Vöhringen / Claudia Reicherter  Uhr

Die Jubiläumssause von Sick of Society im Ulmer Beteigeuze mit befreundeten Bands ist rum. Das kurz darauf in Reutlingen gefeierte „1. Rough & Raw/Riot-77-Festival“ des bandeigenen Booking- und Promotion-Kollektivs mit sieben Bands ebenfalls. Und das Jahr, in dem der langlebigste Punk-Rock-Vierer der Region mit dem Jubiläums-Album „Perlen vor die Säue“ sein 25-jähriges Bestehen beging, neigt sich auch schon wieder dem Ende entgegen.

Was nun? Bandgründer Oliver (45), der bei SoS am Schlagzeug den Rhythmus vorgibt, die 2015/16 dazugestoßenen Gitarristen Chris (30) und Falko (37) sowie Steini (38), der nach Sänger und Frontmann Fizzis Ausscheiden 2014 neben dem Bass auch das Mikro übernahm, blicken von ihrem zweigeteilten Proberaum im Obergeschoss des Vöhringer Jugendhauses aus gelassen in die Zukunft. Schließlich steht 2019 gleich der nächste runde Geburtstag an: Die Vorläuferband Wicked Power wäre dann 30. Gründe zum Feiern gibt es viele, drei der vier Musiker spielen neben zeitintensiven Brotberufen und familiären Verpflichtungen ja auch noch bei Cross X. 2020 könnten sie zehn Jahre deutsche Texte feiern oder das 25-Jährige ihres „Love!?“-Tapes, das Anfang 1996 eine Hausdurchsuchung bei Oliver zur Folge hatte. Da horchen die jüngeren SoS-ler auf. „Davon wusste ich ja noch gar nichts“, sagen Chris und Falko, die heute beide in Augsburg leben. „Verbreitung gewaltverherrlichender Schriften“, lautete der Vorwurf. „Ich bin aus allen Wolken gefallen und hab erstmal lachen müssen“, erzählt der Vöhringer Drummer und winkt ab: Das Verfahren wurde rasch eingestellt. Seitdem ist er noch überzeugter, man müsse bei den Texten „immer schön straight die Sache benennen“. Alles andere führe nur zu Missverständnissen.

1991 erschien die erste von mittlerweile 18 Wicked-Power- beziehungsweise Sick-of-Society-­Veröffentlichungen, eine Musikkassette namens „Last Hours Till Immortality“. Das mit der Unsterblichkeit haben die Freunde klarer Texte also gleich am Anfang abgehakt. Wichtiger als ewiger Ruhm ist ihnen aber das Hier und Jetzt: dass sie seit vier Wochen von einer externen Booking-Agentur betreut werden; dass Tourtermine bis Dezember 2019 stehen – „wir haben noch nie so viele Konzerte gespielt“; dass sie bereits die ersten Songs ihrer nächsten Platte fertig haben.

Vielfältiger seien sie in den vergangenen 25 Jahren geworden, meint Oliver. „Mit zwei Gitarren hast du einfach mehr Möglichkeiten, was den Sound angeht“, findet Steini. Zudem trägt heute jeder zum Songwriting bei. „Dabei kosten wir weniger als eine Cover-Band und verkaufen auch T-Shirts und CDs günstig“, sagt der Weißenhorner. Überzeugung, Idealismus, Spaß stehen wie einst im Vordergrund. „Hört sich nach Überraschungsei an“, sinniert Oliver. Falko hingegen betont: „Das heißt, wir sind noch mehr Punk-Rock als viele große Punk-Rock-Bands!“