1. Herr Bosbach, eine kurze Frage zum Aufwärmen. Sind Sie froh, dass Sie sich als Bundestags-Privatier nicht an den Fachkräfte-Einwanderungsgesetz Diskussionen beteiligen mussten?

Bosbach: Nein, ganz im Gegenteil. Ich beschäftige mich seit gut 40 Jahren intensiv mit den Themen Migration und Integration und kann mich noch gut an die leidenschaftlichen Debatten rund um das vor über 15 Jahren von Rot-Grün geplante Einwanderungsgesetz erinnern. Gerade bei diesem Thema hätte ich gerne aktiv und konstruktiv mitgewirkt.

2. Die Politik ist der Meinung, mit dem Fachkräfte-Einwanderungsgesetz den Fachkräftemangel lösen zu können. Doch soll auch der Anspruch gewährleistet sein, sich Fachkräfte aussuchen zu können. Ist dies nicht etwas illusorisch?

Bosbach: Das beste Mittel gegen Fachkräftemangel ist immer noch die Ausbildung im eigenen Betrieb! Heute bilden nur noch etwa 20% der Betriebe aus, da ist noch viel Luft nach oben. Wir haben bereits jetzt die EU-weite Freizügigkeit für Arbeitnehmer und zig Möglichkeiten für die Arbeitsaufnahme von Drittstaatlern, allerdings auch ein kompliziertes Recht und sehr bürokratische Verfahren. Für die Zukunft müssen wir darauf achten, dass die umworbenen "Fachkräfte" auch tatsächlich welche sind und dass sie eine dauerhafte Beschäftigung finden, damit eine weitere Zuwanderung in die Sozialsysteme verhindert wird.

3. Herr Heinzl, Sie haben sich bereits in einem früheren Interview zum Fachkräfte-Einwanderungsgesetz und Merkels Politik kritisch geäußert. Wird Annegret Kramp-Karrenbauer diese Politik fortführen oder einen gangbareren Weg einschlagen?

Heinzl: Kramp-Karrenbauer hat schon in der Vergangenheit bewiesen, in punkto Migration und Einwanderung eine treue Gefolgsfrau Merkels zu sein. Ihr kürzliches Zurückrudern in Sachen Spitzensteuersatz zeigt, dass Sie bereit ist, von ihren eigenen Dogmen abzukehren. Natürlich wird die Zeit zeigen, ob sie von ihrer Vorgängerin gelernt hat, oder doch einen eigenen Weg einschlagen wird.

4. Hierzu noch die Folgefrage, wie sich dies für Sie als Unternehmer mit Schwerpunkt Fachkräftebeschaffung auswirken wird?

Heinzl: Wie ich bereits schon öfter gesagt habe, das FKEG funktioniert nicht und wird dem Fachkräftemangel keineswegs Abhilfe schaffen. Es ist schlichtweg illusorisch, anzunehmen, mit einem Integrationspakt entgegenwirken zu können. Viel wichtiger wäre es, die Bürokratie zu vereinfachen – sozusagen den Unternehmern einfachere Tools in die Hand geben, um schnell und erfolgreich Mitarbeiter als Fachkräfte in den Betrieb integrieren zu können.

5. Herr Bosbach, da wir gerade von Wirtschaft und Unternehmertum sprechen. Sie beraten Christian Heinzl als Beirat der Heinzl-Firmengruppe in strategischen Fragen. Wie verändert sich die Sichtweise auf diese Themen beim Wechsel von der politischen Seite zu der, die damit täglich arbeiten muss?

Bosbach: Eine nüchterne Betrachtung der Wirklichkeit ist Voraussetzung für eine gute Politik. Deshalb: immer darauf achten, wie sich vorhandene oder geplante Regelungen in der Praxis auswirken. Umgekehrt ist es gerade für Unternehmer, die expandieren und investieren möchten, wichtig zu wissen: wie wird die politische Tagesordnung in der Zukunft aussehen? Welche Entscheidungen können mein Unternehmen wie beeinflussen? Wie werden sich die Märkte entwickeln?

6. Welchen Ausblick sehen Sie dank dieser Perspektive für das Wirtschaftsjahr 2019?

Bosbach: Die Konjunktur verliert an Kraft, erste Bremsspuren sind leider schon zu sehen. Hinzu kommen große Unsicherheiten auf Grund des geplanten Brexits und der unberechenbaren Politik von Donald Trump. Dennoch: Die deutsche Wirtschaft ist robust, unsere Produkte sind weltweit gefragt. In punkto Digitalisierung haben wir allerdings einen großen Nachholbedarf.

7. Herr Heinzl, deckt sich dies mit Ihren Erwartungen an dieses Jahr?

Heinzl: Deutschland ist immer noch gut aufgestellt. Wir müssen jedoch sicherstellen, dass auch genügend Fachkräfte im Land sind, um den Status Quo aufrecht erhalten zu können. Der angesprochene Brexit wird, sofern er so ungeregelt wie angenommen zustande kommt, den Wirtschaftsstandort Deutschland stärken. Wichtig ist dabei, vor allem den Industriebetrieben ausreichend qualifizierte Mitarbeiter zur Verfügung zu stellen. Dann klappt es auch mit dem positiven Ausblick für 2019.

8. Herr Bosbach, Sie werden bald kochen. Nicht der Politik wegen, aber vor großem Publikum in der IBO Kocharena. Sind Sie passionierter Koch und welcher Küche haben Sie sich verschrieben?

Bosbach: Äh, tja, also, ich sage es mal so: ich werde versuchen beim Kochen nicht zu stören. Die Küche ist nicht mein Revier. Dafür sorgt schon meine Frau! Eiswürfel und Kaffeewasser gehen unfallfrei - und ich kann perfekt Dosensuppen warm machen. Man hat mir gesagt: Das reicht!

9. Herr Heinzl, abschließend noch die Frage, hat Herr Bosbach Ihnen bereits anvertraut, was er in der XXXL Kocharena zubereiten wird?

Heinzl: Wolfgang Bosbach hat es mir leider noch nicht anvertraut. Ich bin aber schon sehr gespannt. Vielleicht wird es das überlieferte Lieblingsgericht seines früheren Büronachbars Helmut Kohl: ein deftiger Saumagen. Solange es bloß nicht bei Kaffeewasser bleibt.

ÜBER WOLFGANG W. BOSBACH
Wolfgang W. Bosbach ist CDU-Politiker und Rechtsanwalt. Bis Oktober 2017 war er Mitglied des deutschen Bundestages in verschiedenen Funktionen. Seit einigen Jahren ist er Beirat der HEINZL Firmengruppe und berät Christian Heinzl in strategischen Fragen. Bosbach steht nach wie vor aktiv in der Öffentlichkeit, da seine Meinung zu politischen Themen regelmäßig in Interviews und Talkrunden hinzugezogen wird. Mehr über Wolfgang Bosbachs Leben, Karriere sowie aktuelle Termine erfahren Sie auf seiner Homepage: www.wobo.de

ÜBER CHRISTIAN HEINZL
Christian Heinzl ist Unternehmer aus Leidenschaft und Geschäftsführer der Heinzl-Firmengruppe. Mit seiner langjährigen Erfahrung ist Christian Heinzl ein Experte am Arbeitsmarkt für die Themen Personalbeschaffung und Fachkräftemangel. Regelmäßig lädt er zu den HEINZL Unternehmerforen, mit Fachleuten aus Wirtschaft, Politik und erfolgreichen Menschen. Erfahren Sie mehr über Christian Heinzls Expertise in seinem regelmäßigen Blog: www.chris-heinzl.de