Nordkorea und die USA setzen ihre gegenseitigen Drohgebärden fort. Die USA ließen am Samstag Kampfbomber entlang der Küste Nordkoreas fliegen, um ihre militärische Stärke zu unterstreichen. Pjöngjang wiederum drohte mit einem Angriff auf das „gesamte US-Festland“. Befürchtungen eines neuerlichen nordkoreanischen Raketentests bestätigten sich allerdings nicht.
Der Einsatz in internationalem Luftraum sei der erste in diesem Jahrhundert, bei dem US-Kampfflugzeuge so weit nördlich vor der Küste Nordkoreas geflogen seien, teilte das Pentagon mit. Er zeige, wie ernst der US-Präsident das „rücksichtslose Verhalten“ Nordkoreas nehme.
Nordkorea reagierte am Wochenende wiederum mit einer großen Anti-USA-Kundgebung. Nach Angaben der nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA versammelten sich am Samstag Hunderttausende auf dem Kim-Il-Sung-Platz, benannt nach dem Staatsgründer und Großvater des derzeitigen Machthabers. Viele von ihnen hielten Schilder in die Höhe. „Tod den amerikanischen Imperialisten“, stand darauf geschrieben. Oder: „Für eine totale Zerstörung der USA.“
Trump hatte es auch vor dem Manöver der US-Bomber schon nicht bei Verbalattacken belassen. Er ordnete am Donnerstag an, dass Banken weltweit künftig keine Geschäfte mehr mit Nordkorea abwickeln dürfen. Sollten sie sich widersetzen, würde das Auswirkungen auf die Geschäftsbeziehungen in oder mit den USA haben. Jede Bank müsse sich entscheiden, sagte Trump in New York. „Geschäfte mit den USA oder Geschäfte mit Nordkorea.“ Der Weltsicherheitsrat wiederum hatte vor zwei Wochen die Sanktionen gegen Nordkorea erneut ausgeweitet. Es sind die inzwischen schärfsten Sanktionen, die je gegen ein Land verhängt wurden.
Doch auch die Drohung des nordkoreanischen Außenministers eines Wasserstoffbombentests über den Pazifik muss Ernst genommen werden. Experten halten diesen Schritt gar für logisch. Die unterirdischen Atomtests seien bereits erfolgreich gewesen, Abschüsse von ballistischen Interkontinentalraketen habe es ebenfalls schon gegeben. Um zu beweisen, dass die Raketen auch mit atomaren Sprengköpfen abgeschossen werden können, müsse Nordkorea nun beides kombinieren, sagte Yang Uk, Experte des koreanischen Verteidigungs- und Sicherheitsforum in Seoul. Es könne sein, dass das Regime in Pjöngjang bluffe, fügte Yang hinzu. Er vermutet jedoch, dass diese Pläne längst vorbereitet seien. Trumps Verbalattacken würden nur als Rechtfertigung herangezogen.
Ein oberirdischer Nukleartest mit sichtbarem Atompilz würde den Konflikt nicht nur auf eine deutlich höhere Eskalationsstufe befördern; er würde zudem internationales Gewässer radioaktiv verseuchen. Will Nordkorea bei dem Test keine Menschenleben gefährden, müsste das Regime vorab mitteilen, wo genau die Zündung erfolgen würde. Auf dem Pazifik herrscht reger Schiffsverkehr.
Den letzten Abschuss einer nuklear bestückten Rakete hatte China 1980 zu Testzwecken unternommen. Eine weltweite Übereinkunft verbietet oberirdische Atomtests.

Schmähen und Drohen

Zitate aus dem Krieg der Worte zwischen US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Außenminister:
„Keine Nation der Welt hat ein Interesse daran, dabei zuzusehen, wie diese Bande von Kriminellen sich mit Raketen und Nuklearwaffen ausrüstet.“
(US-Präsident Donald Trump am 19.September in New York in der UN-Generaldebatte)
„Falls er denkt, er kann uns mit dem Klang von Hundegekläff verängstigen, so ist das wirklich der Traum eines Hundes.“
(Der nordkoreanische Außenminister Ri Yong Ho am 20.September in New York)
„Kim Jong Un, der offensichtlich ein Verrückter ist und dem es nichts ausmacht, seine eigenen Leute verhungern zu lassen, wird geprüft wie niemals zuvor!“
(Trump am 22. September im Kurznachrichtendienst Twitter)
„Die absurde Realität ist, dass eine Person wie Trump – ein Geisteskranker voller Größenwahn und Selbstgefälligkeit  – das Amt des US-Präsidenten hält und den Nuklear-Knopf kontrolliert.“
(Nordkoreas Außenminister Ri Yong Ho am 23. September vor der UN-Vollversammlung)
„Ich habe gerade den Außenminister von Nordkorea bei der Uno sprechen hören. Wenn er die Gedanken des kleinen Raketenmannes wiederholt, werden sie nicht mehr lange hier sein!“
(Trump als Erwiderung am 23. September auf Twitter) dpa