Sat.1 wagte ein neues Experiment. Im vergangenen Jahr sorgte der Sender mit „No Body is perfect“ für besondere Aufmerksamkeit: Bei dem Format zum Thema Selbstliebe war die Jury komplett nackt. 2020 ging Sat.1 einen Schritt weiter - und ließ Mütter einen Erotikfilm produzieren.
Mehr als eine Millarde Treffer zeigt Google auf die Suchanfrage an. Es reichen ein paar Klicks, um an die verschiedensten Sexfilme zu gelangen - ohne Altersbegrenzung oder Jugendschutz.
Vor diesem Hintergrund wagte Sat.1 das TV-Experiment „Mütter machen Porno“. Worum es in der zweiteiligen Doku genau geht, wer die Mütter sind und wie das Projekt „Vanilla X“ umgesetzt wird, erfahrt ihr hier.

Format „Mums Make Porn“: Das ist die Sat.1-Doku

„Stell Dir vor, Dein Sohn oder Deine Tochter gucken solche Videos und haben vorher überhaupt keine Erfahrung mit dem anderen Geschlecht gesammelt. Die denken, das ist normal.“ Die Sorge von Mutter Jasmine teilen gewiss viele Eltern. Um Heranwachsenden ein realistisches Bild von Sex zu vermitteln, wagt sie mit vier weiteren Müttern die Herausforderung: ein Sexfilm mit ganz normalen Menschen mit ganz normalen Maßen, die sich wertschätzend und auf Augenhöhe begegnen.
Das Format „Mums Make Porn“ stammt ursprünglich aus Großbritannien und wurde auf dem öffentlich-rechtlichen Sender „Channel 4“ ausgestrahlt.
Sat.1 hat die Sendung nach Deutschland geholt. Die Doku „Mütter machen Porno“ begleitet die fünf Frauen auf ihrem Weg, der jedoch um einiges schwieriger ist, als sie anfangs vermuten. Von der Idee, über Storyline bis zum Casting der Darsteller - all das machen die Teilnehmerinnen selbst. Und das sorgt für Auseinandersetzungen. Allem voran müssen sie erst einmal die Frage klären: Was ist „normaler“ Sex überhaupt?
Die fünf Mütter möchten Heranwachsenden ein realistisches Bild von Sex geben. Ob ihnen das gelingt?
Die fünf Mütter möchten Heranwachsenden ein realistisches Bild von Sex geben. Ob ihnen das gelingt?
© Foto: SAT.1 / Marvin Kochen

Produzentin Erika Lust soll helfen

Die Diskussion um die Handlung - etwa ob zwei oder drei Personen beim Liebesspiel - geht in Teil 2 weiter. Ein Besuch bei der preisgekrönten Porno-Produzentin Erika Lust in Barcelona den Müttern weiterhelfen. Die Schwedin gilt als Pionierin feministischer Pornografie. 2004 gründete sie ihre Produktionsfirma Lust Films, mit der sie sich auf „ethische Pornos“ spezialisiert hat. Darin stehen nicht die Männer im Mittelpunkt, Lust stellt vielmehr das gemeinsame Liebesspiel in den Vordergrund.

Youtube Am Set von Erika Lust

Sat.1-Doku: Diese Mütter machen mit

Am gewagten TV-Experiment von Sat.1 nehmen fünf Mütter teil, die als Produzentinnen, Drehbuchautorinnen und Casterinnen fungieren - nicht als Darstellerinnen.
  • Jasmine: Die 36-Jährige ist Erzieherin und hat zwei Kinder. Über Pornos sagt sie: „So reizvoll Pornos auch sein können, zur Aufklärung sollten sie nicht dienen.“
  • Karina: Vierfachmama und Art Director. Die 44-Jährige hat selbst negative Erfahrungen mit Nacktfotos gemacht. „Deswegen erziehe ich meine Söhne zu respektvollem Umgang mit Frauen beim Sex.“
  • Bianca: Die 49-jährige Friseurmeisterin hat zwei Kinder. Sie findet: „Pornografie sollte im Internet nicht verbildlicht dargestellt werden, Kinder sollten sich ihre eigene Meinung dazu machen.“
  • Britta: Die Medizinische Fachangestellte (44) hat selbst drei Kinder und hat eine klare Meinung zum Umgang mit Pornos: „Eltern haben die Pflicht, ihre Kinder ordentlich aufzuklären, damit Pornos erst ab einem angemessen Alter interessant und angeschaut werden.“
  • Mirjam: Die 49-Jährige hat zwei leibliche und zwei Stiefkinder. Welche Auswirkungen Pornos auf junge Menschen haben, erfährt die Praxis-Managerin nach eigener Aussage oft genug in ihrer Mädchensprechstunde.
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Thailand

Sendetermine: TV-Ausstrahlung von „Mütter machen Porno“

Sat.1 zeigte die Doku an folgenden beiden Terminen:
  • Mittwoch, 22. Juli 2020 um 20:15 Uhr
  • Mittwoch 29. Juli 2020 um 20:15 Uhr
Die Wiederholungen im TV laufen nachts:
  • Donnerstag, 23. Juli 2020 um 00:10 Uhr
  • Donnerstag, 30. Juli 2020 um 00:55 Uhr

„Vanilla X - Der Film“ im TV

Das Ergebnis der Doku strahlte Sat.1 ebenfalls im TV aus. Im Anschluss an die zweite Doku-Episode am 29. Juli 2020 um 22:30 Uhr zeigte der Sender ausgewählte Szenen des von den fünf Müttern produzierten Pornos „Vanilla X – Der Film“ in einer geschnittenen, den Vorgaben des Jugendschutzes entsprechenden und kommentierten Form.

Joyn: Die ganze Sat.1-Doku und Film sehen

Die Doku ist auch online verfügbar. Die beiden Folgen sind im Nachhinein auf der Sat.1-Homepage sowie auf der Streamingplattform Joyn verfügbar. Wer dort die kostenpflichtige Plus-Variante wählt, kann die Episoden sogar ohne Werbung sehen.
Den Zusammenschnitt des Films „Vanilla X“ gibt es ebenfalls auf der Sat.1-Homepage zur Doku. Einmal kann man ihn sich ohne Anmeldung anschauen.

Forscher: Vom Porno zur Erektionsstörung?

Das Thema Porno beschäftigt auch die Wissenschaft Wer viele Pornos guckt, hat Forschern zufolge mehr Erektionsstörungen und weniger Spaß am „normalen“ Sex. Nur 65 Prozent der Männer schätzten in einer internationalen Online-Umfrage den Sex mit Partnern stimulierender als Pornografie ein. Die Ergebnisse haben Wissenschaftler jetzt auf einem Kongress der Europäischen Gesellschaft für Urologie vorgestellt.
Im Durchschnitt schauen Männer etwa 70 Minuten pro Woche, normalerweise für 5 bis 15 Minuten, Pornos, berichtete Studienleiter Gunter de Win von der belgischen Universität Antwerpen. Die Variationsbreite der Antworten sei überraschend gewesen. Der Spitzenwert lag bei mehr als 26 Stunden pro Woche. Ein weiteres Ergebnis: 23 Prozent der Männer unter 35 Jahren berichteten in der Umfrage über Erektionsstörungen beim Sex mit Partnern.

Ulm

An der Befragung hatten insgesamt 3267 Männer vor allem aus Belgien und Dänemark teilgenommen. Professor de Win betont dabei, dass es sich lediglich um eine Befragung und nicht um eine klinische Studie handelt. Daher könne es sein, dass die Männer „nicht repräsentativ für die ganze männliche Bevölkerung sind“.