Zwischenruf: Und Dürer grinst sich eins

LENA GRUNDHUBER 12.11.2015
Vergesst den blöden Feldhasen. Schaut euch das an: "Ein lachendes Gesicht mit großer Nase, leicht irrem Blick und wirren Haaren" - die dpa hat dieses revolutionäre Stück Kunstgeschichte zu Recht ganz genau in Augenschein genommen.

Handelt es sich doch um das "vielleicht allererste Emoji", wie die Nachrichtenagentur just am 11.11. kühn vermeldet hat. Ein Grinsegesicht, uns aus dem digitalen Alltag gut vertraut, gezeichnet von niemand anderem als Albrecht Dürer, dem Mann mit dem Feldhasen. OMG.

Genialisch nachlässig hat es der Meister des Öl-auf-Leinwand-Selfies 1506 in einen Brief an Willibald Pirckheimer gekritzelt. Allerdings o.T.: Kein Mensch kann mit letzter Sicherheit eruieren, wem die elektrifizierten Korkenzieherlocken zuzuordnen sind. Möglich, so wird aus einem neuen Buch der Publizistin Felicia Englmann zitiert, dass die schiefen Zähne einer Geliebten Pirckheimers gehörten, "die vielleicht nicht schön war, aber andere Qualitäten hatte". Oder - das wäre dann schon höherer Humanistenhumor - handelt es sich um die Karikatur einer Athene-Statuette? Pirckheimer wird's gewusst und sich eins gegrinst haben. Die zwei Freunde liebten Anspielungen, die für Außenstehende unverständlich waren. So wie es späteren Generationen mit unseren Whats-App-Nachrichten ergehen wird. Hoffentlich.

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