Volksfest Crailsheim leistet sich sein Volksfest

Am Wochenende macht der Volksfestplatz seinem Namen alle Ehre.
Am Wochenende macht der Volksfestplatz seinem Namen alle Ehre. © Foto: Bildquelle
Crailsheim / Von Kerstin Dorn 13.09.2018
Die Ausgaben für das Volksfest übersteigen die Einnahmen um ein Mehrfaches. Wenn der schulische Festzug ansteht, geht die Stadt mit rund 350.000 Euro ins Minus.

Zehn Millionen Euro, so lauten vorsichtige Schätzungen,  werden  mit dem Fränkischen Volksfest in Crailsheim umgesetzt. Diese Summe basiert auf zwei Angaben: der Besucherzahl, die von der Polizei mit 400.000 angegeben wird, und der Annahme, dass ein Festbesucher im Schnitt 25 Euro ausgibt.  „Das sind unsere vagen Schätzungen“, sagt  Susanne Kröper-Vogt, Ressortleiterin Soziales & Kultur bei der  Stadt Crailsheim,  bei der die Fäden der Organisation  zusammenlaufen.  „Geht man davon aus, dass die Hotels während des Festes nahezu ausgebucht sind,  die Händler  am Sonntag  ihre Geschäfte öffnen dürfen und man auch in der örtlichen Gastronomie besser reservieren sollte, dürfte diese Zahl eher  nach oben korrigiert werden müssen.“

Wirtschaftliches Potenzial

Das Volksfest ist historisch gewachsen und wichtig für das Heimatgefühl der Crailsheimer. Deshalb lässt es sich die Stadt auch einiges kosten:  Die Ausgaben differieren je nachdem, welcher Umzug stattfindet. Sie betrugen vor zwei Jahren  693.000 Euro, im letzten Jahr 550.000 Euro und die Planungen für 2019 sehen Ausgaben in Höhe von 650.000 Euro vor.  Diesen Ausgaben stehen Einnahmen von lediglich  200.000 Euro gegenüber, die sich in den drei Jahren nicht wesentlich änderten.  Am höchsten sind die Ausgaben für den Bauhof,  die Security sowie für den Festumzug der Schulen. Dagegen nehmen sich die Kosten für das  Feuerwerk (50.000 Euro)  oder für den Vergnügungspark mit 80.000 Euro vergleichsweise gering aus.

Dieses Minus, das  2016   bei  487.000 Euro und 2017 bei 350.000 Euro lag,  ist  immer wieder  Gegenstand von Diskussionen im Gemeinderat und wirft die Fragen auf: Wie können die Einnahmen, die sich hauptsächlich aus den  Standgebühren ergeben, erhöht  oder die Ausgaben gekürzt werden? „Wir  tun beides“, sagt Kröper-Vogt. Die Ausgaben für die Beleuchtung der Fluchtwege  und Absperrgitter schlugen kräftig zu Buche, sind aber bezahlt und fallen jetzt weg. Und die Standgebühren werden alle zwei bis drei Jahre  erhöht und mit den Gebühren  auf anderen  Volksfesten abgeglichen:  „Wir sind sehr hochpreisig für diese vier Tage“, so die Ressortleiterin und verweist auf die  Gebührenordnung, die  differenziert auflistet,  wer  wie viel zu zahlen hat.  „Bei Kinderfahrgeschäften oder neuen Attraktionen, die wir unbedingt haben wollen, machen wir Zugeständnisse.“ Richtig  teuer ist es für Schausteller, die Glücksspiele anbieten. Ein Losbudenbesitzer  beispielsweise, muss für seinen etwa 50 Quadratmeter großen Stand  auf dem Festplatz 1500 Euro für vier Tage zahlen. Ein Crailsheimer Handwerker hingegen,  der seinen Stand auf dem Ausstellungsgelände  hinter der Hakro-Arena aufschlägt, zahlt für die gleiche Größe nur 360 Euro. Das  ist politisch gewollt: „Die  Vergaberichtlinien  sind darauf  ausgerichtet,  die heimische Wirtschaft zu stärken“, sagt Kröper-Vogt.   Deshalb  gibt es auch keine Diskussionen darüber, welche Brauereien die Festzelte beliefern dürfen. Beim Festzelt und dem „Kleinen Engel“ ist   die Biermanufaktur  Engel seit Jahren gesetzt.  Das dritte Zelt wird von der Brauerei Distelhäuser aus Tauberbischofsheim beliefert. 

Der Gemeinderat  hat darüber hinaus entschieden, dass nur Crailsheimer Metzgereien  einen Anspruch auf einen Standplatz auf dem Festgelände bekommen oder ihre Produkte über einen Vertreter verkaufen dürfen. Filialisten sind von dieser Regelung ausgeschlossen. Seit zehn Jahren verantwortet Kröper-Vogt den Volksfesthaushalt und kann Tendenzen erkennen.  2008 lag das Defizit noch bei 170.000 Euro. Damals standen den Ausgaben  von  290.000 Euro Einnahmen in Höhe von 120.000 Euro gegenüber.  Die größten Zuwächse auf der Ausgabenseite gab es bei den Stundensätzen, die mit dem Bauhof verrechnet werden, und für die 120 Sicherheitskräfte, die für  hoffentlich ungetrübte Festtage sorgen.

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