Gerlenhofen Vogelwelt live

Vom Naturbeobachtungs-Pavillon am Plessenteich in Gerlenhofen kann man verschiedene Vogelarten bei ihrer Rast auf dem Weg in Richtung Süden beobachten.
Vom Naturbeobachtungs-Pavillon am Plessenteich in Gerlenhofen kann man verschiedene Vogelarten bei ihrer Rast auf dem Weg in Richtung Süden beobachten. © Foto: Marc Hörger
Gerlenhofen / CAROLIN STÜWE 02.08.2012
Der Plessenteich bei Gerlenhofen ist schon seit mehreren Jahren Naturschutzgebiet. 206 verschiedene Vogelarten haben auf ihrem Weg in Richtung Süden bereits am Gewässer Rast gemacht. Wer möchte kann die Tiere mit einem Fernglas von einem Turm aus beobachten.

D ie Tage werden wieder kürzer. Der Vogelzug in wärmere Länder hat bereits begonnen. Deshalb werden in den nächsten Wochen bis September einige der 206 bisher im Naturschutzgebiet Plessenteich gezählten Vogelarten an diesem Gewässer Rast machen. Selbst Laien erkennen einige Vogelarten wie die Lachmöwe und die Graugans. Die neueste Entdeckung war kürzlich für Hobby-Ornithologen die seltene Schmarotzer-Raubmöwe, die auf ihrem Weg nach Skandinavien zwei Tage lang am Plessenteich ihrem ganz speziellen "Fischfang" nachging.

Dazu luchst die große, braun-schwarze Möwe, die auf den ersten Augenblick aussieht wie ein Greifvogel, den Lachmöwen - weiß mit braunem Kopf - oder den weißen schlanken Flussseeschwalben im Flug die Beute ab, die sie im Schnabel tragen. Sie bedrängt die anderen Vögel derart während ihres reaktionsschnellen Fluges, dass sie den gefangenen Fisch letztendlich fallen lassen. Diesen schnappt sich die Raubmöwe noch im Flug oder spätestens dann, wenn er ins Wasser gefallen ist, hat Diplom-Biologe Wolfgang Gaus beobachtet. Er ist der Geschäftsführer der Schutzgemeinschaft für den Neu-Ulmer Lebensraum, die unter anderem für den Plessenteich nordöstlich des Neu-Ulmer Stadtteils Gerlenhofen verantwortlich ist.

Der Erfolg der ökologischen Umgestaltung des vereinseigenen Sees - die Schutzgemeinschaft kaufte ihn vor acht Jahren für 215 000 Euro - zeigt sich in der stetig wachsenden Anzahl von bedrohten Tierarten, die sich entweder dort ansiedeln oder für kurze Zeit Gäste sind. Zu dieser positiven Entwicklung innerhalb der vergangenen 26 Jahre tragen auch die renaturierten Flächen bei, die die Stadt Neu-Ulm in unmittelbarer Nachbarschaft des Sees zum ökologischen Ausgleich für die Errichtung des Hochregal-Lagers der Firma Evobus zur Verfügung gestellt hat. Dieses steht allerdings weit weg vom Naturschutzgebiet an der Reuttier Straße.

Um genau beobachten zu können, welche Vögel auf den Flößen mitten auf dem See oder am Ufer brüten oder sich dort nur aufhalten, wurde vor gut einem Jahr ein Beobachtungsturm aufgestellt. Im ersten Stock des aus heimischer Fichte gezimmerten Turmes, der immer geöffnet ist, sind große Farbfotos mit den wichtigsten Vogelarten aufgehängt wie Kiebitz, Flussregenpfeifer und Mandarinente.

Um die Vogelarten - aber genauso Libellen und Schmetterlinge - am Plessenteich bestimmen zu können, sollte ein Fernglas mitgebracht werden. Bis zu dreimal am Tag ist aber auch der in der Region bekannte Ornithologe Klaus Schilhansl vor Ort. Er beantwortet gerne Fragen und lässt Interessierte auch mal durch seine Spezialobjektive schauen. Schilhansl hat im Frühjahr unter anderem so seltene Durchzügler wie den Stelzenläufer mit seinen auffallend roten, langen Beinen sowie den orange-bräunlichen Rallenreiher ausgemacht.

Vögel beobachten kann man aber nicht nur vom Turm, sondern auch von insgesamt fünf Beobachtungswänden aus, die entlang des Schotterwegs jenseits des Erdwalls aufgestellt wurden. Ungestört können jetzt die Kiebitze am Ufer entlangspazieren, die Schwäne im Graben am Betrachter vorbeischwimmen oder - wenn man Glück hat - die Schmarotzer-Raubmöwen über dem Wasser den Flussseeschwalben die Beute streitig machen.

Info
Um die Idylle am Plessenteich nicht zu stören, sollten Ausflügler ihre Autos am Bahnhof in Gerlenhofen abstellen. Zu Fuß geht man ein Stück entlang der Hausener Straße und biegt dann in den Feldweg "Am Plessenteich" ein. Nach zehn Minuten ist der See erreicht.


Mehr zum Plessenteich und zum Verein unter www.gau-neu-ulm.de

 

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