ZWISCHENRUF: Abe, Angie und die Zombies

MAGDI ABOUL-KHEIR 28.09.2012

US-Präsidenten sind bekanntlich mit ihren eigenen Problemen - Wirtschaftskrise, soziale Spannungen, Gesundheitsreform und solcher Kleinkram - niemals ausgelastet, deswegen müssen sie unentwegt die Welt retten und das Böse ausrotten. In Washington gehört der drohende Ton zuweilen zum guten Ton, selbst der nette Mister Obama hat den wenig netten Osama erlegen lassen.

Der Kampf hat eine lange Tradition, viel länger als die Linie Nixon/Reagan/Doppel-Bush. Zwar sind die historisch verbürgten Taten der Polit-Sheriffs aussagekräftig genug, aber warum soll man nicht einen fantastisch draufsetzen? So läuft nun ein Film an, der schon im Titel zeigt, wos langgeht: "Abraham Lincoln, Vampirjäger". Ja, der 16. Präsident der USA (1861-1865), hatte demnach eine geheime Karriere: Der gute alte Abe machte mit Axt und Silberwaffen Jagd auf Beißer.

Warum kommen wir Europäer nicht auf solche Ideen? Bestenfalls wird Nicolas Sarkozy seine freie Zeit nutzen, um im "Kleinen Hobbit" einen Gastauftritt als grimmiger Zwerg hinzulegen, und Silvio Berlusconi wird die Hauptrolle in "Heiße Nächte im Bunga-Bungalow" gewiss nicht ablehnen.

Aber weshalb tritt die deutsche Politprominenz nicht in Actionfilmen, Horrorreißern und Sexthrillern auf? Die Stoffe liegen doch auf der Hand. Angesagt wäre jetzt "Steinbrück, Steinmeier, Gabriel - Es kann nur einen geben" mit seinem blutigen Showdown. Denkbar wären auch der lustige "Philipp und die Fünf-Prozent-Hürde des Grauens", das Sittendrama "Bettina und der Werwulff" oder "Piraten ohne Karibik: Fluch der Raubkopierer", der sofort im Netz gratis runterladbar ist. Und was ist mit tabuloser Erotik? Ach ja, "Doktorspiele mit Karl-Theodor und Silvana".

Nur mit Vampiren, Untoten und Widergängern können wir Deutsche nicht dienen. Halt, doch. Sogar ganz aktuell: "Angie und der Pfalz-Zombie".