Volksfest „Arbeitsverweigerung“ und ein Europa-Appell

Der stellvertretende Ministerpräsident Baden-Württembergs Thomas Strobl spricht im Engel-Zelt in Festtagslaune von der Bedeutung Europas und von  den Superlativen Crailsheims.
Der stellvertretende Ministerpräsident Baden-Württembergs Thomas Strobl spricht im Engel-Zelt in Festtagslaune von der Bedeutung Europas und von  den Superlativen Crailsheims. © Foto: sd
Crailsheim / Birgit Trinkle 14.09.2018
Beim politischen Volksfestauftakt des CDU-Stadtverbandes im Engel-Zelt widmet sich Thomas Strobl seinen dringendsten Anliegen

Es war nicht nur eine halbe Volksfestplatz-Länge, die am Donnerstagbend die beiden Festredner Thomas Strobl und Anton Hofreiter trennte. Was die Weltanschauung angeht, war die Distanz – wenig überraschend –  deutlich größer. Strobl, Chef des CDU-Landesverbands, Innenminister und stellvertretender Ministerpräsident im Kabinett Kretschmann, teilte durchaus nachdrücklich aus.

Es wundere ihn, dass sich der Grünen-Politiker in Crailsheim „rumtreibe“, immerhin sei das Arbeitsverweigerung. In Berlin sei Sitzung, an eben diesem Abend tage der deutsche Bundestag, es sei zudem Haushaltswoche, mithin gehe es um das Königsrecht des Parlaments, und während der CDU-Abgeordnete Christian von Stetten ganz selbstverständlich an seinem Arbeitsplatz zu finden sei, „drückt sich der Hofreiter-Toni vor seiner Pflicht“. Obwohl: So könne der Bundespolitiker wenigstens „keinen Unsinn machen in Berlin“.

Grundsätzlich aber war Thomas Strobl in Festlaune, lachte, wetterte, fand auch immer neue Superlative. So bescheinigte er den Crailsheimern „das beste Bier der Welt“, oder auch das größte Volksfest: Wenn eine Stadt mit 35.000 Einwohnern 400.000 Gäste habe, mithin das Elffache ihrer Größe, sei das deutlich mehr, als München gelinge, eine Stadt, die, würde dieser Maßstab angelegt, elf Millionen Besucher zählen müsste. „Auf der ganzen westlichen Hemisphäre, auf der ganzen Welt“ gebe es nichts Vergleichbares.

Für Europa

Für gute Stimmung sorgen, nicht nur das  war Strobl im Engel-Zelt wichtig. Die Europaabgeordnete Dr. Inge Gräßle hatte in ihrem Grußwort eine Liebeserklärung an Europa mit Zahlen und Fakten untermauert, und darauf baute Strobl auf. In seiner Ansprache sang er das Hohelied des Mittelstands, des schnellen Internets und des Ehrenamts, ging dann aber vor allem auf die Bedeutung Europas für die Region ein.

Kein Land, keine Region habe so sehr von Europa profitiert wie Franken, so Strobl mit Blick auf Exportanteil und die Weltmarktführer im Landkreis. Am Beispiel der Digitalisierung zeigte er auf, „wie Veränderungen aufgegriffen und neue Traditionen gelegt werden“. Er selbst sei stundenlang in selbstfahrenden Autos gefahren, die unaufhaltsam auf den Markt drängten: Ob ein Neunjähriger, seine über 90 Jahre alten Eltern – die zu seinem Leidwesen wohl noch Auto fahren –, ein Politiker nach dem zweiten Bier oder gar niemand in diesem Auto sitze, sei „völlig wurscht“. Wichtig sei aber, „dass dieses Auto auch in Zukunft da gebaut wird, wo es erfunden wurde.“

Er nannte die Erfolge des EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker im Umgang mit „diesem Wahnsinnigen“, Donald Trump in den USA, vor allem aber die Wertvorstellungen Europas und Israels, die nicht leichtfertig preisgegeben werden dürften. Die Bedeutung Europas für Crailsheim und die Region und die Notwendigkeit, in einer Wertegemeinschaft zusammenzubleiben, der Appell, Inge Gräßle im Mai nächsten Jahres wieder ins Parlament zu wählen, diese Anliegen sollten von seinem Besuch in Crailsheim bleiben.

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