Das Kind ist heißersehnt. Doch kaum geboren, wächst Mutter und Vater alles über den Kopf. Dieses Problem ist weder eine Frage des Alters der Eltern, noch spielt deren Bildung eine Rolle. Es gibt auch keinen Grund, sich dafür zu schämen. Ganz wichtig: Unterstützung ist nahe. Die Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen und Familienplanung hilft mit ihrem entwicklungspsychologischen Beratungsansatz,  den Haussegen wieder herzustellen.

56 statt bisher 34 Beratungen

Die Schwambergerstraße 35 in Ulm ist eine kompetente Anlaufstelle, wenn es ums Thema „Kind“ generell geht. Egal ob in Planung, schon  im Mutterleib oder gerade geboren – die Expertinnen greifen (werdenden) Müttern und Vätern in vielen Belangen unter die Arme. Besonders gestiegen ist die Nachfrage bei der entwicklungspsychologischen Beratung. „Im Jahr 2018 hatten wir 34 Beratungen, 2019 waren  es 56“, weiß Margarita Straub, Leiterin der Beratungsstelle. Dort werden Eltern nach der Geburt zu den Themen Schreien, Schlafen, Füttern und mit Blick auf die Eltern-Kind-Bindung beraten und begleitet.

Vor allem so genannte „Schrei-Babys“ können die Eltern psychisch und körperlich an ihre Grenzen bringen. Sie müssen nachts oft mehrmals aus dem Bett, um nach dem Kind zu sehen – und sind danach gerädert. Das wiederum wirkt sich belastend auf die Eltern-Kind-Beziehung aus, wo der Bau eines soliden Fundaments für die Zukunft doch so notwendig ist. „Obwohl die Eltern sehr opferbereit sind, kann der Schlafentzug gravierende Folgen haben. Zum Beispiel den gefährlichen Sekundenschlaf am nächsten Tag“, erzählt Katja Maier, Beraterin mit Schwerpunkt entwicklungspsychologischer  Ansatz. Schrei-Babys könnten die Existenz bedrohen, manchmal hätten die Eltern sogar Angst, die Nachbarn könnten sich wegen des Geschreis ans Jugendamt wenden.

„Wir haben keine Patentrezepte. Wir wollen Dolmetscher sein und den Eltern helfen, die Feinzeichen der Kinder zu deuten“, sagt Katja Maier. Manches Kind gähne zum Beispiel nicht, wenn es müde sei, sondern schiebe sich den Finger in den Mund. „Oder es zupft sich am Ohr, statt sich die Augen zu reiben.“ Ihre Kollegin Anette Zingler erzählt von positiven Ergebnissen bei der videogestützten Beratung. Zingler hat zum Beispiel eine Familie zuhause besucht, weil die Mutter befürchtete, dass ihr Kind zu wenig isst. Der Film zeigte, dass das Kind ganz normal aß. „Danach ging’s in der Familie viel entspannter und friedlicher zu“, resümiert Anette Zingler.

Spende hilft auch Notfällen

Wenn es mit der Hilfe für Familien so erfolgreich weitergehen soll, ist die Beratungsstelle auf Spenden angewiesen. Der Zuschuss der Aktion 100 000 fließt zum Teil auch in den Fonds ein, der für Notfälle da ist. „Etwa, wenn Familien keine Lebensmittel mehr haben“, erzählt Anette Zingler. Weil die entwicklungspsychologische Beratung so gut angenommen wird, sind schnelle Termine kaum noch machbar. „Für die Beratung haben wir zwar bereits zusätzliche Fachkräfte, aber kein Geld für deren Einsatz“, erklärt Margarita Straub. „Deshalb freuen wir uns, dass die Aktion 100 000 einspringt.“

Familienpatinnen gesucht


Bewährtes Projekt Mit großem Erfolg läuft in der Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen und Familienplanung die Initiative Familienpatinnen. Das bedeutet: speziell geschulte Ehrenamtlerinnen kümmern sich um jeweils eine Familie, die nicht vom sozialen Netz gehalten wird. Wer Lust am Umgang mit Familien hat und etwas freie Zeit mitbringt (pro Woche zwei bis vier Stunden), ist herzlich willkommen. Die Ausbildung dafür (Erste Hilfe, etc.) umfasst insgesamt 42 Stunden. Alter und Vorbildung spielen keine Rolle. Mehr Info gibt es bei Anette Zingler,
Tel. (0731) 96857-0,
zingler@schwang­­er­
schaftsfragen.de

Gezielte Förderung Wer direkt die Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen und Familienplanung unterstützen will, vermerkt auf der Überweisung das Stichwort „Schwangerschaftsfragen“. Konten siehe rechts.