Crailsheim Die wohl größten Hopfenbauern von Crailsheim

Crailsheim / Julia Vogelmann 12.09.2018
Der Hopfengarten vor der Biermanufaktur Engel im Stadtteil Sauerbrunnen ist ein ehrenamtliches Liebhaberprojekt von Reinhold Dolinsky und Werner Mecus. Im Sommer schmücken die Ranken den Straßenrand, am Volksfest das Vorzeigegespann der Brauerei.

Am Wochenende beim Volksfest-Umzug wird auch heuer das Brauereigespann der Biermanufaktur Engel für Aufsehen sorgen. Und das nicht nur wegen der beeindruckenden Kaltblüter, die die Bierfässer ziehen, sondern auch wegen der Dekoration mit Hopfenranken. Die wachsen vor der Brauerei an prominenter Stelle an der Haller Straße und sind ein Liebhaberprojekt von Reinhold Dolinsky und seinem Schwager Werner Mecus.

Zum Hopfen kam Dolinsky durch zwei Vettern, die in der Holledau professionellen Anbau betreiben. Dort hat er vor Jahren Pflanzen für seinen Garten mitgenommen, wo er den Hopfen zur Blüte brachte. „Im August und September ist der Hopfen am schönsten. Es war jedes Jahr schade, ihn verblühen zu lassen“, erinnert sich der Hobbybauer, wie die Idee aufkam, der Brauerei im Sauerbrunnen die Ranken als Dekoration für das Volksfest anzubieten. Dort nahm man das Angebot freudig an.

„Armselige Pflänzchen“

Vor etwa vier Jahren schließlich fuhr Dolinsky wieder einmal an der Brauerei vorbei und entdeckte, dass es dort eine Hopfenanlage gab, direkt an der Straße neben dem steinernen Bierkrug. „Die Pflanzen hingen recht armselig da“, erinnert er sich. Bei einem zufälligen Treffen mit Gudrun Fach kam das Gespräch auf den Hopfen, und er bekam das Angebot, sich um die Pflanzung zu kümmern. Dolinsky und Werner Mecus nahmen die Arbeit mit Begeisterung auf. Aus der Holledau wurden Pflanzen geholt und eingepflanzt, gehegt und gepflegt.

Doch leider ging der erste Versuch schief. Zu unerfahren waren die beiden Hobbyhopfenbauern und zu schlecht war der Boden. Im zweiten Jahr wurde erst einmal ein ganzer Lkw Humus in den Hopfengarten gekarrt, wo schließlich 17 Setzlinge der Sorte Holledauer Herkules eine neue Heimat fanden. Dazu hatte sich Reinhold Dolinsky intensiv eingelesen in die Pflege und lernte auch, dass Pflanzenschutz zum Handwerk gehört. „Hopfen ist sehr sehr anfällig für Schädlinge. Wenn eine Pflanze etwas hat, dann haben es alle. Ohne Pflanzenschutz läuft da gar nichts“, erklärt Dolinsky.

„Letztes Jahr war ein Spitzen- Hopfenjahr“, freut sich der Hopfenbauer noch heute, und der Stolz ist ihm anzuhören, als er vom Lob des Vetters aus der Holledau erzählt, der die Pflanzen auf der Durchreise begutachtet hat. Mit den Profis aus der Holledau ist das Schwagerpaar übrigens in ständigem Kontakt und es werden schon mal Fotos via WhatsApp von den Pflanzen und Blättern zur Ferndiagnose hin- und hergeschickt. In diesem Jahr hieß es dann, es sei einfach zu erkennen, weshalb der Hopfen nicht ganz so gut gedieh: Die Hitze und der fehlende Regen minderten das Wachstum. „Er ist zwar ganz gut gewachsen, doch wir hätten mindestens zweimal am Tag gießen müssen. Das war zeitlich einfach nicht leistbar“, so Reinhold Dolinsky.

„Welche Pflanze passt besser?“

Der Spruch „Der Hopfen muss einmal am Tag seinen Herren sehen“ hat für den Hobbybauern jedoch nach wie vor Gültigkeit und ist angesichts der vielen Aufgaben, die mit der Hopfenpflege zusammenhängen, auch eine Notwendigkeit. Im Frühjahr geht es los mit dem Beschneiden unter der Erde. Dann müssten Drähte gespannt werden, an denen die drei stärksten Triebe emporwachsen dürfen. Bodenlockern, Unkrautjäten und Gießen gehören danach zum Tagesgeschäft.

Die Ranken sind in diesem Jahr bereits abgeerntet und stehen zur Dekoration bereit. Das nahende Ende der Biergartensaison ist damit eingeläutet. Erst im nächsten Jahr können sich Vorbeifahrende und Biergartengäste wieder am Werk von Reinhold Dolinsky und Werner Mecus freuen. Die sind schließlich, so witzelt Dolinsky, „die wohl größten Hopfenbauern von Crailsheim“. Und er betont: „Welche Pflanze passt besser zu einer Brauerei und einem Biergarten als Hopfen?“

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