Hölle auf Erden: 25 Jahre Ehe. Zumindest, wenn man dem Theater in Bach „D’Schlabber­goscha“ glauben darf. Diese Hölle wurde auf der Bühne fulminant umgesetzt, im Lustspiel: „Die Silberhochzeit oder Lieber einen Mann als gar keinen Ärger“. Das sind drei Akte lustige Hölle, verfasst von Regina Rösch.

Die beiden Ehepaare, kurz vor ihrer Silberhochzeit, hatten sich nicht mehr viel zu sagen, zuindest keine Nettigkeiten. Zu Bosheiten hingegen waren sie durchaus fähig. So hat Emil Fetzer noch im Juni einen Weihnachtsbaum im Wohnzimmer stehen. Er will den nicht mehr gerade frischen Baum partout nicht entsorgen, worüber sich seine Ehefrau ärgert, denn er nimmt auch wertvollen Platz weg. Emil kann sich freilich nicht von dem geliebten Baum trennen: wegen einer Wette um 30 Liter Bier mit seinem Freund Oswald.

Schaschlik beim Feuerwehrfest

Der Oswald hütet ebenfalls noch seinen Weihnachtsbaum und hat deswegen denselben Zoff mit seiner Helga. Die zwei Paare haben auch den gleichen Hochzeitstag. Nur wissen die Eheleute nicht genau, wann das war. Sie können sich nur erinnern, dass es in jenem Jahr war, als es am Feuerwehrfest Schaschlik gab. Doch ein Blick auf die Gravur des Eherings bringt die Wahrheit ans Licht. Der große Feiertag ist bald, und die Erbtante aus Amerika hat ihr Kommen angekündigt. Die Ehefrauen wollen groß feiern und spekulieren auf schöne Geschenke. Emil und Oswald hingegen sehen das drohende Ereignis eher negativ. Vor allem Emil ist ein Geizkragen Nach sorgfältigem Abwägen, ob es nun die feine Baumwollunterwäsche vom Discounter sein soll oder ob der bedrohte Haushase sein Fell für eine Pelzstola opfern muss, planen die Herren eine Kreuzfahrt nach Ringingen. Das geographische Problem ist nur, dass kein Gewässer dorthin führt.

Emil hat ohnehin kein Traumschiff im Sinn, sondern will seine Ehefrau auf dem Traktor nach Ringingen tuckern, das kostet nix. Die Damen, das große Fest und wertvolle Gaben vor dem geistigen Auge, erstreben zunächst die Renovierung der Fetzerschen Wohnung. Die hat seit einem Vierteljahrhundert keine Farbe und keinen Pinsel mehr gesehen. Hauptproblem: Emils Baum steht gewaltig im Weg. Ehefrau Betty ernüchtert: „Für Dich sind 30 Liter Bier wichtiger als ich“.

Um Tante Ediths Erbe aber nicht zu gefährden und um die Lügengeschichten aufrecht zu erhalten, die der lieben Tante über Jahre in Briefen aufgetischt wurden, helfen alle mit: Es gibt ein Fest, und alle eingeweihten Nachbarn helfen mit, das Gesicht der Familie zu wahren, die Fassade aufrechtzuerhalten. Man macht auf High Society, man gaukelt Geld und Stil vor, aus einem Schlosser wird ein Zahnarzt und aus einem braven Mann der angesehenste Bürger der Gemeinde. So ganz ohne Reibungsverluste klappt das nicht, und gerade die Stilblüten und der absolut untaugliche Umgang mit feinen Manieren sorgen im zweiten Teil des Stücks für die größten Schenkelklopfer im Publikum. Wer ein Faible für Laientheater hat, war hier genau an der richtigen Adresse.

Stets ausverkauft


Bilanz Das Theater in Bach „D’Schlabbergoscha“ gibt es seit zehn Jahren. Die jährlichen Vorstellungen zugunsten der „Aktion 100.000 und Ulmer helft“ der SÜDWEST PRESSE im Alten Theater waren immer ausverkauft. Die aktuelle, elfte machte keine Ausnahme: mit 350 Zuschauern.