Ein dubioser österreichischer Politiker mit einem zweifelhaften Verhältnis zur Wahrheit und ein von Vetternwirtschaft durchsetzter Behördenapparat? Hört sich an wie die nackte Realität, ist aber nur ein fiktiver Sonntagskrimi.  Die Macher des neuen „Tatorts“ aus Österreich konnten vor einem Jahr natürlich nicht ahnen, was sich im Frühjahr 2019 an politischen Ungeheuerlichkeiten in der Alpenrepublik so zutragen würde. Doch wie sagt es einer der Beteiligten in dieser rundum spannenden und mit viel schwarzem Ösi-Humor gewürzten Mordgeschichte so schön: „Manchmal geht das in Österreich schneller, als man denkt.“ Der kraftvoll inszenierte  „Tatort: Glück allein“, der am Sonntag läuft, ist eine reizvolle Mischung aus Krimi, Politdrama und Familientragödie, die sich gewaschen hat.

„Tatort“ aus Wien: Das passiert im Ösi-Krimi

Im Zentrum des dramatischen Geschehens steht der Politiker Raoul Ladurner (Cornelius Obonya) aus Tirol, der sich als Volkstribun und „selbsternannte Reinigungskraft der Nation“ inszeniert, wie Kommissar Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) spöttelt. Als sich in Ladurners Villa ein Blutbad ereignet, bei dem seine Frau getötet und seine Tochter schwer verletzt wird, scheint der Fall klar: Ein ertappter Einbrecher hat hier gemordet.

Wiener Kommissare kämpfen mit unterschiedlichen Problemen

Eisner und seine Kollegin Bibi Fellner (Adele Neuhauser) stoßen am Tatort jedoch schon bald auf Ungereimtheiten und auf eine junge Kollegin, die von dem Fall völlig überfordert scheint und dazu auch noch befangen ist: Julia Soraperra, gespielt von der aus der lustigen Serie „Vorstadtweiber“ bekannten Gerti Drassl, hat ganz offensichtlich ein allzu enges Verhältnis zum überaus selbstgefälligen Politiker Ladurner, mit dem Eisner schon bald gehörig aneinandergerät – der Mann aus Tirol erinnert ihn ungut an seinen eigenen Vater, der ein brutaler Familientyrann war. Eisners Gereiztheit wiederum nervt die besonnene Fellner, die ihren Kollegen jedoch vergeblich zu Distanz und Objektivität ermahnt.

Lohnt sich das Einschalten?

Unser Fazit zum „Tatort“ aus Wien: Kann man nichts falsch machen.
© Foto: Collage

Das bewährte Gespann Eisner/Fellner muss nicht nur in einem immer unübersichtlicher werdenden Fall ermitteln, sondern sich auch gegen wachsenden politischen Druck behaupten. Dabei kommt den beiden Ösi-Kommissaren zugute, dass sie keiner Meinungsverschiedenheit aus dem Weg gehen. Viele andere „Tatort“-Kommissare haben sich mit den Eigenheiten und Verschrobenheiten des jeweiligen Partners ja längst abgefunden, was dazu führt, dass die Ermittlerduos manchmal allzu routiniert ihr Ding machen. Moritz und Bibi jedoch reiben sich ständig aneinander – ein wirklich bemerkenswertes Duo.

Die Bewertung:

1 Pistole: Lieber nochmal mit dem Hund raus.
2 Pistolen: Puh! Eher was für echte Fans.
3 Pistolen: Kann man nichts falsch machen.
4 Pistolen: Gucken! Spricht am Montag jeder drüber.

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