Bietigheim-Bissingen VfB Stuttgart: Fußballer aus der Region äußern sich zur Trainersituation

Unterschiedliche Reaktionen gibt es aus der regionalen Fußball-Szene zum Thema Thomas Schneider, dem Trainer des VfB Stuttgart. Der bleibt im Amt.
Unterschiedliche Reaktionen gibt es aus der regionalen Fußball-Szene zum Thema Thomas Schneider, dem Trainer des VfB Stuttgart. Der bleibt im Amt. © Foto: Avanti
Bietigheim-Bissingen / CLAUS PFITZER 05.03.2014
Fußball-Bundesligist VfB Stuttgart hält an Trainer Schneider fest und räumt ihm eine weitere Chance im Heimspiel gegen Eintracht Braunschweig ein, die Wende zu schaffen. Eine richtige Entscheidung? Die BZ hat Fußball-Funktionäre und Trainer aus der Region befragt.

Thomas Schneider bleibt Trainer beim VfB Stuttgart. Zumindest vorerst. Die Bietigheimer, Sachsenheimer und Bönnigheimer Zeitung hat Funktionäre und Trainer aus der regionalen Fußballszene sowie einen ehemaligen Bundesliga-Profi befragt, wie sie zur Entscheidung des VfB stehen, an Trainer Thomas Schneider auch nach acht Niederlagen in Serie festzuhalten.

Eigentlich ist Eckart Streckfuß aus Sternenfels befangen. Schließlich kommt an diesem Samstag Eintracht Braunschweig zum Kellerduell der Bundesliga nach Stuttgart. Und der Braunschweiger Torhüter Marjan Petkovic ist der Schwiegersohn des Bezirksschiedsrichter-Obmanns. Streckfuß findet die Entscheidung, an Trainer Thomas Schneider festzuhalten, gut. "Es ist der richtige Weg, auf junge Spieler zu setzen. Ich bin für die Variante mit Schneider. Wen hätten sie denn sonst holen sollen? Der VfB soll des durchziehen, und wenn er absteigt, dann steigt er halt ab. Daraus sind schon einige gestärkt hervorgegangen. Am Samstag gönne ich aber Braunschweig einen Sieg", so der oberste Schiedsrichter im Bezirk Enz/Murr.

Als Unparteiischer und Staffelleiter ist Fritz Siegle aus Oberriexingen eng mit der Basis verbunden. Für ihn war es nicht richtig, dass der VfB Stuttgart an Schneider festhält. "Man muss eine kurzfristige Lösung suchen, um die Klasse zu halten. Der Präsident Wahler hat ja gesagt, dass man flexibel sei. Nach dem Klassenerhalt kann man dann ja zum Konzept zurückkehren", meint Siegle.

"Es ist generell gut, wenn man einem Trainer länger die Chance gibt, zumal der VfB ja gut gespielt hat. Das war immer nur Pech. Von daher ist es nachvollziehbar, dass der VfB an Thomas Schneider festhält. Ich finde es gut", sagt Ramon Gehrmann, der Trainer des Oberligisten SGV Freiberg. "Bei den Kandidaten, die gehandelt wurden, habe ich keinen gesehen, der die Retterfunktion hätte einnehmen können", so Gehrmann, der früher beim VfB Stuttgart im oberen Juniorenbereich als Co-Trainer mit den heutigen Bundesliga-Coaches Jens Keller (FC Schalke 04) und Tayfun Korkut (Hannover 96) zusammengearbeitet hat.

Für Helmut Reiner, einst Flügelflitzer beim SV Germania Bietigheim und Profi beim damaligen Bundesligisten TSV 1860 München, für den er wegen einer schweren Knieverletzung nur eine Partie absolvieren konnte, wäre eine Änderung beim VfB denkbar gewesen. "Es ist gut, wenn man an den Leuten festhält. Aber wenn man acht Spiele verliert, muss man was machen und irgendetwas ändern. Die Stuttgarter sollen mal schauen, wie Augsburg und Braunschweig kämpfen. Wie kann man denn im Abstiegskampf wie in Frankfurt bei einer Führung auf Abseits spielen? Da hat die Abwehr zwei Fehler gemacht", sieht Reiner die Problematik eher bei den Spielern.

Die Frage nach der Qualität stellt sich auch Matthias Schmid, der Trainer des Bezirksligisten SV Germania Bietigheim. "Als in Frankfurt Gentner und Leitner wieder dabei waren, war das eine ganz andere Qualität in der Mannschaft. Ich habe aber auch Spiele gesehen, bei denen ich mich gefragt habe, was sich der Trainer dabei denkt. Gegen Bayern hat er trotz einer 1:0-Führung weiter mit zwei Spitzen spielen lassen. Bei Stuttgart fehlt es vor allem hinten", so Schmid. Dass der VfB an Schneider festhält, findet er richtig: "Auf jeden Fall bis zum Samstag gegen Braunschweig."

Dass die Stuttgarter Verantwortlichen das Spiel am Samstag gegen den Tabellenletzten Eintracht Braunschweig abwarten und Trainer Schneider weiter die Chance geben, die Wende zu schaffen, findet auch Klaus Zürn, der Manager des Bezirksligisten FV Ingersheim in Ordnung: "Diese Woche wäre ein falscher Zeitpunkt für einen Wechsel gewesen. Bei einem Sieg kann er dann weitermachen, bei einer Niederlage muss man handeln. Die Mannschaft spielt ja für ihn. Was man so sieht und liest, steht sie hinter ihm. Wenn Maxim am Sonntag in Frankfurt das 2:0 gemacht hätte, wäre das alles kein Thema mehr gewesen." Nicht verstehen kann Zürn, warum nach der Niederlage in Frankfurt eine Entscheidung nicht früher gefallen ist. "Das Rumgeeiere ist unprofessionell. Entweder schmeiße ich ihn gleich raus, oder ich sage klar, dass er bleibt."

Einen in der Gerüchteküche gehandelten Trainer kennt der Ingersheimer Manager als glühender Anhänger des 1. FC Köln: Zvonimir Soldo. Der frühere Profi des VfB Stuttgart trainierte die Kölner von Juni 2009 bis Oktober 2010 in der Ersten Liga. Zugetraut hätte Zürn Soldo die Aufgabe beim VfB eher nicht: "Er ist ein anständiger Mensch. Aber er lässt viel zu defensiv spielen. Wenn der VfB noch Balakov und Soldo holen sollte, hätte das schon ein Gschmäckle", verweist Zürn auf die Seilschaften mit Sportdirektor Fredi Bobic und dessen ehemaligen Mitspielern.

Themen in diesem Artikel
Zurück zur Startseite