#MeToo Ein Koloss wankt: Vorwürfe gegen R. Kelly werden lauter

 R. Kelly: Von „I Believe I Can Fly“ zu „Down Low“?
 R. Kelly: Von „I Believe I Can Fly“ zu „Down Low“? © Foto: ©PR/A&E/Getty/Williams
Chicago / Claudia Reicherter und dpa 14.01.2019

Statt von Charterfolgen handeln Berichte über R’n’B-Star R. Kelly dieser Tage von Konzertabsagen, Razzien und Fluchtplänen. Mehr und mehr Menschen distanzieren sich von dem Sänger, seit eine vorletzte Woche im US-Fernsehen gestartete Doku-Serie die lange Liste sexueller Verfehlungen und Missbrauchsfälle im Leben des 52-jährigen Sängers öffentlich macht.

„Bump n’ Grind“, „The World’s Greatest“, „I Believe I Can Fly“ – gemessen an seinen Hits ist der als Richard Sylvester Kelly am 8. Januar 1967 in Chicago (Illinois) geborene Sänger, Rapper, Produzent und Schauspieler ein Koloss. Weltweit verkaufte er mehr als 150 Millionen Tonträger, erhielt drei Grammys und Auszeichnungen als erfolgreichster Interpret der vergangenen Jahrzehnte. Das Magazin „Billboard“ listete ihn 2015 kurz nach Michael Jackson, Stevie Wonder und Prince.

Aber nun gerät dieser Koloss ins Wanken. Mit der sechsteiligen Serie „Surviving R. Kelly“, die Pay-TV-Sender A&E von 18. bis 20. Mai auch in Deutschland ausstrahlen will, gewinnen Missbrauchsvorwürfe gegen ihn an Schlagkraft. Zahlreiche Frauen werfen ihm vor, sie teils als Teenies sexuell oder emotional missbraucht zu haben. Anschuldigungen, Skandale und Gerichtsverfahren begannen schon 1994 mit Kellys fragwürdiger Ehe mit der damals 15-jährigen Sängerin Aaliyah, die später annulliert wurde. 2017 gab es Gerüchte, er halte Frauen auf einer Art Sex-Farm fest. Im November kam eine Klage seiner zweiten Ex-Frau Drea hinzu: emotionaler, körperlicher und sexueller Missbrauch.

Wird R. Kelly zum ersten namhaften US-Musiker, den die #MeToo-Bewegung zu Fall bringt? Den Hashtag #MuteRKelly – bringt R. Kelly zum Schweigen – gibt es schon. Staatsanwälte in Chicago und Atlanta befassen sich mit den Vorwürfen. Am Freitag durchsuchte die Polizei seine Wohnung im Chicagoer Trump Tower, diese Woche sollen Räume in einem Warenlager folgen.

Bislang streitet er alle Vorwürfe ab, wirft seinen Kritikern eine Rufmord-Kampagne vor und feierte zuletzt angeblich ausgelassen seinen 52. Geburtstag. Doch Spotify hat Kellys Musik bereits aus Playlisten gelöscht, Lady Gaga nennt ihn auf Twitter „absolut furchtbar“ und will nie wieder mit ihm arbeiten. Bis R. Kelly sagen kann „The Storm Is Over Now“, dürfte es ein langer Weg sein.

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