Kirche Vollständiges Glockengeläut

Horst Dieterich (links) und Herbert Müller genossen  das Konzert mit den neuen, von ihnen finanzierten Glocken.
Horst Dieterich (links) und Herbert Müller genossen  das Konzert mit den neuen, von ihnen finanzierten Glocken. © Foto: Michael Seefelder
Altheim/Alb / Michael Seefelder 08.10.2018

Kirchenglocken zeigen die Zeit an, aber sie erinnern aus christlicher Sicht auch an die Ewigkeit.  Gefühlt seit ewigen Zeiten, nämlich seit mehr als 500 Jahren, läuten die Glocken der evangelischen Kirche St. Maria in Altheim/Alb. Und zwar so eindringlich und schön, dass die Mutter von Horst Dieterich zeitlebens davon geschwärmt hat.

Der 81-Jährige, der in Giengen an der Brenz lebt, hat nun gemeinsam mit seinem Freund und Firmpaten Herbert Müller (88) dem Heimatort seiner Mutter ein besonderes Geschenk gemacht. Zwei neu gegossene Glocken zum Preis von rund 25 000 Euro haben die beiden Männer gestiftet. Sie ergänzen die drei bestehenden und ergeben mit ihnen im Zusammenklang ein vollständiges melodiöses Geläut. Mit einem Gottesdienst und einem Fest sind die zwei neuen Glocken am gestrigen Sonntag offiziell in Betrieb genommen worden.

Als sie erstmals gemeinsam mit dem historischen Geläut erklangen, zeigte sich Horst Dieterich, Glocken-Enthusiast und Orgelbauer, tief bewegt. „So ein Klang ist einmalig“, sagte er und verdrückte sich manche Träne der Rührung. Achteinhalb Glocken hat er nach eigenem Bekunden in seinem Leben schon gespendet, für katholische und evangelische Gotteshäuser gleichermaßen.

Da sich seine Vorfahren schon seit über 500 Jahren in Altheim verorten lassen, war die Feierstunde in der Alb-Gemeinde für den tief gläubigen und in der Kirchengeschichte bewanderten Dieterich dennoch ein ganz besonderer Moment. Auch sein Firmpate Herbert Müller, der überwiegend in München lebt, zeigte sich von Altheim angetan. „Ich finde diese Anlage hier so toll“, sagte er und ließ seinen Blick über das Grün um die Kirche schweifen. Freunde sind Müller und Dieterich seit Jahrzehnten. Deshalb hat sich Müller, der einst als Kürschner gearbeitet und ein Pelzgeschäft im Rheinland geführt hat, an der Glockenspende beteiligt: „Ich habe keine Angehörigen mehr zum Erben.“

Pfarrer Ronald Scholz erinnerte sich im Gespräch mit der SÜDWEST PRESSE wie überrascht er im vergangenen Jahr war, als der Anruf der Glockengießerei Bachert aus Karlsruhe kam. „Wir sind wirklich sehr unverhofft zu diesem Geschenk gekommen.“

Gute Geister

Dekan Ernst-Wilhelm Gohl ging in seiner Predigt ebenfalls auf die Glocken ein. Er zitierte einen kirchlichen Denker, demzufolge die Glocken warnende gute Geister sein könnten, die den Lärm des Alltags übertönten. Reiner Claus, Vorsitzender der evangelischen Kirchengemeinde, überreichte den Spendern die ersten Festschriften und Tassen mit den Daten der Glocken.

 Im Anschluss an den Gottesdienst war dann das erste Glockenkonzert des vollständigen Geläuts der Kirche St. Maria zu hören.

Nun erklingen auch Ton C und Ton B

Klang Ein Gutachten aus dem Jahr 1991 bescheinigte der Kirche ein historisch wertvolles, aber unvollständiges Glockengeläut. Es bestand seit über 500 Jahren aus der Taufglocke (Ton „D“, im 14. Jahrhundert gegossen, 380 Kilogramm), der kleinen Betglocke (Ton „G“, um 1517 gegossen, 950 Kilogramm) und der großen Betglocke (Ton „Es“, um 1516 gegossen, 1700 Kilogramm). Nun kamen die Zeichenglocke (Ton „C“, 2017 gegossen, 403 Kilogramm) und die Kreuzglocke (Ton „B“, 2017 gegossen, 578 Kilogramm) dazu. Mit Ausfüllung der leeren Quinte von „G“ zu „D“ ergibt sich ein vollständiges Klangspektrum.

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