Karl-May-Spiele boomen wie lange nicht mehr. Freilichtinszenierungen nach den Geschichten des sächsischen Erfolgsschriftstellers, vorzugsweise die Wild-West-Abenteuer von Winnetou und Old Shatterhand, verzeichneten in den letzten Jahren einen stetig zunehmenden Besucherstrom. Insbesondere die seit 1952 bestehenden Karl-May-Spiele Bad Segeberg konnten 2019 mit ihrem neuen Winnetou Alexander Klaws erstmals mehr als 400 000 Besucher in die Kalkberg-Arena locken.

Dutzend verwaiste Bühnen

In diesem Jahr werden wegen Corona werden die meisten der rund ein dutzend Bühnen in Deutschland und Österreich so verwaist sein wie ein texanisches Wüstenkaff, durch das der Wind die Steppenhexen bläst. Im Kampf gegen den Corona-Blues der Fans und die leeren Taschen der arbeitslos gewordenen Schauspieler trommelten nun die Macher hinter dem Magazin „Karl May & Co.“ Akteure aus der Freilichttheater- und May-Szene zusammen, um im Rahmen der Aktion „Winnetou@home“ den Roman „Der Ölprinz“, der dieses Jahr in Elspe und Segeberg auf dem Programm gestanden hätte, als vollständige Online-Lesung in die heimischen Jagdgründe zu bringen.

Lesen ohne Gage

„Wir machen das für die Fans“ äußert sich Michael Müller, Textbuchautor, Regisseur und Schauspieler der Festspiele im oberschwäbischen Burgrieden, der auch um die Sorgen und Nöte seiner Kollegen weiß und – wie alle Mitwirkenden – ohne Gage liest. Zu denen gehören unter anderem Mitarbeiter von Institutionen wie dem Karl-May-Museum Radebeul, dem Karl-May-Haus Hohenstein-Ernstthal oder dem Karl-May-Verlag Bamberg sowie Bühnenstars wie der ehemalige Kalkberg-Winnetou Jan Sosniok oder Dasings und Elspes Langzeit-Winnetous Matthias M. und Jean-Marc Birkholz.

Spenden für Künstler in Not

Darüber hinaus wirbt „Winnetou@home“ um Spenden für die „#KunstNothilfe“ von Elinor.network und GLS Bank, die Kunst- und Kulturschaffende mit finanziellen Soforthilfen unterstützt. Zu den Kuratoren dieser Aktion und zu den Mitlesern bei „Winnetou@home“ gehört der international gefragte Kino- und TV-Star Götz Otto, vielen noch als Bond-Bösewicht ein Begriff. Am Wochenende hat die Aktion auf dem Youtube-Kanal von „Karl May & Co.“ begonnen, die ersten Seiten aus „Der Ölprinz“ lesen die Schauspieler Helmut Urban und James Bürkner.