Dreharbeiten Am Set in Tschechien: Das Schicksal der „Bleistift-Erbin“

Eleonore Weisgerber (l-r), Maren Eggert, Jasmin Schwiers und Kristin Suckow bei den Dreharbeiten. Foto: Monika Skolimowska
Eleonore Weisgerber (l-r), Maren Eggert, Jasmin Schwiers und Kristin Suckow bei den Dreharbeiten. Foto: Monika Skolimowska © Foto: Monika Skolimowska
Trebon / Von Michael Heitmann, dpa 09.07.2018

Das Bierbrauen hat im tschechischen Trebon (Wittingau) eine fast so lange Tradition wie die Karpfenzucht. Seit 1379 wird in der früheren herrschaftlichen Brauerei des Adelsgeschlechts der Schwarzenbergs der goldene Gerstensaft hergestellt. Doch für kurze Zeit wird die Brauerei zur Bleistiftfabrik.

Hier und an anderen historischen Schauplätzen in Tschechien verfilmt die ARD-Tochter Degeto das Leben der „Bleistift-Erbin“ Ottilie von Faber-Castell. Als die attraktive junge Frau im Jahr 1893 das Erbe der großväterlichen Fabrik antrat, waren die Schreibwaren aus dem mittelfränkischen Stein bei Nürnberg längst ein Begriff. Doch schon bald brach Ottilie aus ihrem goldenen Käfig aus.

Auf dem Innenhof der Brauerei stapeln sich Holzkisten mit der Aufschrift „A. W. Faber“. Ein Arbeiter zieht einen Holzkarren über das Kopfsteinpflaster. Ein anderer führt einen weißen Hengst am Zügel. Ottilie, gespielt von Kristin Suckow, läuft auf den Hof, um zum ersten Mal in ihrem Leben ein Auto zu besteigen - damals eine kleine Sensation. Sie trägt ein schickes Kleid, wie es in der gehobenen Gesellschaft üblich war, und lacht laut vor Aufregung.

Diese Filmszene war ein glücklicher Moment für Ottilie, doch das Leben meinte es nicht immer gut mit ihr. Ihr Vater und ihre beiden Brüder starben viel zu früh, sie wurde zur Alleinerbin. Schon bald heiratete sie am Familiensitz in Schloss Stein den elf Jahre älteren Premierleutnant Graf Alexander zu Castell-Rüdenhausen (Johannes Zirner). Doch ihre eigentliche Liebe galt Philipp von Brand zu Neidstein (Hannes Wegener). Ottilie bekam fünf Kinder und wurde nach und nach aus der Verantwortung für den Betrieb gedrängt. Doch in einem für die damalige Zeit unerhörten Schritt verließ sie ihre Familie und ging zu Philipp.

„Die Ottilie von Faber-Castell zu spielen, ist für mich ein Traum“, sagt Suckow. „Ich glaube, dass sie sehr mutig war und dem gefolgt ist, an das sie geglaubt hat“, sagt die 29-Jährige. Die Gesellschaft sei schon damals im Umbruch gewesen, doch selbst heute gebe es noch keine volle Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau und auch auf vielen anderen Ebenen große Ungerechtigkeiten, so die Schauspielerin.

Für die Hochzeitsszene zwischen Ottilie und dem Grafen, einen der Schlüsselmomente des Films, suchte Kostümdesignerin Petra Kray in ganz Europa nach einem passenden Kleid. Am Ende fand sie ein 120 Jahre altes Prachtstück, ein champagnerfarbenes Duchessekleid aus reiner Seide mit Brüsseler Tüllspitze am Dekolleté und den Ärmeln. „Am Rocksaum liegt ein schmaler Kranz aus weißen Marabufedern - wie auf Wolken schwebend“, sagt Kray.

Gedreht wurde diese Szene auf Schloss Libochovice (Libochowitz), einem frühbarocken Prachtbau, dessen französischer Garten nach dem Vorbild von Versailles angelegt wurde. „Wir hatten vorher Unterricht im Polka-Tanzen“, verrät Suckow. Im Kontrast zum unbeschwerten Feiern steht die innere Zerrissenheit der Hauptfigur. „Für Ottilie hat dieser Tag zwei Seiten, denn am Hochzeitsmorgen erreicht sie ein Brief von Philipp von Brand“, sagt Suckow. „Die Zeilen sind voller Liebe und Schmerz geschrieben.“

Das Drehbuch stammt von Claudia Garde, die auch Regie führt. Es basiert auf dem 1998 erschienenen Roman „Eine Zierde in ihrem Hause“ von Asta Scheib. Es ist ein Stück deutscher Firmengeschichte, aber mehr noch das Schicksal einer Frau, die am Ende die Scheidung einreichte, um ihre Freiheit wiederzugewinnen. Und wer käme heute ohne die sechseckigen Stifte aus, die anders als ihre runden Vorgänger nicht vom Tisch rollen, und einst von Ottilies Großvater Lothar erfunden wurden? Johannes Zirner, der den Grafen Alexander darstellt, sagt: „Stifte begleiten den Menschen ein Leben lang.“

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