Zwischenruf Zwischenruf: Nepp im Museum

Ulm / Jürgen Kanold 02.08.2018

Kostenlos ins Museum? Das ist ein heiß diskutiertes Thema in Deutschland – wobei mancher Besucher derzeit für klimatisierte Räume durchaus bereit wäre, Eintritt zu bezahlen. Oder für kühlende Kunst: Caspar David Friedrichs „Eismeer“ in Hamburg ist ein Gemälde der Stunde. Aber mal unabhängig von der Hitze gesprochen: London begeistert wahre Massen mit einem Gratis-Trip durch die Tate oder die National Gallery. Hierzulande gehört der freie Eintritt zum Erfolgsrezept der Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall oder des Landesmuseums in Stuttgart.

In Italien öffnen die Museen jeden ersten Sonntag des Monats kostenlos – aber das soll nach dem Willen der neuen Regierung bald vorbei sein. Die Museen sollen das künftig selbst regeln: Ohne staatlichen Druck und Sponsorenhilfe werden sie aber die Finanzen nicht aufbringen wollen für ein soziales Gratis-Angebot. Und Touristen sind als Zielgruppe sowieso nicht gemeint.

Ob Touristen ihren Urlaub tatsächlich so sonntäglich weitsichtig planen, dass sie das Geld fürs Kolosseum oder für Pompeji sparen, darf ja bezweifelt werden. Aber es lohnte sich: 28,75 Euro kostet ein Ticket für die Uffizien in Florenz inklusive Vorverkaufsgebühr. Da wird’s einem schon beim Gedanken an Botticellis „Primavera“ eher sommerlich warm zumute.

Der Fall aber ist noch heißer. Der deutsche Direktor der berühmten Uffizien, Eike Schmidt, sagte der Zeitung „La Nazione“, dass viele Tour-Anbieter das System ausnutzten und ausländische Touristen abzockten. Sie hätten sie am freien Sonntag ins Museum geschickt, aber trotzdem den Eintritt einkassiert. Dio mio!

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