„Die Zahl der Patienten mit schwerwiegenden Herzerkrankungen häuft sich“, wie Dr. Winfried Haerer, Leiter der Herzklinik Ulm, Neu-Ulm und Geislingen an der Steige, erklärt. Als Interventionskardiologe und Internist befasst er sich seit mehreren Jahrzehnten mit Erkrankungen im Bereich der Inneren Medizin, der Kardiologie und der Angiologie. In einer der größten Herzkliniken Deutschlands werden jährlich rund 55000 Untersuchungen, wie beispielsweise Belastungs- und Ultraschalltests, etwa 1200 Stentimplantationen und 4000 Herzkatheteroperationen routiniert durchgeführt. Die Fortschritte, die man in der Kardiologie in den vergangenen 25 Jahren gemacht hat, sind groß.
Seit Beginn der Corona-Pandemie Anfang 2020 hat sich vieles geändert. „Während des ersten Lockdowns kam man auf über 40 Prozent weniger stationäre Behandlungen bei Herzinfarkt und Herzgefäßkomplikationen. Viele Patienten trauen sich aufgrund der Angst vor Covid-19 nicht, eine Klinik aufzusuchen. Bei Beschwerden darf man jedoch keinesfalls zuhause abwarten“, mahnt der Herzspezialist, der Pionierarbeit im Herzkatheterlabor geleistet hat. So war er der erste Ulmer Mediziner, der sich 1986 an eine Ballonaufdehnung der Herzkranzgefäße wagte. „Wenn Engstellen an den Herzkranzgefäßen vorlagen, war früher eine Bypass-Operation die Ultima Ratio. Inzwischen können solche Engstellen mit einer Ballonaufdehnung beseitigt werden, indem ein spezieller Herzkatheter verwendet wird. An dessen Spitze: ein Ballon, der aufgeblasen wird und damit die Engstelle dehnt.“

Koronare Herzerkrankungen

Die Ulmer Herzklinik, die sich ausschließlich mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen befasst, ist seit Anbeginn der Covid-19-Pandemie mit außergewöhnlichen Indikationen konfrontiert: „Wir sprechen hier von Komplikationen, die seit Jahren nicht mehr vorgekommen sind. Wenn sich Patienten aus Angst vor einer Virusansteckung bei einem Herzinfarkt nicht medizinisch versorgen lassen, kann das Infarktnarben zurücklassen. Herzmuskelzellen können dabei zugrunde gehen. Viele Patienten leiden außerdem unter anhaltenden Herz- oder Lungenproblemen sowie Müdigkeit.“

Das Frühwarnsignale erkennen

„Herz-Kreislauferkrankungen sind noch immer Todesursache Nummer eins. In der Öffentlichkeit ist dies durch die sehr präsente Corona-Berichterstattung in den Hintergrund gerückt“, ist der Interventionskardiologe der Meinung. Bei länger als fünf Minuten anhaltenden Schmerzen im Brustkorb, die in Arme, Hals, Kiefer und Oberbauch ausstrahlen, sollten Betroffene sofort einen Notarzt kontaktieren.
Neueren Erkenntnissen der koronaren Forschung zufolge treten bei rund der Hälfte der Herzinfarktpatienten 24 bis 48 Stunden vor dem eigentlichen Infarkt bereits Symptome auf: „Meist nur für wenige Minuten, die Betroffenen denken dann, es sei alles gut. Fehlanzeige: Auch bei kurzen Phasen von Brustkorbenge oder einem Brennen hinter dem Brustbein gilt es, sofort zu handeln.“ Viele Patienten, die derzeit in der Herzklinik behandelt werden, tendieren außerdem in Richtung Depressionen. Die Ursachen: „Mangelhafte Bewegung, kaum Kontakte und schlechte Ernährungsgewohnheiten im Homeoffice.“ Wichtig sei es, auf eine gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung zu achten, um dem Corona-Speck auf den Leib zu rücken. Spaziergänge und Fahrradfahren kräftigen das Herz. Ein Belastungs-EKG in der Herzklinik ermittelt dabei die individuelle Belastbarkeit des Herzens und den passenden Trainingspuls.

Eine App fürs Herz

Eine häufige Herzrhythmusstörung bei über 65-Jährigen ist das zeitweise auftretende Vorhofflimmern, das bei mehr als 20 Prozent aller Schlaganfälle maßgeblich verursachend ist. Im Rahmen der Ulmer Herzrhythmuswochen ist es der Herzklinik Ulm gelungen, der Altersgruppe 65 bis 70 eine Smartphone-Applikation näherzubringen. „Über einen vierzehntägigen Zeitraum wurden mittels der Smartphone-Kamera zwei Eigenmessungen des Herzrhythmus täglich durchgeführt“, wie PD Dr. Ralf Birkemeyer, Interventionskardiologe der Herzklinik Ulm, erklärt. „Das Vorhofflimmerscreening ist ein wichtiges Thema, denn das Schlaganfallrisiko kann durch die rechtzeitige Einleitung einer geeigneten Blutverdünnung um 70 Prozent reduziert werden.“

Kontakt


Herzklinik Ulm, Dr. Haerer und Partner
Magirusstraße 49
89077 Ulm

E-Mail: winfried.haerer@herzklinik-ulm.de
Tel.: 0731 9 35 30 70
www.herzklinik-ulm.de