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Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und des daraus resultierenden Fachkräftemangels in Deutschland sollte die Integration von qualifizierten Flüchtlingen die Situation auf dem Arbeitsmarkt entspannen. Zur Ist-Situation und seiner Einschätzung der Geschäftsführer der Heinzl-Firmengruppe, Christian Heinzl:

Bereits 2015 hieß es, Flüchtlinge könnten dem Fachkräftemangel entgegenwirken. Viele sprechen mittlerweile ernüchtert darüber und verweisen auf einen mühsamen und langwierigen Prozess. Wen sehen Sie in der Pflicht, dies zu erleichtern?

Christian Heinzl: Es ist überhaupt ein massives Problem, die Flüchtlinge zu integrieren. Das liegt schon an der Integration selbst. Beispielsweise können teilweise muslimische Mitarbeiter freitags aus konfessionellen Gründen gar nicht arbeiten. Die Bereitschaft dazu ist sehr gering. Da hapert es schon an der Kultur.

Dazu kommt, dass die Sozialleistungen so hoch sind, dass diese als Hilfsarbeiter gar nicht mehr arbeiten wollen und Abstriche bei den Sozialleistungen in Kauf nehmen möchten.

Der Integrationspakt bringt nichts, was den Fachkräftemangel angeht. Die Aussage der Politik, durch die Flüchtlinge den Fachkräftemangel lösen zu können, ist schlichtweg falsch.

Sie integrieren seit Jahren Flüchtlinge in die Betriebe Ihrer Kunden. Welche Faktoren sind für Sie dabei ausschlaggebend.

Heinzl: Ja, wir integrieren seit zwei Jahren Flüchtlinge bzw. versuchen dies. Von etwa 100 Flüchtlingen lassen sich etwa zwei erfolgreich integrieren, die gut in unserer Arbeitswelt ankommen. Diese Erfolgsquote von knapp zwei Prozent legt dar, dass eine erfolgreiche Integration am Arbeitsmarkt noch nicht möglich ist.

Es mangelt in großem Maße an Fachkenntnissen und einer fundierten Ausbildung in den Herkunftsländern. Diese potentiellen Mitarbeiter sind Großteils schlichtweg unqualifiziert. Es scheitert schon an den Deutschkenntnissen, auch wenn diese Kurse besucht haben. Zu einem großen Teil können sie weder lesen noch schreiben.

Ist das Fachkräfteeinwanderungsgesetz (FKEG) ein Schritt in die richtige Richtung, lediglich ein Strohfeuer, oder gar nur ein Alibi-Paket?

Heinzl: Kurz gesagt, es ist ein Alibi-Paket, vielleicht ein Strohfeuer. Ich verspreche mir von diesem Paket keine Lösung des Fachkräftemangels. Die Politik der Kanzlerin funktioniert zumindest was das Problem des Fachkräftemangels angeht nicht.

Welchen Vorschlag haben Sie an die Politik, das Thema für den Erhalt des brummenden Wirtschaftsmotors zu lösen?

Heinzl: Die Politik muss die Bürokratie erleichtern und vereinfachen. Die deutsche Bürokratie ist eine Katastrophe. Wir verplempern die meiste Zeit mit Behördenwegen und Formularen. Soziale Berufe wie Pflege oder beispielsweise Handwerksberufe müssen schon von der Ausbildung her attraktiver angeboten und auch dargestellt werden. Wir brauchen auch eine gewisse Attraktivität bei Arbeitsplätzen wie im Bereich Pflege, Kindergarten aber auch bei den typischen Handwerksberufen wie Bäcker, Metzger und Schreiner.

Das FKEG kümmert sich nur um „qualifizierte“ Personen. Doch was geschieht bspw. mit Jugendlichen, die noch keine abgeschlossene Ausbildung haben können?

Heinzl: Diese fallen im FKEG durch den Raster. Wir brauchen endlich wieder Jugendliche, die ein Handwerk erlernen möchten; die sowas machen wollen. Wir würden uns über Flüchtlinge freuen, die ein Handwerk, bspw. als Bäcker erlernen wollen. De facto sind aber auch diese schwer zu finden und werden auch hier als unattraktiv gewertet.

Wie sehen Sie die Entwicklung der politischen Agenden in Bezug auf die anstehende Europawahl?

Heinzl: Die Integration von Flüchtlingen ist ein kleiner Punkt in der Europawahl. Wir bekommen die Flüchtlinge nicht in dieser Qualifikation integriert, in der wir sie am Arbeitsmarkt benötigen. Da wird auch eine Europawahl nichts ändern.

Planen Sie für 2019 neue Maßnahmen, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken?

Heinzl: Neue Maßnahmen sind unser täglich Brot. Damit befassen wir uns tagtäglich, nicht nur bei der Integration von Flüchtlingen am Arbeitsmarkt. Auch mit Mitarbeitern aus ganz Europa. Unsere elementaren Steine sind dabei unter anderem eigene Deutschkurse, oder auch die Schaffung und Unterstützung bei leistbarem Wohnraum. Ein wichtiger Punkt, wenn wir Fachkräfte in Deutschland ansiedeln wollen !

Gerne möchte ich nochmals aufgreifen, dass es illusorisch ist, was uns die Politik vorgaukelt. Arbeitskräfte aus dem Irak, oder auch aus Afghanistan können zu einem großen Teil weder lesen noch schreiben. Integrationspakt hin oder her. Vielleicht könnten diese Maßnahmen in der übernächsten Generation fruchten. Ich wäre sehr froh, wenn wir über diese Wege Fachkräfte bekommen könnten. Aktuell ist dies jedoch nicht möglich.

Über Christian Heinzl

Christian Heinzl ist Unternehmer aus Leidenschaft und Geschäftsführer der Heinzl-Firmengruppe. Mit seiner langjährigen Erfahrung ist Christian Heinzl ein Experte am Arbeitsmarkt für die Themen Personalbeschaffung und Fachkräftemangel. Christian Heinzl gibt seine Expertise regelmäßig in seinem Blog weiter: www.chris-heinzl.de

Über die Heinzl-Firmengruppe

Die Heinzl-Firmengruppe aus Bad Waldsee in Baden-Württemberg bietet langjährige Expertise und Erfahrung in der Beschaffung und Überlassung von Mitarbeitern und Fachkräftemangel. Die Firmengruppe steht, wie auch die LHP Dienstleistungs- und Bildungsgesellschaft mbH, unter der Führung von Christian Heinzl, dem Unternehmer aus Leidenschaft. Wolfgang W. Bosbach steht als Beirat der Unternehmensgruppe beratend zur Seite. Einen vollständigen Überblick Heinzl-Firmengruppe ist zu finden unter: www.heinzl-firmengruppe.com