-Württemberg verstärken möchte.

Exzellenz, von Ihrem Land wissen die meisten nur, dass es klein und reich ist und dass es die nächste Fußball-Weltmeisterschaft ausrichtet. Was ist das Wichtigste, was Sie den Deutschen darüber hinaus über Katar mitteilen würden?

Saoud Bin Abdulrahman Al Thani: Zunächst sind wir ein sehr gemeinschaftliches Volk, wir sind gerne mit Freunden und Familie zusammen. Kultur ist ein wichtiger Teil unseres täglichen Lebens und das macht uns zu einem sehr stolzen und traditionellen Land. Katar fördert eine Kultur der Innovation und Kreativität in unserer Region.


Damit meinen Sie vermutlich auch Investitionen in Bildung?
Im Rahmen der Vision 2030 von Katar ist Bildung eine der wichtigsten Säulen der Entwicklung. Viele Bildungsprojekte wurden durch die Qatar Foundation realisiert, zusätzlich zu verschiedenen Kooperationen mit Weltklasse-Universitäten. Bildung gilt als die Zukunft der nächsten Generation arabischer Jugendlicher. Außerdem denken viele aufgrund der geringen Größe des Landes, dass unsere Wirtschaftskraft auch eher klein ist. Aber das stimmt nicht genau: Es gibt immense Möglichkeiten, die darauf warten, die bilaterale Kooperation zwischen dem Staat Katar und der Bundesrepublik Deutschland zu stärken. Dies kann unsere Länder, unsere Bürger, unsere Unternehmen und unsere Kulturen näher zusammenbringen.


Katar verdankt seinen Reichtum vor allem Erdöl und Erdgas.  Beides ist nicht unendlich. Das Königshaus baut deshalb andere Wirtschaftszweige auf. Welche sind das in erster Linie?

Unsere Investitionen sind weit gefächert und konzentrieren sich nicht auf einzelne Sektoren. Um den Anforderungen der Zukunft gerecht zu werden, haben wir die Vision 2030 von Katar entwickelt, die auf vier Säulen basiert: die gesellschaftliche, soziale, wirtschaftliche und ökologische Entwicklung.

Was meint die Vision 2030?

Diese nationale Vision zielt darauf ab, Katar in eine hochentwickelte Gesellschaft zu verwandeln, die in der Lage ist, ihre bisherigen Errungenschaften zu bewahren und ihren Menschen wie auch zukünftigen Generationen einen hohen Lebensstandard zu bieten. Dieses Ziel geht mit dem Bestreben einher, einen nachhaltigen Weg zu beschreiten, der den Einklang zwischen Wirtschaftswachstum, sozialem Fortschritt und Umweltschutz gewährleistet.

Warum sind für Sie Deutschland und die mittelständischen Unternehmen vor allem auch in Baden-Württemberg wichtige Handelspartner?

Baden-Württemberg hat eine hohe Dichte an Unternehmen unterschiedlicher Branchen. Gerade kleine und mittelständische Unternehmen achten darauf, ihr Geschäft auf eine intelligente und unabhängige Weise nachhaltig auszubauen. Dies bietet ein großes Potenzial für die Zusammenarbeit. Da die Diversifizierung unserer Wirtschaft eine unserer Prioritäten ist, suchen wir neue Partner, und in Baden-Württemberg finden wir viel Know-how und die entsprechenden Kooperationsmöglichkeiten.


Hat Katar konkrete Vorstellungen, wie die Handelsbeziehungen ausgebaut werden sollen?

Ja, den Ausbau der Handelsbeziehungen haben wir stetig im Blick. Wir haben gerade das Katar-Deutschland Business und Investment Forum in Berlin veranstaltet. Da ging es unter anderem um Themen wie wirtschaftliche Sicherheit und Projektfinanzierung, Investitionsmöglichkeiten in beiden Ländern und gemeinsame Partnerschaften.

 
Geht es Ihnen vor allem darum, das Know-how der baden-württembergischen Unternehmen zu importieren?

Der Import von Know-how ist sehr wichtig für die Transformation unserer Wirtschaft. Wir haben in unserem Land bereits viel Know-how gesammelt, aber das Lernen hört nie auf. Ich würde es jedoch eher als gegenseitigen Austausch bezeichnen. Wir haben eigene Kompetenzzentren aufgebaut und möchten das bilaterale Lernen fördern, damit beide Länder von unseren strategischen Partnerschaften profitieren.

