Fünf Jahre nach seiner Abdankung ist der frühere spanische König Juan Carlos endgültig in den Ruhestand getreten. Der 81-Jährige zog sich am Sonntag aus dem öffentlichen Leben zurück.

Er werde keine repräsentativen Aufgaben mehr für das Königshaus und den spanischen Staat wahrnehmen, hatte er in einem Brief an seinen Sohn und Nachfolger Felipe VI. (51) mitgeteilt.

Der inoffizielle Abschied fand am späten Sonntagabend in einer Arena in Aranjuez knapp 50 Kilometer südlich von Madrid statt. Juan Carlos besuchte dort als „Ehrenpräsident“ den traditionellen Stierkampf „Corrida de San Fernando“. Bei der Veranstaltung wurde seine im Jahr 2000 im Alter von 90 Jahren auf Lanzarote gestorbene Mutter Doña María de las Mercedes de Borbón y Orléans gewürdigt.

Vor dem Stierkampf aß Juan Carlos in Aranjuez mit einigen Freunden und Verwandten zu Mittag. Der Bourbone winkte den Journalisten vom Beifahrersitz seines Fahrzeugs aus zu, sagte aber nichts. Mit dabei waren seine Schwester Pilar (82) und seine älteste Tochter Elena (55). Nicht gesehen wurde in Aranjuez seine Gattin Sofía (80). Die beiden Eheleute wurden in den letzten Jahren nur sehr selten und nur zu protokollarischen Anlässen zusammen gesehen.

In dem am vorigen Montag vom Königshaus veröffentlichten Schreiben hatte Juan Carlos erklärt: „Ich denke, dass der Augenblick gekommen ist, um eine neue Seite in meinem Leben aufzuschlagen und mich komplett aus dem öffentlichen Leben zurückzuziehen.“ Er habe seit seinem 80. Geburtstag im vorigen Jahr über diesen Schritt nachgedacht.

Vor fünf Jahren, am 2. Juni 2014, hatte der damalige Ministerpräsident Mariano Rajoy bekanntgegeben, Juan Carlos werde zugunsten seines Sohnes auf den Thron verzichten. Vorausgegangen waren mehrere Skandale, die dem Ansehen der spanischen Monarchie schwer geschadet hatten.

Juan Carlos wurden unter anderem mehrere Affären nachgesagt. Es wurden auch Vaterschaftsklagen gegen ihn angestrengt. 2012 unternahm er eine verhängnisvolle Reise nach Botsuana in die afrikanische Savanne, wo er mitten in der Wirtschaftskrise Elefanten jagte. Später entschuldigte er sich öffentlich dafür.

Aber Juan Carlos ist für viele (vor allem ältere) Spanier weiterhin in erster Linie der Mann, der vor gut 40 Jahren als ebenso resolutes wie charismatisches Staatsoberhaupt den Übergang von der Franco-Diktatur zur Demokratie ermöglichte. Trotz vieler gesundheitlicher Probleme hatte er auch nach seinem Thronverzicht häufig repräsentative Aufgaben für die „Casa Real“ in Madrid übernommen. Erst im März war er erneut operiert worden.

Juan Carlos war fast vier Jahrzehnte lang - zwischen November 1975 und Juni 2014 - König von Spanien. Auch nach der Abdankung zugunsten seines Sohnes trägt er auf Lebenszeit ehrenhalber den Titel „Rey“ (König).