Köln (dpa) Gerade sind am „Drachenfels“ in der Nähe von Bonn die Dreharbeiten zur Eventserie „Oktoberfest - 1900“ zu Ende gegangen. „Das Thema ist ungeheuer spannend, da das Oktoberfest mal von einer ganz anderen Seite her betrachtet wird“, sagte Schauspielerin Martina Gedeck (57) der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

In dem Sechsteiler, der die Entstehung des weltbekannten Volksfests um 1900 erzählt, spielt sie eine der Hauptrollen: „Eine weibliche Hiobsfigur, die alles verliert und sich gegen ihr Schicksal aufbäumt.“

Bereits bei „Arthurs Gesetz“ oder „Tannbach“ gewann die vielfach preisgekrönte Künstlerin Achtung vor dem Genre Serie: „Man kann die inneren Bewegungen einer Figur ausloten und in epischer Form erzählen. Das ist reizvoll.“ Ein Projekt, mit dem sie ein Jahr oder mehr beschäftigt wäre, würde sie allerdings ablehnen, weil sie nicht auf eine bestimmte Rolle festgelegt werden möchte.

Und so beginnt sie in wenigen Wochen mit den Dreharbeiten zum Kinofilm „Wunderschön“. Unter der Regie von Karoline Herfurth ist sie dabei neben Nora Tschirner, Emilia Schüle und Joachim Król zu sehen.

„Oktoberfest“ entstand in 66 Drehtagen an Locations in Deutschland und Tschechien. „In beiden Ländern war es für uns außerordentlich schwer, das passende Personal zu gewinnen“, erklärt Produzent Michael Souvignier die Herausforderung. Vor allem im Nachbarland würden neben deutschen Filmen immer mehr amerikanische produziert: „Jemand wie Netflix bucht Büros und Mitarbeiter direkt über Jahre durch, ohne genau zu wissen, ob diese Kapazitäten überhaupt benötigt werden.“

Die Folge: Wegen der erhöhten Nachfrage steigen auch die Kosten. Souvignier schätzt den Anstieg in Tschechien im Vergleich zum Vorjahr auf 20 Prozent. Generell sei der Arbeitsmarkt leergefegt, weil die Fachkräfte in der Regel inzwischen über viele Monate gebunden seien. Allein in den USA werden dieses Jahr schätzungsweise mehr als 400 neue Serien entstehen, auch in Deutschland läuft die Produktion auf Hochtouren. Für die Macher wird es immer schwieriger, aufwändige Produktionen umzusetzen.

Ob der Serienboom, angefacht vor allem durch die Streamingdienste, sich noch weiter steigern wird, bezweifelt Gedeck: „Wer soll das denn noch alles schauen?! Ich finde, dass auch die "kurze" Erzählform in 90 Minuten ein wichtiges Genre ist.“ Denn das Publikum wünsche ebenso „komprimierte“, abgeschlossene Geschichten zu sehen.

Die über zehn Millionen Euro teure Produktion „Oktoberfest“ wird voraussichtlich Ende nächsten Jahres bei der ARD zu sehen sein. Sowohl Gedeck als auch Souvignier betonen die Aktualität des Stoffs: Schließlich gehe es um turbokapitalistische Marktmechanismen und den Widerstand dagegen.

Oktoberfest

Drehbericht aus dem Bayerischen Rundfunk