Will sich Ihr Land über den Staatsfonds noch stärker bei deutschen Unternehmen einkaufen? Haben Sie hierbei bestimmte Branchen im Blick?  

Ja, wir sind immer auf der Suche nach neuen vielversprechenden Möglichkeiten. Bisher kann ich versichern, dass wir mit unseren Investitionen zufrieden sind. Bisher lag der Fokus auf Global Playern, jetzt wollen wir aber auch die Beziehungen mit dem Mittelstand ausbauen, der hier in Deutschland einen hervorragenden Ruf genießt. Neben der Automobil- und Maschinenbauindustrie möchten wir unsere Investitionen in vielen Bereichen insbesondere auf kleine und mittlere Unternehmen ausweiten.

Gibt es Einschränkungen für deutsche Firmen, die in Katar investieren wollen? Welche Voraussetzungen müssen die Firmen mitbringen?

Im Einklang mit unserer Vision 2030 haben wir alle potenziellen Einschränkungen für deutsche Unternehmen beseitigt. Wir haben das Qatar Financial Centre gegründet, das jeden unterstützt, der in Katar geschäftlich tätig sein möchte. Mit unseren Dienstleistungen versprechen wir, Unternehmer und Geschäftsleute in jeder Situation zu fördern, damit Markteintritt und -zugang immer so einfach wie möglich sind.

Sie wollen direkte Investitionen deutscher Unternehmen unterstützen?

Katar entwickelt zurzeit zwei Freihandelszonen mit einer Fläche von 35 Mio. Quadratmetern. Investoren können dann wählen, ob sie ihre Projekte in den Freihandelszonen betreiben oder direkt in lokale Märkte einsteigen möchten. Dies positioniert Katar als ein ideales Ziel für ausländische Direktinvestitionen. Darüber hinaus hat Katar vier neue Logistikbereiche eingerichtet, die dazu beigetragen haben, Lagerkosten zu senken und die Lieferkette zu stärken. Katar ist heute eines der investitionsfreundlichsten Länder und wird zum Handelszentrum für Länder in der Region und weltweit.

Deutschland exportiert vor allem Maschinen, Autos oder chemische Produkte nach Katar. Welche Produkte sind für Sie darüber hinaus wichtig?

Wie bereits erwähnt, haben wir begonnen, unsere Wirtschaft zu diversifizieren, um in Zukunft unabhängiger von Öl und Gas zu sein. Dies bedeutet eine stärkere Konzentration auf Technologie, Nahrungsmittel, Tourismus und die Entwicklung einer wissensbasierten Wirtschaft. Der Logistiksektor ist uns auch wichtig: Als logistisches Zentrum ist Katar perfekt für die Versorgung von 400 Millionen Verbrauchern in Asien.

Was verspricht sich Ihr Land von der Fußball-WM, dem größten Sportereignis der Welt?

Neben der Sportveranstaltung, die uns bereits als Sportnation ehrt, freuen sich die Menschen in Katar und der arabischen Welt, ihre berühmte arabische Gastfreundschaft mit allen Besuchern zu teilen und so die arabische Welt zu repräsentieren. Die WM ist die Gelegenheit für Menschen aus allen Teilen der Welt, zusammen zu kommen, um gemeinsam das großartigste Sportereignis der Welt auf arabischem Boden zu erleben. Die Regierung von Katar unterstützt diese Vision voll und ganz und glaubt, dass das Turnier die Kraft hat, Katar weiterzuentwickeln und als Katalysator für die Entwicklung in unserem Land sowie in der gesamten Region zu wirken.

Weltweit höchstes Pro-Kopf-Einkommen

Katar liegt neben Saudi-Arabien und ist das Land mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen (107 000 €)
der Welt. Katar mit seiner Hauptstadt Doha hat lediglich 2,7 Mio. Einwohner. Aus Deutschland sind derzeit etwa 200 Unternehmen an Projekten in
Katar beteiligt, 64 haben hier ihren Sitz. Auf der Wirtschaftskonferenz in Berlin hat Katars Emir gestern angekündigt, 10 Mrd. € in den nächsten Jahren in Deutschland investieren zu wollen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte, diese Investitionen seien „sehr willkommen“.

Scheich Saoud Bin Abdulrahman Al Thani, 48, hat in den USA Elektrotechnik und in Lyon/Frankreich Sportmanagement studiert. Seit März 2017 ist er Botschafter in Deutschland.

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