Zu seinen Fans zählen Ina Müller, Kontra K und Matthias Schweighöfer. Marteria, Nikolai Kinski und Bill Kaulitz nennt er Freunde. Im Gespräch zeigt sich der Hamburger Sänger, Songwriter und Produzent so entspannt, natürlich und freundlich wie ernst und entschieden. Den vollen Namen und sein Alter behält er für sich. Er sei schlecht im Umgang mit Zahlen, sagt er. Mit Worten und Tönen glückt der Umgang dafür umso besser. Am Freitag, 15. Februar 2019 um 20 Uhr gastiert Nisse mit Band im Roxy.

Hat Ihr Künstlername mit Kopflauslarven, skandinavischen Kobolden oder einem Spitznamen zu tun?

Nisse: Ich glaube, die Eier der Kopfläuse gibt es nur im Plural. Es hat in der Tat etwas mit einem meiner Vornamen zu tun. Dazu habe ich skandinavische Vorfahren. Es gefällt mir auch als Rückbesinnung auf den Ursprung eines Teils meiner Familie. Zumal „nisse“  auf Norwegisch und Dänisch Vieles bedeuten kann zwischen Weihnachtswichtel und drei Meter großem Troll.

Gefällt Ihnen diese Mehrdeutigkeit?

Sehr sogar. Der Titel meines ersten Albums „August“ bezog sich auf den Monat, in dem ich und mein Vorbild Michael Jackson geboren wurden. Zudem ist das der Vorname meiner Großvaters, der auch zu meinen Vornamen gehört. Das hat schon alles viele Bedeutungsebenen bei mir.

Bis hin zur neuen Platte „Ciao“?

Genau. Ich verwende den Gruß da als „Hallo“ zu einem schönen neuen Lebensabschnitt: Er steht für Hoffnungen, Wünsche, Täume. Aber im gleichnamigen Song oder in „Nie Wieder“ geht es ums Verabschieden: Tschüs zu Ängsten und Befürchtungen.

Ihr Song über den tödlich verunglückten Sprayer OZ ragt im HipHop-Kontext heraus. Sonst disst man doch eher Kollegen, oder?

Gedisst oder gebattelt wird gegenüber jemandem, der auf Augenhöhe ist und in der eigenen Kategorie spielt. Der weit über 60-jährige Oz hingegen war konkurrenzfrei in seiner Konsequenz, nur Tags, Kringel und Smileys zu sprühen. Jeder seiner am Ende zehntausenden Kringel sollte als Mahnmal für ein Opfer des Naziterrors stehen. Von daher war er vor seinem tragischen Tod eine ausnahmslose Erscheinung. Vor 15 Jahren habe ich ihn mal in der U-Bahn getroffen und er hat mich tief beeindruckt, deshalb diese ehrliche Würdigung.

 Das neue Album kennzeichnen einige Kollaborationen, mit Klaus und Nikolai Kinski und Bill Kaulitz. Wie kam es dazu?

Auf meinem ersten Album wollte ich meine Geschichte erstmal alleine machen, um für mich zu stehen, statt mich mit bekannten Namen zu schmücken. Jetzt hatte ich Lust, andere Künstler zu Features einzuladen. Nikolai, der Sohn von Klaus Kinski, ist ein Freund von mir. Zunächst kontaktierte ich ihn, um zu fragen, ob ich den „Faust“-Monolog seines Vaters aus dem Jahr 1963 für „Twitter Weltkrieg“ verwenden darf. Dann kam die Idee, dass auch er dazu beiträgt, um die Zeitlosigkeit der Thematik aufzuzeigen, wie zerstörerisch wir mit uns und unserer Umwelt umgehen. Auch Bill Kaulitz ist ein Freund. Außerdem habe ich einen Riesenrespekt vor ihm, vor seiner Ausstrahlung, seiner Einzigartigkeit und dass er und sein Bruder dabei immer noch sehr nett sind.

Und wie kam es zur Arbeit mit Produzent Steffen „Steddy“ Wilmking? Ist er für die Vielfalt der Platte verantwortlich?

Kreativ und inhaltlich, der ganze Stil des Albums basiert komplett auf meinen Ideen. Ich mache die Texte ganz und die Musik größtenteils selbst und produziere die Demos selber vor. Aber er macht, dass es so schön klingt, ist das Geie hinter dem Sound. Steddy hat meine verrückten Ideen eingefangen und in Form gebracht.

Stört es Sie, wenn man Sie mit Marteria vergleicht? Nicht nur vom Aussehen, sondern auch von der musikalischen Vielfalt her liegt das nahe.

Marteria ist auch ein guter Kumpel. Und mega-talentiert. Ich sehe ihn als einen der größten deutschen Künstler unserer Zeit, von daher: überhaupt nicht. Er rappt halt mehr und singe eher.

Wie gestalten Sie ihre Live-Auftritte? Kommen da auch Pyros vor wie bei Marteria?

Keine Pyros, so groß ist das nicht. Aber ich habe einen der besten Licht- und Tontechniker dabei, dazu den Schlagzeuger von BAP, also eine Crew, die sonst vor Stadien spielen. Live sind wir noch besser als auf Platte. deshalb lohnt es sich auf jeden Fall, vorbeizuschauen. Denn meine Art von Unterhaltung gibt es kein zweites Mal.

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