Landesliga Untermünkheim dreht 0:3 in 5:3 - Fabian Czaker (3 Tore) und Semih Dalyanci (2) überzeugen

GUIDO SEYERLE 27.05.2013
Unterschiedlicher können zwei Halbzeiten nicht ausfallen: Untermünkheim wird in Durchgang eins von Backnang gedemütigt und liegt 1:3 zurück. Doch in der zweiten Hälfte schießt der Tura vier Tore.

Fußballspiele werden oft im Kopf entschieden - und manchmal in der Halbzeitpause in der Kabine. Ohne Trainer. Ohne Zuschauer. "Die Leistung in der ersten Hälfte war unter aller Sau", spricht Tura-Coach Werner Rank Klartext. Er verlässt die Kabine vor dem Ende der Pause und lässt die Mannschaft allein. Was in den folgenden zwei oder drei Minuten passiert, fasst der neue Kapitän Jan Schreiner so zusammen: "Wir wussten, dass wir nicht gut gespielt hatten. Dann haben wir uns neu gepusht."

Nach Eckbällen schauen die Turaner nur zu

In diesem Moment steht es 1:3. Nach dem Chancenverhältnis wäre aber auch ein 1:6 gerecht gewesen. Untermünkheim zeigt sich wie von allen guten Geistern verlassen. Beispielhaft die beiden ersten Backnanger Treffer: Eckball, am langen Pfosten steht ein alleingelassener TSG-Spieler, Tor. Beim 0:1 (16.) ist es Stephan Fichter, beim 0:2 (31.)Mario Marinic. Die Turaner glänzen als aufmerksame Zuschauer. Das 0:3 darf erneut Marinic per Abstauber erzielen (36). Viele der 130 Zuschauer lachen über ihr Team. Kein gutes Zeichen. Überlicherweise entlädt sich dann der Frust der Fans in wütenden Kommentaren, teilweise in Beschimpfungen. Aber am Kocherufer legt sich bei empfindlich kalten Temperaturen kollektiver Frust über den gepflegten Rasen.

Kurz vor der Pause gelingt Tura-Stürmer Fabian Czaker nach energischem Einsatz das 1:3. Trotzdem verlassen einige Zuschauer den Sportplatz und gehen nach Hause. Kein Wunder, wenn die eigene Mannschaft so vorgeführt wird. Welcher Fan sieht das schon gerne? Sie ahnen nicht, welch ein Feuerwerk ihr Team in der noch folgenden Halbzeit abbrennen wird. Plötzlich ist alles anders. Die in Dortmund-Gelb gekleideten Turaner drängen die in Bayern-rot gekleideten Backnanger in die eigene Hälfte. Sebastian Mechnik, ein Totalausfall in der ersten Hälfte, und Semih Dalyanci kurbeln das Angriffsspiel an. Kapitän Jan Schreiner geht mit gutem Beispiel voran und kämpft um jeden Ball. Die Belohnung sind gute Chancen im Drei-Minuten-Takt. In der 60. Minute klingelt es zum zweiten Mal im Backnanger Kasten. Wieder ist es Fabian Czaker, der den Ball gegen zwei Backnanger toll abschirmt und überlegt einschießt. TSG-Trainer Oliver Munz ahnt an der Seitenlinie Schlimmes: "Ihr müsst mehr kämpfen! Wir wollen hier gewinnen!" Seine Spieler werden die Rufe gehört haben. Aber sie kommen offensichtlich nicht in ihren Köpfen an. Die Gastgeber beginnen, mit ihrem Gegner Katz und Maus zu spielen. Czaker scheitert in der 53. Minute noch, aber sieben Minuten später gelingt Dalyanci doch der Ausgleich. Er trifft aus 16 Metern genau ins linke untere Eck.

Die Gäste sind bedient - und spielen nun genau so, wie die Untermünkheimer es in Durchgang eins praktiziert haben. Der Tura nutzt dies gnadenlos aus. Czaker drängt mit Macht auf seinen dritten Treffer. Die Gästeabwehr doppelt jetzt den Tura-Stürmer, jedoch ohne Erfolg. In der 78. Minute schüttelt er seinen doppelten Schatten ab und macht aus 15 Metern das 4:3. Der beste Mann der zweiten Hälfte lässt sich danach auswechseln und von den begeisterten Zuschauern feiern. Die dürfen sich kurz darauf auch noch über Dalyancis zweiten Treffer freuen, der einen Freistoß aus 20 Metern unhaltbar versenkt.

Die 20 Backnanger Fans sowie Trainerstab inklusive Spielern sind derweil in kollektives Schweigen verfallen. Es hat sich in ihren Köpfen festgesetzt: Dieses Spiel ist verloren. Dagegen kennt der Untermünkheimer Jubel fast keine Grenzen.

Tore: 0:1 Stephan Fichter (16.), 0:2 Mario Marinic (31.), 0:3 Marinic (36.), 1:3 Fabian Czaker (43.), 2:3 Czaker (60.), 3:3 Semih Dalyanci (70.), 4:3 Czaker (78.), 5:3 Dalyanci (89.)

Tura: Michal Walotek, Patrick Zauner, Markus Klässing, Thomas Fenn, Joschka Karle, Sebastian Mechnik, Timo Stehle, Jan Schreiner, Steffen Söllner, Semih Dalyanci, Fabian Czaker

90 Minuten mit . . .