Für geübte Wandersleut’ ist kein Weg zu weit, kein Berg zu steil und kein Pfad zu schmal. Anders sieht es für Naturliebhaber mit körperlichen Einschränkungen aus. Auf scheinbar bequemen Wanderwegen stoßen sie auf nur schwer überwindbare Hindernisse, die das Wandervergnügen erheblich beeinträchtigen können. Zu dieser Problemstellung entwickelten Ines Vorberg vom Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter (BSK), Bereich Althütte, und Andrea Bofinger von der Agentur „Stilsicher“ die Idee, dass „Inklusive Wanderbotschafter im Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald“ Wege auf deren Rollstuhleignung testen, bewerten und mögliche Ausschilderungen vorschlagen.

Mit einem Podiumsgespräch in der Murrhardter Festhalle begann der Auftakt zur Umsetzung des Projekts, das von der Aktion Mensch gefördert wird. Peter Reichert, Pressesprecher des BSK, moderierte die Veranstaltung, an der sich Projektleiterin Ines Vorberg, Naturpark-Geschäftsführer Bernhard Drixler, Simon Maier vom Kreisjugendring Rems-Murr und Projektkoordinatorin Andrea Bofinger beteiligten.

Hindernisse bei der Wanderung

Ines Vorberg und Simon Maier verdeutlichten die Probleme, mit denen körperbehinderte Menschen bei Reisen oder im Alltag konfrontiert werden. Die beiden Rollstuhlfahrer stoßen selbst bei Wanderungen durch die Natur in ihrer Umgebung auf Hindernisse. Oft fehlen ausgewiesene Behindertenparkplätze, geeignete Toiletten oder barrierefreie Einkehrmöglichkeiten. Die Aufgabe der „Inklusiven Wanderbotschafter“ besteht darin, Wege und Touren so zu beschreiben, dass Menschen mit und ohne Behinderung davon profitieren. Der sechsseitige Erhebungsbogen sei schon mit Arbeit verbunden, merkte Andrea Bofinger an. Zur Arbeitserleichterung werden die Wanderbotschafter mit einem „Wanderpäckle“ ausgestattet, das neben Schreibutensilien, Maßband, Regen-, Sonnen- und Mückenschutz auch einen USB-Stick enthält, auf dem Fotos zur Dokumentation gespeichert werden können. Es gehe nicht darum, Barrieren aufzuzeigen, sondern wie sie umgangen werden können, so Projektleiterin Vorberg. Die Ergebnisse sollen als Leitfaden dienen und kartiert zur Verfügung stehen.

Auch die Wegebeschilderung soll das einheitliche Wanderleitsystem des Naturparks ergänzen. Inwieweit dafür Fördermittel zur Verfügung gestellt werden können, will Geschäftsführer Drixler eruieren.

Die Vorstellung des Projekts „Inklusive Wanderbotschafter“ wurde via Facebook-Livestream übertragen. In dem sozialen Netzwerk wurde gefragt, ob die Projektidee bundesweit übernommen werden könne. Über diese unerwartete Resonanz freuten sich die beiden Initiatorinnen – einer Umsetzung in anderen Regionen stehe nichts entgegen. Bernhard Drixler versprach, im Bundesverband der Naturparke für das Projekt zu werben. Interesse an dem Projekt erwartet Andrea Bofinger von den künftigen Botschaftern, die neben ihren eigenen Beobachtungen auch die ihrer Assistenzbegleitung einfließen lassen können.

Info


Wer sich als Wanderbotschafter an dem Projekt beteiligen möchte, kann sich bei Andrea Bofinger per E-Mail an wanderbotschafter@stil-sicher.eu melden. Weitere Infos gibt es auch auf www.naturpark-sfw.de.