Volksfest Mutig sein und Probleme lösen

Heitere Stimmung trotz ernster Appelle: Katharina Schulze und Anton Hofreiter auf dem kleinen Volksfestplatz.
Heitere Stimmung trotz ernster Appelle: Katharina Schulze und Anton Hofreiter auf dem kleinen Volksfestplatz. © Foto: Daniela Knipper
Crailsheim / Christine Hofmann 14.09.2018
Bei der Veranstaltung der Grünen auf dem kleinen Volksfestplatz wird gegen die CDU/CSU gewettert.

Lob für grüne Politik in Baden-Württemberg und jede Menge Schelte für die bayerische CSU und die Große Koalition in Berlin bekamen die Besucher des zweiten alternativen Volksfestauftakts des Kreisverbands Schwäbisch Hall von Bündnis 90/Die Grünen am Donnerstagabend auf dem kleinen Volksfestplatz vor dem Jugendzentrum zu hören.

Politisiert wurde nicht im Festzelt, sondern unter Pavillondach und freiem Himmel, es gab Bio-Limonade und Halbe statt Mass, Flammkuchen statt Brathähnchen und Mundart-Musik der Hohenloher Barden Johkurt und Paulaner. Da konnte sich der Grünen-Bundestagsfraktionsvorsitzende Anton Hofreiter zunächst mit dem „Mouschd-Blues“ in Stimmung bringen, bevor er ans Rednerpult trat.

Dort zögerte er nicht, wie es sich als Oppositionsführer gehört, auf die Missstände im Bund hinzuweisen. Die Enttäuschung über eine Bundesregierung, „die sich streitet und blockiert und es darüber versäumt, Gesetze zu verabschieden und Politik zu machen“, zeigte er deutlich. Hofreiter blieb nicht bei allgemeinen Klagen, sondern nannte konkrete Beispiele: Bei der Klimapolitik den bislang versäumten Ausstieg aus dem Braunkohleabbau, beim Thema Landwirtschaft die ungerechte Verteilung von Steuergeldern und beim Thema Mobilität die Investition in Straßenbau anstatt in die Sanierung des Bahnnetzes und einen funktionierenden ÖPNV.

„Die Bundesregierung traut sich nicht, großen Konzernen klare Ansagen zu machen“, sagte Hofreiter und verwies auf die grüne Landesregierung in Baden-Württemberg. „In Baden-Württemberg haben wir gesehen: Politik kann Probleme lösen, wenn man sie mutig anpackt. Das wünsche ich mir für die Bundesregierung auch.“

Nach einem eindringlichen Appell, an Europa festzuhalten, rief Hofreiter die Zuhörer am Ende auf, sich für den Erhalt der Demokratie einzusetzen. „Ich habe eine Bitte: Verteidigen Sie die Demokratie. Gehen Sie zur Wahl und wählen Sie gern grün, aber vor allem demokratisch.“

Katharina Schulze sind die grünen Stimmen freilich am liebsten. Die Spitzenkandidatin für die Landtagswahl in Bayern am 14. Oktober machte Wahlkampf jenseits der Landesgrenze und zeigte sich, beflügelt von den aktuellen Umfragewerten, nach denen die Grünen mit 17 Prozent zweitstärkste Partei sind, optimistisch. „In 31 Tagen ist endlich die absolute Mehrheit der CSU in Bayern Geschichte. Darauf trinken wir“, sagte sie und prostete ins Publikum.

Sie wolle sich weder Europa „von einem breitbeinigen CDU-Politiker“ kaputt machen lassen, „nur weil der gern ein paar Grenzer hätte“, noch die Demokratie in Deutschland. Von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) forderte sie eine klare Haltung gegen rechte Gesinnungen. Schulze: „Wir müssen Zivilcourage zeigen, Haltung bewahren und den Mund aufmachen, wenn andere schweigen. Wir werden uns dem rechten Mob entgegenstellen. Liebe ist am Ende immer stärker als Hass.“

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