Handwerk Laufradbauer aus Leidenschaft

Crailsheim / Christine Hofmann 15.09.2018
Seit 20 Jahren baut Wolfgang Frank aus Stimpfach in reiner Handarbeit mit geübten Schreinerhänden Draisinen, die beim Drais-Laufrad-Rennen am Volksfestsonntag an den Start gehen. Schöner als das Draisradbauen ist für den 69-Jährigen nur das Draisradfahren.

Wenn Wolfgang Frank ein Holzstück an die Drechselmaschine anlegt, stieben die Holzspäne in seiner kleinen Werkstatt in Stimpfach in alle Richtungen. Professionelle Schreinermaschinen stehen hier, über den Werkbänken sind Werkzeuge in allen Formen und Größen sauber aufgereiht und allerorten warten Hölzer unterschiedlichster Art darauf, bearbeitet zu werden.

Heute lässt Frank die großen Maschinen ausgeschaltet und wählt die feinen Werkzeuge. Er leimt hölzerne Horaffen, die kaum größer sind als ein Ein-Euro-Stück, auf einen Holzpokal. „Den bekommt der Sieger des Laufrad-Rennens am Sonntag“, erzählt der 69-Jährige. „Und dies hier ist der Pokal für die schnellste Laufradfahrerin.“ Auch für die Zweit- und Drittplatzierten hat der Rentner hölzerne Pokale hergestellt. Jedes Jahr überlegt er sich eine neue Gestaltung für die Siegerpreise.

Franks eigentliche Spezialität sind aber nicht die Pokale, sondern die Drais-Laufräder, mit denen die Teilnehmer um die Trophäen kämpfen. 42 Stück hat er schon gebaut und die Modelle stets weiterentwickelt. „Acht Draisinen baue ich noch, dann ist Schluss“, sagt Frank. „Für das letzte lasse ich mir etwas besonderes einfallen.“

Die Begeisterung für Zweiräder begleitet Wolfgang Frank schon seit Jahrzehnten. Er ist leidenschaftlicher Rennradfahrer. „Wenn es einen einmal gepackt hat, kommt man nicht mehr davon los“, sagt er. Vor 20 Jahren ließ er sich von Mitgliedern der Radsportgruppe des TSV Crailsheim überreden, am Volksfestsonntag beim Drais-Laufrad-Rennen teilzunehmen. „Ich habe zugesagt und dann erst einmal heimlich geübt. Als Anfänger wollte ich mich nicht gleich vor großem Publikum blamieren.“

Die Übungsstunden rund um seinen Heimatort haben sich gelohnt. Frank blamierte sich nicht: Er belegte einen guten Platz im Mittelfeld. „Da lande ich meistens“, erzählt der Ruheständler, „mit zunehmendem Alter geht es etwas weiter in Richtung hintere Plätze.“ Den Ehrgeiz, sein Bestes zu geben, hat er jedenfalls noch nicht verloren. Und auch nicht die Freude am Laufradeln. „Einmal dabei, immer dabei“, sagt Frank und lacht. In diesem Jahr muss er zwar aus gesundheitlichen Gründen pausieren, doch er hofft, im nächsten Jahr wieder an den Start gehen zu können.

Das Modell als Vorlage

Gleich bei seinen ersten Versuchen auf dem Laufrad hat der gelernte Schreiner festgestellt, dass die Draisinen bei hohen Geschwindigkeiten unruhig wurden. „Ich habe überlegt, wie die Räder stabiler werden könnten. Dann bin ich in meine Werkstatt gegangen und habe angefangen, ein Laufrad zu bauen. Als Modell hatte ich ja noch das Rad, mit dem ich am Volksfest 1998 das Rennen gefahren bin.“

Frank hat einen neuen Rahmen entworfen und eine neue Gabel. Die Räder mit der Gummibeschichtung sind geblieben. „Das neue Modell war stabiler und fuhr schneller“, berichtet der Laufradbauer. „Das ist die Rennausführung.“

Dass Frank sein ganzes Berufsleben lang mit Holz gearbeitet hat, zeigt sich in der Präzision und der Liebe zum Detail, die er in Konstruktion und Ausführung steckt: Sämtliche Kanten seiner Laufräder sind abgerundet und die Oberflächen glatt.

In einem Ordner sammelt Wolfgang Frank alles, was mit Laufrädern zu tun hat: Berichte über historische Vorbilder, technische Zeichnungen, Notizen über Arbeitsschritte und sogar Ergebnislisten von allen Rennen, an denen der 69-Jährige teilgenommen hat. Außerdem beschäftigt er sich mit der Geschichte der Draisinen. Einmal ist Frank gar ins Deutsche Zweirad- und NSU-Museum nach Neckarsulm gefahren. „Das war hochinteressant.“

Zwei bis drei Laufräder baut der Schreiner pro Jahr, ausschließlich aus Eschenholz, das auch für Schlitten oder im Wagenbau benutzt wird. „1991 habe ich mal eine ganze Serie produziert: sieben Stück gleichzeitig.“ In jedem Drais-Rad stecken rund 30 Arbeitsstunden. „Früher hat es länger gedauert, bis ein Laufrad fertig war. Inzwischen geht es schneller, ich habe die Arbeitstechnik so weit wie möglich rationalisiert“, sagt Frank.

Stets tüftelt er an kleinen Details herum, um die Draisinen weiter zu verbessern. Da er sie nicht nur baut, sondern auch selber fährt, merkt er schnell, an welcher Stelle es Optimierungsbedarf gibt. Eine Bremse hat er freilich noch nicht eingebaut, die gibt es bei Draisinen nicht. „Gebremst wird mit den Schuhsohlen“, sagt Frank und fügt lachend hinzu: „Bremsen braucht man beim Laufrad nicht. Wer bremst, verliert.“

Info Das 46. Drais-Laufrad-Rennen beginnt morgen um 10 Uhr mit einem Massenstart in der Bahnhofstraße an der Unterführung. Das Ziel ist nach drei Kilometern an der Ehrentribüne vor dem Rathaus. Veranstalter ist die Radsportabteilung des TSV Crailsheim.

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