Ulm Was meinen Sie dazu?

Ulm / 21.03.2016
„Peeple“ heißt eine App, die ermöglichen soll, Menschen im Internet zu bewerten. Sollten solche Angebote lieber verboten werden?

PRO Die Grenze der Freiheit ist dann erreicht, wenn andere geschädigt werden. Das gilt auch im Internet. Als ob man mit Mobbing in virtueller Form nicht schon genug zu kämpfen hätte, soll jetzt noch eine App erscheinen, auf der man seine Mitmenschen kritisieren kann. Zwar haben die beiden kanadischen Erfinderinnen ihr Produkt zunächst entschärft – sich aber genügend Hintertüren offen gelassen, um die App künftig doch wie geplant laufen zu lassen. Die Folgen für die – womöglich anonym – kritisierten Menschen können verheerend sein und stehen in keinster Weise zum eher zweifelhaften Nutzen. Jeder sollte schließlich selbst wissen, ob ihm jemand sympathisch ist oder nicht. Statt reflexhaft die angebliche Freiheit im Netz über alles zu stellen, sollte man sich Gedanken um angemessene Umgangsformen machen. yel

CONTRA Ein Angebot ist nur dann wirklich attraktiv, wenn es eine nennenswerte Nachfrage dafür gibt. Dieses einfache Marktgesetz gilt auch für jegliche Dienste im Internet, so dubios sie sein mögen. Statt die Verantwortung für den Gebrauch etwa von „Peeple“ an anonyme Organe abzuschieben – wer eigentlich kann Internetinhalte verbieten? –, muss sich jeder User überlegen, ob er entspechende Angeote anklicken und damit unterstützen will. Die Erfinderinnen von „Peeple“ haben erklärt, mit ihrer Idee Geld verdienen zu wollen. Das wird nur funktionieren, wenn sie genügend Interessenten für ihre fragwürdige App finden. Ansonsten verschwindet sie bald von selbst, was bei einem Verbot kaum passieren dürfte. Denn verbotene Inhalte verschwinden nicht aus dem Netz, im Gegenteil: Sie werden noch reizvoller. lt