ZWISCHENRUF: Wirbel im Wasserglas

LENA GRUNDHUBER 17.08.2012

Wissen Sie was? Es gibt einen Feuilletonskandal. Soll heißen, der ganze Skandal spielt im Feuilleton, handelt von Feuilletonisten und interessiert womöglich nur im Feuilleton, weshalb dieser Zwischenruf bescheiden hier hinten steht und es aller Voraussicht auch nicht mehr auf Seite 1 schaffen wird. "Selbstreferenzialität" nennt man das, in den Feuilletons, was Gutes oder Schlechtes bedeuten kann, aber zumindest, dass kein Aufwand gescheut wurde, Komplexität zu produzieren. Also dann.

Zunächst erscheint kommende Woche im S. Fischer-Verlag nichts weiter als ein weiterer Schweden-Krimi mit dem Titel "Der Sturm", verfasst von einem "Per Johansson". Mordopfer ist ein genialischer Chefredakteur und Kulturjournalist, der etwa über die Macht der Gentechnik und die Überalterung der Gesellschaft publiziert hat, einer also, der den Nerv der Zeit trifft. Eine Charakterisierung, die auf FAZ-Mitherausgeber und -Kulturchef Frank Schirrmacher ziele, ermittelte die "Welt" mit kriminalistischer Akribie und wollte den wahren Täter hinter "Per Johansson" ausgemacht haben - Thomas Steinfeld, einst Literaturchef der FAZ unter Schirrmacher, heute Feuilletonleiter der Süddeutschen Zeitung.

Und tatsächlich: Er sei einer von zwei Autoren hinter dem Pseudonym, gab Steinfeld zu. Indes stehe hinter dem gemeuchelten Publizisten keine reale Person, handele es sich doch um eine "abstrakte, idealtypische Gestalt". Im Fischer-Verlag scheint man vom "Wirbel um den ,Sturm", wie die dpa so umwehend treffend formuliert, eher verstört. Man bedauere, dass der Eindruck entstanden sei, Stellen des Romans richteten sich gegen Schirrmacher.

Der selbst ließ trocken verlauten: "Ich lese keine schwedischen Kriminalromane." So ein journalistischer Idealtypus braucht keinen Roman. Dem reicht ein einziger tödlicher Satz.

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