Der Kieler „Tatort“ vom Sonntag, 07.03.2021, thematisierte kurz vor dem internationalen Frauentag, das Thema Gewalt gegen Frauen. Der Internationale Frauentag soll weltweit auf die Ungerechtigkeit gegenüber Frauen aufmerksam machen und den Kampf von Frauen um ihre Gleichberechtigung unterstützen. In dem packenden Film mit den Kieler Kommissaren Klaus Borowski (Axel Milberg) und Mila Sahin (Almila Bagriacik) geht es um die Incel-Bewegung, in der sich überall auf der Welt Männer zusammenschließen, die sich von Frauen abgelehnt fühlen und deshalb einen tiefen Hass aufs andere Geschlecht entwickeln.

„Tatort: Borowski und die Angst der weißen Männer“ Handlung

Wie so viele unguten Strömungen und Entwicklungen spielt sich diese Verachtung hauptsächlich in geschützten Internetforen ab, wo frustrierte Männer über angeblich demütigende Erfahrungen mit Frauen klagen, sich in regelrechte Wutphantasien hineinsteigern und sich gegenseitig zu Gewalt gegen Frauen, aber auch gegen Migranten, Juden oder Schwule aufstacheln – der Menschenhass macht vor kaum etwas Halt, die Grenzen zum rechtsextremen Milieu sind in diesen Chatrooms fließend.
Auch im Krimi „Tatort: Borowski und die Angst der weißen Männer“ lädt sich ein junger Mann mit diesem Hass im Internet regelrecht auf, bevor er zur Tat schreitet. Der Film, für den die Drehbuchautoren Peter Probst und Daniel Nocke umfassend in der Incel-Szene recherchiert haben (Incel steht für Involuntary Celibate, was übersetzt unfreiwilliges Zölibat bedeutet), ist ein spannender Krimi über ein wichtiges Thema und erzählt zugleich die durchaus tragische Geschichte eines fehlgeleiteten Außenseiters, der keineswegs als gefühlloses Monster gezeichnet wird.

„Tatort“ aus Kiel mit Joseph Bundschuh und Jördis Triebel

Der Kieler „Tatort“, in dem die beiden Kommissare voll gefordert sind, beginnt mit einer klassischen weiblichen Angstsituation: Eine Frau wird von bedrohlichen Gestalten in einem nächtlichen Parkhaus verfolgt und überfallen. Die tödliche Gewalttat, um die sich die ersten Ermittlungen von Borowski und Sahin drehen, findet jedoch an anderer Stelle statt: Auf einer verwahrlosten Brachfläche in der Nähe eines Clubs wurde eine mit K.O.-Tropfen betäubte junge Frau brutal misshandelt und getötet. Der findige Borowski muss am Fundort der Leiche buchstäblich im braunen Schmutz wühlen, um einen ersten Hinweis zu finden, und es gelingt ihm: Der Täter hat die Zahl 14 in den Dreck geritzt, ein Erkennungszeichen amerikanischer Neonazis – es steht für 14 Wörter, die einen Glaubenssatz dieser Bewegung bilden.
Mario (Joseph Bundschuh) fühlt sich im Borowski-"Tatort" von seiner Chefin gedemütigt.
Mario (Joseph Bundschuh) fühlt sich im Borowski-„Tatort“ von seiner Chefin gedemütigt.
© Foto: NDR/Christine Schroeder
Die Spur führt zu Mario Lohse (klasse: Joseph Bundschuh), einem schüchternen jungen Mann, der tagsüber im Parkhaus an der Kasse sitzt und in der fraglichen Nacht im Club mit dem Opfer gesehen wurde. Der vorübergehend festgenommene Lohse, ein im Grunde seines Herzens eher sanftmütiger Außenseiter, ist ein Anhänger des extrem frauenfeindlichen Populisten Hank Massmann (Arnd Klawitter), der im Internet seine Hassbotschaften verbreitet und von der angeblichen Domestizierung des deutschen Mannes schwadroniert.
Borowski beschließt, dem Hass-Propheten undercover auf den Zahn zu fühlen, seine Kollegin Sahin warnt derweil die Kieler Politikerin Birte Reimers (Jördis Triebel), die Massmann in einer Talkshow Paroli bot und deshalb akut bedroht wird. Als Mario Lohse wieder auf freien Fuß gesetzt wird, sind die Kommissare alarmiert, denn sie ahnen, dass der fehlgeleitete junge Mann eine tickende Zeitbombe ist.

„Tatort“ Kritik: Wie ist die Bewertung des Borowski-Krimis?

Der neue Borowski-„Tatort“ ist gut recherchiert, beklemmend und spannend. Ein weiterer großer Pluspunkt: Die schon mehrfach mit dem Grimme-Preis ausgezeichnete Regisseurin Nicole Weegmann verzichtet darauf, die Not der Opfer voyeuristisch auszuschlachten, wie das allzu oft in Krimis über Gewalt gegen Frauen geschieht. Ihr Krimi geht in manchen Szenen ans Eingemachte, weidet sich aber nicht am Schrecken und verzichtet fast völlig auf grausame Details. Das bringt dem Kiel-„Tatort“ drei von vier Pistolen ein: Kann man nichts falsch machen.

„Tatort“: Das ist Joseph Bundschuh

Joseph Bundschuh stammt aus einer echten Schauspieler-Familie: Sein Vater Jörg Bundschuh und seine Schwester Mathilde sind ebenfalls Schauspieler. Der 31-Jährige hat an der Hochschule für Musik und Theater in Rostock studiert. Seit 2007 dreht er regelmäßig für Fernseh- und Filmproduktionen. Bundschuh hatte bislang diverse Episodenrollen in Serien wie „Notruf Hafenkante“, „Heldt“ oder „Großstadtrevier“. 2020 war er in der zweiten Staffel der Event-Serie „Das Boot“ zu sehen. Aufmerksamen „Tatort“-Zuschauern kommt er vielleicht auch noch aus einem der diesjährigen Sonntagskrimis bekannt vor: Joseph Bundschuh hatte eine Rolle im „Tatort: Das ist unser Haus“, der Mitte Januar 2021 ausgestrahlt wurde.

„Tatort“ am Sonntag: Sendetermine und Mediathek

Die Erstausstrahlung des neuen „Tatort“ aus Kiel läuft zur gewohnten Sendezeit. Alle Sendetermine des Krimis auf einen Blick:
  • Sonntag, 07.03.2021 um 20:15 Uhr im Ersten
  • Sonntag, 07.03.2021 um 21:45 Uhr auf ONE
  • Dienstag, 09.03.2021 um 00:40 Uhr im Ersten
In der ARD Mediathek ist der „Tatort“ im Livestream zu verfolgen. Zudem ist er dort nach der Ausstrahlung sechs Monate lang als Stream verfügbar.

„Tatort“ Kiel Darsteller: Das ist die Besetzung

Neben den beiden Kommissarinnen gibt es im neuen Kiel-Krimi einige Rollen. Wer die Schauspieler im Cast sind, erfahrt ihr hier:
Rolle – Schauspieler
  • Klaus Borowski – Axel Milberg
  • Mila Sahin – Almila Bagriacik
  • Mario Lohse – Joseph Bundschuh
  • Birte Reimers – Jördis Triebel
  • Hank Massmann – Arnd Klawitter
  • Vicky – Mathilde Bundschuh
  • Duschanka Tomi – Vidina Popov
  • Nils Balde – Patrick Heinrich
  • Cybercop Paulig – Jan-Peter Kampwirth