Das Universitätsklinikum Ulm (UKU) wird in Klinik-Rankings regelmäßig in den Top-20-Kliniken Deutschlands gelistet. Zu den dort besonders hervorgehobenen Fachbereichen zählen die Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie, die von Professor Dr. Andreas Liebold geleitet wird, und die Klinik für Innere Medizin II unter der Leitung von Professor Dr. Wolfgang Rottbauer mit den Schwerpunkten Herz-, Lungen-, Gefäß- sowie Intensiv- und Notfallmedizin. Um diejenigen Bereiche des UKU, die sich mit Erkrankungen des Herzens und der Gefäße im Kindes- und Erwachsenenalter beschäftigen, noch besser zu vernetzen, wurde im Frühjahr dieses Jahres die Gründung des Universitären Herzzentrums Ulm beschlossen. „Durch die Gründung unseres Herzzentrums möchten wir eine bessere Repräsentation dieser Fachbereiche nach innen und nach außen erreichen und die Krankenversorgung noch weiter optimieren. Auch die Forschung und Lehre auf dem Gebiet der Herz-Kreislauf-Medizin wird von dieser neuen Struktur profitieren“, erklärt Professor Dr. Udo X. Kaisers, Leitender Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums Ulm.

Rasante Entwicklungen in der Herzmedizin

Die Ulmer Herzmediziner legen sehr viel Wert auf ein interdisziplinäres, transparentes sowie qualitätsgesichertes klinisches Arbeiten. „Dies sind wir als klinisch tätige Herzspezialisten unseren Patienten stets schuldig, nur so kann die Herzmedizin den immensen medizinischen Fortschritt auf empathische Weise sicher und effektiv an den Patienten bringen“, sagen die Mediziner. Diese interdisziplinäre Zusammenarbeit soll durch das Herzzentrum noch weiter gestärkt werden. „Der Gesetzgeber gibt mittlerweile die Struktur von Herzzentren der Zukunft vor, begutachtet und zertifiziert diese. Ziel ist es, die Behandlungsqualität zu sichern und innovative Therapien zu entwickeln sowie international sichtbare Exzellenzforschung zu gewährleisten“, so Professor Dr. Udo X. Kaisers.
Der Gedanke eines Herzzentrums an sich ist nicht neu. Zukunftsweisend hingegen ist das Zusammenspiel zahlreicher klinischer Experten im Rahmen einer überregionalen Koordination von an der Herzmedizin partnerschaftlich beteiligten Einrichtungen. Diese spannt sich von hochspezialisierten Krankenhäusern bis hin zu niedergelassenen Kardiologen und Hausärzten. Neben Fachabteilungen für Kardiologie und Herzchirurgie bedarf es neuerdings weiterer Fachabteilungen, wie Kinderkardiologie, Kardioanästhesie, Kinderherzchirurgie sowie einer Abteilung zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen. Diese sind idealerweise eingebettet in hochspezialisierte, standardisierte und zertifizierte klinische Strukturen wie einer „Heart-Failure-Unit“ (Intensivstation für Herzschwächepatienten), einer „Chest-Pain-Unit“ (Notaufnahme und Intensivstation für Herzpatienten) und einer „Heart Valve Unit“ (Überwachungs- und Behandlungseinheit für Herzklappenpatienten) mit überregionalem Behandlungs- und Koordinationsauftrag.
Moderne Herzmedizin wird sich nach wie vor primär im Krankenhaus abspielen, es bedarf jedoch mehr und mehr zahlreicher Spezialteams und Strukturen zur innovativen Behandlung der meist akut lebensbedrohlich und schwer erkrankten Herzpatienten. Dabei wird ein hoher Anspruch an die Verfügbarkeit von medizinischen Leistungen an das Herzzentrum gestellt, das eine zentrale Aufgabe in der regionalen und überregionalen Koordination der Herzmedizin zwischen umliegenden Krankenhäusern und niedergelassenen Kardiologen und Hausärzten hat.

