Deutsch Rap Casper und Marteria steigern sich gegenseitig

Gemeinsam stark: Marteria (li.) und Casper.
Gemeinsam stark: Marteria (li.) und Casper. © Foto: Christian Hedel
Berlin / Claudia Reicherter 31.08.2018
Marteria und Casper bieten auf ihrem ersten gemeinsamen Album „1982“ Glaubwürdigkeit, Brisanz und coole Sounds.

Sie nennen einander „Cas“ und „Mar“. Der eine ist das einzige Schlüsselkind in seinem ostwestfälischen „Deutschlernkurs“, der andere das schulflüchtige Strandkind, das die S-Bahn ins „Paradies“ an der Ostsee nimmt. Marten Laciny und Benjamin Griffey haben mehr gemeinsam als das „y“ am Ende ihrer Namen. Beide sind 1982 geboren, Fußballfans, musikalisch sozialisiert zwischen Ace of Base und „Ace Of Spades“. Beide hat es irgendwann nach Amerika verschlagen, „Cas“ als Kleinkind, „Mar“ als jungen Erwachsenen. Beide haben etwa zur selben Zeit geheiratet und beruflich erst andere Wege eingeschlagen. Beide sind Rapper geworden – und mit dem jeweils zweiten Album durch die Decke gegangen.

Marteria, weil er dem deutschen Rap einiges an textlicher Raffinesse hinzufügte; Casper, da er ihn um Post-Rock und Hardcore erweiterte. Heute sind beide Headliner der größten Festivals und bei Kraftklubs Chemnitzer Kosmonaut-Open-Air Ende Juni gaben die beiden 35-Jährigen bekannt, dass sie an einem gemeinsamen Album arbeiten. Nun sind Kooperationen im HipHop keine Seltenheit und mit „Rock ’n’ Roll“ legten sie 2009 schon einen gemeinsamen Song vor. Dennoch ist das gestern erschienene „1982“ ein Meilenstein.

Die zehn in wenigen Sessions bei Berlin, an der Ostseeküste und in Osnabrück entstandenen Stücke klingen gleichzeitig roh und hochprofessionell. „1982“ gemahnt wie „Omega“ und „Adrenalin“ an die Dringlichkeit Eminems, „Champion Sound“ mit Big-­­Band-Bläsern und Bassläufen an Jay Z. „Chardonnay & Purple Haze“ zelebriert mit Feine Sahne Fischfilets Monchi melancholisch cool den Absturz, das von Kat Frankie gesungene „Denk An Dich“ schön schlicht die Liebe.

Sie wollten einfach machen, worauf sie Bock hatten, sagt Marteria, „ein Blockbuster-Album mit der Herangehensweise eines Mixtapes“. Casper fühlte sich dabei so „befreit und entspannt“ wie lange nicht. Das funktioniert. Cas und Mar, der Rapper mit der Reibeisen- und jener mit der Samtstimme, steigern sich gegenseitig in den Oldschool-Olymp.

Das könnte dich auch interessieren


Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel