Ist es der Aberglaube, Krebs und Herzinfarkt könnten ansteckend sein? Oder ist es die Furcht, sich von Kranken nur Gejammer anhören zu müssen? Eric P. (Namen geändert) stellt sich manchmal diese Fragen, wenn er daran denkt, wie der Freundes- und Bekanntenkreis geschrumpft ist. Die Antwort kennt er nicht.

„Wenn du krank bist, mag dich niemand mehr“, sagt seine Frau Anne (58). Auch im Haus wärmt sie den kahlen Kopf meist mit einer Wollmütze. Sie ist blass und deutlich abgemagert. Die schwere Krankheit ist unübersehbar. Aber oft huscht ein Lächeln über ihr Gesicht, und ihre Augen blitzen. Auch starke Medikamente können ihr Temperament nicht völlig verbergen und ihr den Humor nicht nehmen. „Sie ist eine Heldin“, sagt ihr Mann.

Beruflich waren er und seine Frau  sehr erfolgreich. Sie führten ein Pressebüro, schrieben Testberichte und Reportagen über namhafte Produkte und Firmen. Sie mieteten ein Doppelhaus in guter Lage, richteten Studio, Büro und Besprechungsraum ein. Es bot auch Platz für die erwachsene Tochter von Anne P. sowie ihre gehbehinderte betagte Mutter.

Vor dem Haus standen zwei Autos der höheren Preisklasse. Die selbstständigen Journalisten reisten teilweise weit zu ihren   Auftraggebern. „Die Kunden schauen zuerst auf den Parkplatz“, sagt der 60-jährige Eric P., der unter anderem Presseartikel für den Profi-Rennsport schrieb. 2013 erlitt er einen Herzinfarkt, musste 45 Minuten lang reanimiert werden. Sein Kurzzeitgedächtnis hat massiv gelitten. Aufträge brachen weg, auslaufende Verträge wurden nicht verlängert. Das Geschäft lief schleppend.

Noch im gleichen Jahr  erfuhr Anne P., dass der Knoten in ihrer Brust, den sie lange ignoriert hatte, nicht gutartig ist, und die Metastasen sich schon in Hals- und Lendenwirbelsäule sowie in Lunge und Leber ausgebreitet haben. „Da hat’s uns den Boden unter den Füßen weggezogen“, erinnert sich Eric P.

Quälende Strahlen- und Chemotherapien folgten. „Die machen dich gaga“, sagt Anne P. Die Strahlen hatten ihre Speiseröhre verbrannt, sie wurde künstlich ernährt. Jedes Kilo, das sie zunahm, wurde gefeiert. Doch auf die Freude folgte stets eine Hiobsbotschaft. Im Gehirn wurden Metastasen festgestellt, derzeit werden wieder mit Hilfe einer Chemotherapie „Antikörper ins Hirn reingeblasen“.

Trotz depressiver Phasen lautet Anne P.s Devise: „Aufgeben gibt’s nicht.“ Was sich leichter anhört als es ist. Denn zu all den niederschmetternden Diagnosen kam schnell der finanzielle Ruin. Ohne Einkommen fielen Schulden an, häuften sich. Das Ehepaar verkaufte die Autos und Eric P.s Sammlung antiker Uhren. Alles weit unter Wert, „denn Geschäftsleute riechen, wenn jemand in Not ist“, sagt er.

Sie gaben eine Haushälfte auf und zogen mit der pflegebedürftigen Mutter und der Tochter die andere. Immer wieder stand die Drohung im Raum, auch diese zu verlieren. Doch momentan sieht es so aus, als könnte die Familie dort bleiben. Aber jede Rechnung stellt sie vor große Probleme.

Als wieder einmal eine ins Haus flatterte und kein Geld da war, um sie zu bezahlen, schaute Anne P. ihren Ehering und dann ihren Mann an: „Brauchen wir die Ringe?“ Die Antwort lag nahe. Von Gedanken an Besitz und Äußerlichkeiten haben sie sich schon lange verabschiedet. „Die Krankheit rückt einiges gerade“, betont der 60-Jährige. „Man wächst daran und achtet mehr aufeinander.“ Seine Frau bestätigt das mit einem schelmischen Lächeln: „Jetzt streiten wir viel weniger. Früher sind schon mal die Fetzen geflogen.“

Ihren Witz haben beide behalten und den Blick fürs Wesentliche geschärft. So freuen sich Anna und Eric P. täglich über das gemeinsame Frühstück, das viel besser sei als das von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Auch wenn es nicht üppig ist und für die Zutaten gespart werden muss. „Denn es ist mit Liebe zubereitet“, sagt Anne P., „und wir nehmen uns Zeit dafür“.

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