ZWISCHENRUF: Der Fluch des Mars

SWP 05.01.2012

Wir wissen längst, dass auf dem roten Planeten keine kleinen grünen Männchen mit Antennen im Kopf herumhüpfen, dennoch wollen wir Menschen lieber vor Ort nachschauen, ob dem wirklich so ist.

Der Mars fasziniert uns Erdlinge seit Urzeiten - und nicht nur die Astronomen und Physiker. Auch kreative Köpfe bringt der Planet auf fantastische Ideen: Autor H. G. Wells ließ marsianische Invasoren über die Erde kommen ("Kampf der Welten"), Orson Welles machte daraus das berühmteste Hörspiel aller Zeiten. Gustav Holst regte er in seinen "Planeten" zu großartig-martialischer Programmmusik an, SciFi-Schreiber von Bradbury bis Lem ließen sich inspirieren.

Seit den 50ern mit ihren Invasionsängsten sind Marsianer auch in Hollywood beliebt. "Fliegende Untertassen greifen an", lautete nicht nur ein Filmtitel, sondern quasi das Motto eines ganzen Genres. Doch schon länger macht Mars Kinogänger nicht mehr mobil. Tim Burtons "Mars Attacks!" ist sein ulkigster Film - war aber ein Flop. John Carpenters "Ghost of Mars"? Ein Debakel. Brian de Palmas "Mission to Mars"? Wollte keiner sehen. Der Animationsfilm "Mars needs Moms"? Der Flop des Jahres 2011. Als ob "Mars" im Titel die Zuschauer magisch vom Kino fernhält.

Im März läuft nun ein Fantasy-Kracher in den Kinos an, der auf einer Buchreihe des Tarzan-Schöpfers Edgar Rice Burroughs basiert: "John Carter from Mars". Oje. In Hollywood müssen die Alarmglocken klingeln. Denn die Trailer sehen zwar atemberaubend aus, aber mit dem Kassengift-Titel kann man die satten 250 Millionen Dollar, die das Werk kostet, auch gleich in den Marskanälen verbuddeln.

Tatsächlich haben die Marketingstrategen den Film wenige Monate vor Kinostart umbenannt. Er heißt jetzt nur noch "John Carter". Nun steht dem Erfolg nichts mehr im Wege. Aber ack, ack, der olle Mars ist wirklich auch nicht mehr, was er mal war. MAGDI ABOUL-KHEIR