Der deutsche Filmkomponist Hans Zimmer hat großen Anteil daran, dass Giorgio Moroder im Alter von 78 Jahren eine Tour mit Live-Musik absolviert. „Ich habe das Konzert von Hans Zimmer gesehen und gedacht: wunderbar, wunderbar!“, schwärmt Moroder. „Da dachte ich, ich könnte etwas Ähnliches machen.“

Mit seiner Frau habe er beschlossen, es - in etwas kleinerem Rahmen als Zimmer - anzugehen, erzählt der italienische Erfolgsproduzent, Komponist und Musiker in London vor seinem zweiten Konzert. In Deutschland wird er in Berlin, Düsseldorf und Frankfurt auftreten.

Moroder steht mit Band, Streicherquartett, drei Sängerinnen und einem Sänger auf der Bühne. Und er singt auch selbst. „Als Sänger war ich nie gut genug“, sagt er, „aber ich weiß, wie man die Leute ein bisserl aufmuntert.“ In den vergangenen fünf Jahren war er schon als DJ auf Tournee - mit über 70 ein Unikat der Szene. Erste Anfragen hatte er noch abgelehnt. „Ich habe gedacht, ich bin ein Produzent, ich bin ein Komponist, ich bin kein DJ.“ Dann wagte er es doch. „Das war ein Riesenerfolg und hat mir so gut gefallen“, sagt Moroder und muss unter seinem markanten Schnurrbart über das späte Debüt lachen.

DJ-Stars wie Steve Aoki und David Guetta bewundern den fröhlichen Südtiroler, der mit vollem Namen Giovianni Giorgio Moroder heißt, den seine Mutter aber immer Hansjörg nannte. Das, was heute unter der Bezeichnung EDM - Electronic Dance Music - die Charts und Tanzflächen füllt, hat Moroder in den 70er Jahren nämlich miterfunden. Mit Synthesizern schuf er Musik, die Soundtüftler Brian Eno gegenüber David Bowie damals als „Sound der Zukunft“ bezeichnet haben soll.

Disco-Hits wie „From Here To Eternity“ (1977) oder „Chase“ (1978) aus Moroders Oscar-prämiertem Soundtrack zum Film „Midnight Express“ gelten mit ihren pulsierenden Rhythmen und für damalige Verhältnisse futuristischen Sounds heute als Klassiker. Das französische Duo Daft Punk widmete ihm vor ein paar Jahren den Song „Giorgio by Moroder“, an dem die Disco-Ikone selbst mitwirkte und aus seinem Leben erzählt. Moroder spielt die entspannte Nummer jetzt auf seiner Tournee.

In den 60ern hatte er es als junger Mann erst mit Schlager versucht. „Die allererste Aufnahme hab ich 1965 noch in Mono gemacht, und die Plattenfirma hat gesagt: Mono geht nicht mehr.“ Er schmunzelt. „Das Lied war höchstwahrscheinlich katastrophal.“ Die Zusammenarbeit mit mit Ricky Shayne und Michael Holm brachte erste Erfolge. Dann gelang ihm mit „Looky Looky“ ein Hit unter seinem eigenen Namen. Den singt er jetzt auch live, „weil er monatelang meine Miete bezahlt hat“.

Moroder gründete in München die Musicland Studios, in denen Stars wie die Rolling Stones, Queen und Elton John ihre Alben aufnahmen. Dann lernte er die damals unbekannte US-Sängerin Donna Summer kennen. Mit ihr produzierte er in den 70ern Hits wie „I Feel Love“, „Hot Stuff“ oder „On The Radio“, die beiden den weltweiten Durchbruch bescherten. Auch das erotisch aufgeladene, 17-minütige „Love To Love You Baby“, in dem Summer laut stöhnt, produzierte er. Wer die Idee dazu hatte? „Ich glaub, das war ich - ein verdorbener Südtiroler.“

Aufregend sei die Disco-Ära für ihn gewesen, wild aber nicht, sagt der mehrfache Oscar- und Grammy-Gewinner, der heute in Italien und Los Angeles lebt. Von Drogen habe er sich ferngehalten. „Ich habe furchtbar Angst gehabt, dass man wirklich abhängig wird. Und ich habe ja auch ein paar Freunde gehabt, denen ging es nicht besonders gut. Außerdem war ich immer im Studio und hab gearbeitet wie noch nie.“

Den alten Disco-Hits verleiht Moroder mit den hervorragenden Musikern auf der Bühne neuen Glanz. Auch die 80er-Jahre-Filmhits „Flashdance“, „The NeverEnding Story“ sowie „Take My Breath Away“ und „Danger Zone“ aus dem Kassenschlager „Top Gun“ sind Teil seiner Show - und klingen live so gut wie auf der Platte. Zwischen den Songs erzählt Moroder bestens gelaunt ein paar Anekdoten. Das Publikum in Londons Hammersmith Apollo tanzt begeistert und feiert ihn am Ende mit lauten „Giorgio“-Rufen. Mit 78 ist Moroder immer noch der Disco-King.

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