Zusammenspiel unterschiedlicher Protagonisten

Im neuen Herzzentrum werden vielerlei Kompetenzen zusammenlaufen. Was derzeit entstehe, sei das Zusammenspiel unterschiedlicher Protagonisten im Herz-Bereich, vom Hausarzt bis zum Krankenhaus. „Hierbei haben wir eine überregionale Koordinationsaufgabe“, sagen die Ulmer Herzspezialisten. Eine Kooperation der Kliniken aus der Region Alb-Donau/Bodensee, Schwaben bis nach Stuttgart, Tübingen, Augsburg und Würzburg wird für jeden Herzpatienten den Zugang zu den hochspezialisierten Strukturen, Diagnose- und Behandlungseinrichtungen des Herzzentrums sicherstellen.

Ein interdisziplinäres Herzzentrum für die Region

Im neuen Herzzentrum soll insbesondere der Bereich „Kinderherzmedizin“ unter der Leitung von Professor Christian Apitz, Leiter der Sektion Pädiatrische Kardiologie am UKU, und Professor Andreas Liebold weiter ausgebaut werden. „In unserer ­Kinderklinik versorgen wir Patientinnen und Patienten mit angeborenen Herzfehlern vom Neugeborenen- bis zum Erwachsenenalter. Dabei arbeiten wir auch bisher schon eng mit anderen Bereichen wie der Klinik für Innere Medizin II zusammen. Diese Zusammenarbeit werden wir nun intensivieren“, betont Professor Apitz. „Zum Ausbau der Kinderherzmedizin gehört auch die Etablierung einer Kinder-Herzchirurgie, die das ohnehin breite operative Behandlungsspektrum der Ulmer Herzmedizin abrunden wird. So werden wir Erkrankungen des Herzens und der Gefäße im Kindesalter zukünftig noch besser behandeln können“, ergänzt Professor Liebold. Innerhalb des Herzzentrums entstehen aber auch zahlreiche neue Fachbereiche, die die interdisziplinäre Behandlung sämtlicher Herz-Kreislauf-Erkrankungen für die Region gewährleisten werden. So z.B. der Fachbereich „Gefäßmedizin“, der unter anderem aus Spezialistinnen und Spezialisten aus Kardiologie, Angiologie, Herz- und Gefäßchirurgie sowie der vaskulären Neurologie und Radiologie besteht. „Im Fachbereich ‚Herzschwäche‘ spielt die Neurologie außerdem eine ganz zentrale Rolle“, erklärt Professor Rottbauer. Herzschwäche und Skelettmuskelschwäche können beide genetisch bedingt auftreten. Weiterhin entstehe ein Team aus Herzschwäche- und Tumorspezialisten, das sich gemeinsam um die Prävention, Diagnostik und Behandlung von Tumortherapie-induzierter Herzschwäche kümmere. „Von der Psychokardiologie bis hin zur Epidemiologie wird das Herzzentrum künftig zahlreiche neue interdisziplinäre Bereiche abbilden“, ergänzt Professor Rottbauer. Als letzten Sektor nennt er die geriatrische Alters-Herzmedizin: „Hier geht es in erster Linie um lebensqualitätszentrierte Medizin. Insbesondere bei älteren Menschen muss innovative und exzellente Herzmedizin eine andere Betrachtungsweise anstreben. Denn hierbei geht es meist nicht mehr nur um lebensverlängernde Therapien, sondern der Fokus des älteren Patienten liegt auf der Verbesserung beziehungsweise dem Erhalt von Lebens­qualität.“

Feierliche Eröffnung im November

Am 11. November 2022 wird das Universitäre Herzzentrum Ulm in einem feierlichen Festakt im Stadthaus Ulm mit Festreden aus Politik und Medizin der Öffentlichkeit vorgestellt. Abgerundet werden die Feierlichkeiten mit einem wissenschaftlichen Symposium am 12. November, bei dem die unterschiedlichen Fachdisziplinen aktuelle Themen der Herzmedizin vortragen und gemeinsam diskutieren.

Personen

Prof. Dr. med Andreas Liebold ist Ärztlicher Direktor der Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie.
Prof. Dr. med. Wolfgang Rottbauer ist Ärztlicher Direktor der Klinik für Innere Medizin II, Kardiologie, Angiologie und Pneumologie, Internistische Intensivmedizin, Sport- und Rehabilitationsmedizin.
Prof. Dr. med. Christian Apitz ist Leiter der Sektion Pädiatrische Kardiologie.