Frankfurt/Main / Von Andreas Heimann, dpa  Uhr

Jan Böhmermann ist im Urlaub. Sein „Neo Magazin Royale“ fällt erstmal aus. Und das ist gut für Laura Karasek. Denn der Sendeplatz muss ja gefüllt werden.

Den bekommt die 37-jährige Frankfurterin jetzt für ihre Talkshow „Laura Karasek - Zart am Limit“. Start ist am Donnerstag (4. Juli) bei ZDFneo zur gewohnten Böhmermann-Zeit um 22.15 Uhr - und auch wie gehabt schon ab 20.15 Uhr in der ZDF-Mediathek.

Anders als ihr verstorbener Vater Hellmuth Karasek, der in der ZDF-Sendung „Das literarische Quartett“ jahrelang neben Marcel Reich-Ranicki zu sehen war, ist Laura Karasek noch kein bekanntes Fernsehgesicht. Aber sie hat schon einiges auf die Reihe bekommen.

Sie ist Mutter von Zwillingen, sie schreibt eine Kolumne für „stern.de“ und moderiert für die Deutsche Bahn einen Podcast. Sie ist Schriftstellerin - nach ihrem Debüt-Roman „Verspielte Jahre“ ist erst im Februar ihr zweites Buch „Ja, sie sind echt. Geschichten über Frauen und Männer“ erschienen. Und sie ist Juristin mit mehrjähriger Erfahrung in einer Frankfurter Wirtschaftskanzlei. Und jetzt talkt sie auch noch bei „Zart am Limit“.

„Ich bin einfach kein harter Hund“, erklärt sie den Titel ihrer Sendung. „Aber ich bin jemand, der auf Gegensätze steht, ich finde es toll, wenn ein Gangster-Rapper auch Rilke-Gedichte liest. Über mich hat mein Ex-Freund gesagt: Opernball meets Arschgeweih, und damit habe ich mich sehr gut getroffen gefühlt.“ Auch ihre Talkshow soll bunt und vielseitig werden: „Wir können nicht nur die ganze Zeit über Jonathan Franzen und Kafka sprechen und Gedichte von Brecht vortragen“, sagt Karasek.

„Es soll um Themen gehen, die junge Leute betreffen, um diese Zeit im Leben, was hat man schon erreicht, was will man noch erreichen, was sind unerfüllte Träume? Man hat kleine Kinder oder möchte gerne welche, man hat Geldsorgen, Sehnsüchte oder möchte seine Karriere ändern“, erklärt sie das Konzept.

Und auch boulevardeske Themen gehören dazu: „Gossip, Dating, Sex, Liebe und Nacktheit. Die Frage nach Bindungen, nach Monogamie, nach Treue bei jungen Leuten“, zählt Karasek auf.

In „Zart am Limit“ soll vieles möglich sein, eins ist sie nicht: eine weitere politische Talksendung - davon gibt es schon genug, findet Karasek. Politiker werden daher eher nicht bei ihr zu Gast sein. „Wenn Rezo zu mir kommen will, lade ich ihn gerne ein“, sagt sie. „Aber jetzt war er ja gerade erst bei Jan Böhmermann.“ Und Gäste, mit denen sie gerne mal talken würde, fallen ihr gleich etliche ein: den Rapper Bausa zum Beispiel, Schauspieler Lars Eidinger, die von ihr bewunderte Moderatorin Ina Müller.

„Ich lade meine Gäste ein, um mit ihnen Spaß zu haben, um sie abzufeiern, um mich mit ihnen auszutauschen, nicht um sie fertig zu machen“, erklärt Laura Karasek. Es müssen auch nicht immer Promis sein: „Wir wollen auch Leuten eine Gelegenheit geben, die nicht immer in den Talkshows sitzen, die einen Bruch in ihrem Lebenslauf erleben mussten, die mal eine Niederlage einstecken mussten, die in die ein oder andere Schublade gesteckt werden.“ Und es soll auch keine Männerveranstaltung werden: „Es ist eine weibliche Talkshow, und sich dann wieder nur Typen einzuladen, das wäre doch idiotisch“, sagt Karasek.

Zuvor moderiert hat sie noch nie. Den Job hat sie bekommen, weil sie mal ungefragt eine Mail ans ZDF geschrieben hat, in der stand: „Sie müssen mich kennenlernen. Sie werden es nicht bereuen.“ Es hat etwas gedauert, aber jetzt hat sie ihre eigene Sendung.

Geplant sind jetzt erstmal sechs 45-minütige Folgen - bis Jan Böhmermann aus der Sommerpause zurück ist. In der ersten Show talkt Karasek mit Schauspieler Denis Moschitto, Comedienne Tahnee Schaffarcyk und Rapper MC Bogy. Gedreht wird in einem Club in Frankfurt am Main, wo Laura Karasek lebt.

Wie es nach der sechsten Folge weitergeht, ist offen. Fest steht nicht mal, ob sie in der nächsten Sommerpause nochmal ran darf. Aber bis dahin ist ja noch Zeit. Laura Karasek hat da schon eine ganz kreative Idee: „Nächsten Sommer macht Böhmermann meine Vertretung, wie wär's denn damit?“

Laura Karasek - Zart am Limit