Das Startup iversity in Bernau bei Berlin ist einer der erfolgreichsten deutschen Anbieter von MOOCs (sprich "Muhks"), Online-Studien-Kursen. Im vergangenen Herbst hat die Firma mit diesen "Massive Open Online Courses" begonnen - und erreichte auf Anhieb 115 000 Nutzer.

"Wir sind gestartet als Ausgründung aus der Freien Uni Berlin", erzählt Hannes Klöpper, einer der Gesellschafter. Fast drei Dutzend, überwiegend kostenfreie Kurse, bietet iversitiy an - von Anatomie bis zu Programmierung. Als Renner erwies sich ein Kurs der Fachhochschule Potsdam zum Storrytelling, der schnell über 50 000 Studenten erreichte. Die Geschäftsidee haben sich die Firmengründer in Amerika abgeschaut. "Durch die Angebote aus den USA ist uns klar geworden, wie groß das Interesse an solchen Kursen ist", sagt der 30-jährige Klöpper. In den USA mit ihren gebührenpflichtigen Studiengängen erreichen MOOCs ein Millionenpublikum. Die Kurse sind meist kostenlos. Sie bestehen aus Vorlesungs-Videos, Tutorials und Foren, in denen sich die Lernenden untereinander und mit Betreuern austauschen.

Deutscher Vorreiter dieser Bewegung ist das Hasso-Plattner-Institut (HPI) an der Universität Potsdam. 2012 stellten die Wissenschaftler erste Kurse online. Das Angebot beschränkt sich auf Informatik. Es sind vor allem Berufstätige, die mitmachen. "In der Informatik ändert sich das Wissen sehr schnell", sagt HPI-Sprecher Hans-Joachim Allgaier. Ein Kurs dauert in der Regel sechs Wochen und endet mit einer Prüfung, die online absolviert wird. Der Teilnehmer erhält ein Zertifikat, das aber nicht mit einem Abschluss in einem punktepflichtigen Kurs an einer Universität gleichzusetzen ist. Das HPI sieht das Online-Lernen als Weiterbildungsmöglichkeit, Ergänzung. Ganze Studiengänge will das Institut nicht digitalisieren: "Die virtuelle Form kann die persönliche Vermittlung von Lehrstoff nicht völlig ersetzen", sagt Allgaier. Das Angebot im Netz soll kostenfrei bleiben.

Das ist keine Selbstverständlichkeit mehr. Mittlerweile gibt es auch kostenpflichtige MOOCs. Iverstiy hat erste Bezahlkurse zusammen mit deutschen Hochschulen aufgelegt. Die Inhalte kommen von den Unis. Iversity stellt die Plattform zur Verfügung, kümmert sich um Technik und Marketing. Zertifikate für solche Kurse kosten zwischen 49 und 149 Euro. Prüfungen müssen zum Teil an den Unis abgelegt werden. Sie werden benotet, mit Punkten bewertet und anerkannt.

Unter Wissenschaftlern wird die digitale Lehre kritisch diskutiert. Der Hamburger Pädagogik-Professor Rolf Schulmeister bemängelt, viele Kurse seien "didaktisch antiquiert." Manche seiner Kollegen argwöhnen, dass Politiker die Angebote zum Vorwand nehmen, um an den Unis Personal zu sparen.

"Noch sind MOOCs oft kaum mehr als digitale Kopien klassischer Vorlesungen. Sie sind nicht zugeschnitten auf persönliche Vorkenntnisse oder individuelles Lerntempo" , sagt Julius-David Friedrich, Experte für Digitalisierung am Centrum für Hochschulentwicklung Gütersloh. In der Entwicklung individueller Formate sieht Friedrich eine Chance. "Wichtig ist, dass man nicht umsetzt, was technisch möglich, sondern was pädagogisch sinnvoll ist." Den meisten Hochschulen fehle eine Strategie für die Digitalisierung. Hannes Klöpper glaubt, dass sich die MOOCs nicht mehr wegdiskutieren lassen. "Jede Hochschule muss sich damit auseinandersetzen."