Volksfest-Countdown Endlich wieder richtiger Crailsheimer

Ein Herz fürs Volksfest: Oberbürgermeister Dr. Christoph Grimmer.
Ein Herz fürs Volksfest: Oberbürgermeister Dr. Christoph Grimmer. © Foto: Sebastian Unbehauen
Crailsheim / Sebastian Unbehauen 10.09.2018
In den vergangenen zwölf Jahren hat Dr. Christoph Grimmer die fünfte Jahreszeit nur selten hautnah miterlebt – und jetzt direkt als Oberbürgermeister. Die Vorfreude ist groß.

Vielleicht macht Christoph Grimmer ja sogar mal eine Ausnahme. Vielleicht nippt er am Bier, was er normalerweise nicht so gerne tut. Bei ihm schwappt sonst eher Spezi im Krug. Aber besondere Umstände erfordern nun einmal besonderen Einsatz. Und es ist halt wahrlich sehr speziell, dass einer, der vor einem Jahr während des Fränkischen Volksfests noch weit jenseits der Crailsheimer Aufmerksamkeit in Hamburg weilte, heuer das Treiben als OB eröffnet. „Wer hätte das gedacht?“, sagt Grimmer im Gespräch mit unserer Zeitung und lässt den Blick durch sein Büro schweifen als lasse er das seither Geschehene noch einmal Revue passieren.

„Eine große Ehre“ sei es jedenfalls, dass er den Bieranstich bestreiten dürfe – und eine nicht minder große Herausforderung: „Ich bin ein besserer Läufer als Schläger“, sagt der Oberbürgermeister und lacht. „Beim Tennis bin ich auch eher der Slice-Spieler als der mit der gefürchteten Vorhand.“ Aber es nützt ja nichts, der Hammer muss geschwungen werden, die dürstenden Volksfest-Freunde lechzen nach Gersten-Manna für ihre hitzesommertrockenen Kehlen. Grimmer hat sich vorsichtshalber schon einmal bei der Engel-Brauerei zum Üben angekündigt, damit auch ja nichts schiefgeht.

Entspannt ins Wochenende

Von diesem Eröffnungsakt abgesehen sieht das Stadtoberhaupt der fünften Jahreszeit entspannt entgegen. „Die Vorfreude ist schon echt groß“, sagt Grimmer. Prüfende Bürgerblicke nach dem Motto „Wie schlägt er sich denn, der Neue?“ fürchtet er nicht: „Ich gehe davon aus, dass die Stimmung wieder so freundlich, gemeinschaftlich und gelöst sein wird, wie immer. Und dass die Menschen nicht in erster Linie auf den OB gucken. Jeder für sich möchte doch einfach ein schönes Wochenende erleben.“

Grimmer hat von klein auf schöne Volksfest-Momente erlebt, schließlich stammt er aus der Stadt. „Als Kind am Straßenrand haben vor allem die Männer in Schwarz, also die Bürgerwache, und die Stadtkapelle Eindruck auf mich gemacht“, erinnert er sich. Überhaupt: Der Festumzug war für Christoph der eigentliche Höhepunkt des Treibens – und ist es für Grimmer noch heute: „Es ist einfach nach wie vor beeindruckend, dass Menschen über viele Wochen hinweg nach Feierabend zusammenkommen, um den Umzug zu etwas ganz Besonderem zu machen.“

Gern denkt Grimmer auch daran zurück, wie er als aktiver Fußballer des TSV Goldbach einmal am Volksfest-Freitag ein Derby mit seiner Mannschaft gegen den SV Onolzheim gewann – „da ist die Laune dann natürlich besonders gut.“ Oder daran, wie er nach dem Abi im Gespräch mit einem Freund im Bierzelt die Entscheidung traf, in Hamburg zu studieren. „Man kann im Engelzelt durchaus gute Entscheidungen treffen“, sagt er. Welcher Crailsheimer wüsste das nicht?

Eine andere Anekdote ruft bei Grimmer freilich zwiespältigere Gefühle hervor: Zweimal nahm der heutige OB während seiner Schulzeit selbst am Umzug teil, einmal davon saß er die ganze Strecke über weitgehend unbekleidet in einem Wasserfass. „Ich galt als relativ abgehärtet, weil ich bis November oder Dezember mit kurzen Hosen in die Schule kam.“ Bei bewölktem Himmel im ungeheizten Wasser zu sitzen – das war dann freilich doch ein bisschen zu viel des Kalten. „Aber ich habe so getan, als ob es mir nichts ausmacht.“

In den vergangenen zwölf Jahren war Grimmer kaum auf dem Volksfest. Und wenn er doch einmal vorbeischaute, musste er feststellen, dass es nicht dasselbe war. Weil er einfach nicht mehr so dazugehörte wie früher. Weil Bekanntschaften sich neu sortiert hatten. Weil Freunde mittlerweile ganz woanders lebten. Schön war’s trotzdem, klar. Aber anders. Kurzum: Grimmer geht heuer nicht nur erstmals als Oberbürgermeister über den Festplatz, sondern auch endlich wieder als richtiger Crailsheimer.

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