Volksfest Zwischen China und Haundorf

Der Crailsheimer Zimmermann Bernd Weinmann genießt an seinem Stand die Ruhe vor dem Sturm.
Der Crailsheimer Zimmermann Bernd Weinmann genießt an seinem Stand die Ruhe vor dem Sturm. © Foto: Birgit Trinkle
Crailsheim / Birgit Trinkle 15.09.2018
Hinter dem Riesenrad geht’s weiter: Zwischen Vergnügungspark und Schönebürstadion finden sich Gewerbeausstellung und Krämermarkt.

Emma „von dr Alb ra“ Richardt steht mit ihren Gemüsehobeln am Stadion hinter dem Vergnügungspark zwischen der Ausstellungsfläche und dem Krämermarkt. Knapp 50 Firmen präsentieren sich, drei Dutzend Händler sorgen mit einem Krämermarkt dafür, dass es dieser Tage nicht nur Wurst und Zuckerwatte gibt auf dem Volksfest, sondern auch Glitzerschuhe und Hausmittel.

Als 17-Jährige hat „Emma, von dr Alb ra“ – sie mag diesen Beinamen – erstmals auf einem Markt mitgearbeitet, und seit 47 Jahren ist das ihr Leben. Dass der Handel nicht mehr ist, was er war, schiebt sie aufs Internet, aber ans Aufhören denkt sie nicht. Sie hat ja nie etwas anderes gemacht. Nur das Übernachten an fremden Orten fällt ihr heute schwerer: Daheim ist es halt am schönsten. Crailsheim hat den Vorteil, dass sie in Rot am See seit Jahren eine Wohlfühl-Herberge gefunden hat.

Jürgen Störrle ist 70 und seit 54 Jahren auf den Märkten unterwegs wie seine Eltern vor ihm. Langsam reicht‘s: „Hätt’ ich 3000 Euro Rente, wäre ich nicht hier“, sagt er, überlegt es sich dann aber anders: Eigentlich mache es schon Freude, auf die richtigen Schmuck-Trends zu setzen und mit den Kunden zu scherzen. Die 70er und 80er, Blütezeit seines Handels, sind indes lange vorbei: Ungefähr zur Euro-Umstellung habe ein Niedergang begonnen, sagt er, der sich bis heute nicht aufhalten lasse. „Alle gucken, aber nur wenige wollen kaufen, und die meisten zieht’s ins Bierzelt.“

Einer muss weder das Internet fürchten noch Konkurrenz aus China und Korea. Erwin Brehm aus Haundorf bei Schnelldorf, der von sich selbst sagt, er sei der letzte Rechenmacher, produziert in der und für die fränkische Heimat. Die Kunden kommen gezielt zu ihm und seinen Holzarbeiten. Rechen gibt es noch immer im Sortiment: „Die werden immer gebraucht, in dieser Jahreszeit bieten sich die V-Zinken an – oder wollen Sie sich nach jedem Apfel bücken?“ Als kleiner Bub ist der heute 65-Jährige mit seiner Großmutter von Haus zu Haus gezogen und hat Bestellungen für Rechen angenommen. Die ganz kleinen Bauern, erinnert er sich, die nur ein paar Ziegen hatten und denen Hunger nicht fremd war, orderten drei Rechen im Jahr, die größeren Bauern mit Magd und Knecht und ein, zwei Pferden, die sie anspannen konnten, brauchten ein ganzes Dutzend. Heute
ist er froh, wenn er einen verkauft.

Handel und Gewerbe

Socken und Hausmittel, Trockenfrüchte, Kräuter, Zirbenholz-
und Hirsekissen, „sensationeller Klebstoff“, was immer von einem traditionellen Krämermarkt erwartet wird, findet sich hier. Das Bindeglied zum Vergnügungs-
park auf dem Volksfestplatz ist eine Ausstellungsfläche, auf der fast 50 Firmen ihre Neuheiten ebenso präsentieren wie ihre Klassiker. Von richtig coolen Rasenmähern bis hin zu Dingen, die das Wohnen schöner machen, ist vieles zu finden. Friedrich Eißen und Geraldine Dieterich etwa präsentieren neue Staubsauger, Steinmetz Tobias Mietz und der Zimmermann Bernd Weinmann verbinden Handwerk und Kunst und schaffen vor allem eine Ruheoase, die in all dem Trubel gerne genutzt wird.

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