Jubiläum Zum 50. der Georgschorknaben: Masse und Klasse

Mikrofone hätte es nicht unbedingt gebraucht bei 350 Sängern in St. Georg.
Mikrofone hätte es nicht unbedingt gebraucht bei 350 Sängern in St. Georg. © Foto: Lars Schwerdtfeger
Ulm / Henri Gallbronner 01.10.2018

Wer am Samstag in Ulm unterwegs war, hat es vielleicht gemerkt: Es wimmelte am Wochenende nur so an Knabenchören in der Stadt. Kein Wunder: Die Georgschorknaben richteten anlässlich ihres 50-jährigen Bestehens ein Chorfestival aus, zu dem neun Chöre aus der ganzen Diözese Rottenburg-Stuttgart geladen waren.

Das fand gestern Morgen mit einem großen Festgottesdienst sein Ende. Einen Sitzplatz zu finden, war schwer in St. Georg. Schließlich war die Kirche schon zur Hälfte mit den 350 Sängern gefüllt.

Doch wer sich angesichts dieser großen Zahl an Chorknaben darauf freute, einfach nur zuhören zu können, hatte sich getäuscht: Bei Kyrie und Agnus Dei, beide aus Orlando di Lassos „Missa Octavi Toni“ durfte die Gemeinde mit einstimmen in den Wechsel aus Vorsänger und Chor. Beim Halleluja fügten die Sänger an die altbekannte Gotteslob-Nummer 174/8 einen zweiten Teil an, der mit einem gellenden Schrei die Besucher überraschte.

„So schallt es nicht alle Tage durch die Kirche“, befand der für Kirchenmusik zuständige Ordinariatsrat Gerhard Schneider, selbst gebürtiger Ulmer, in seiner darauffolgenden Predigt. In den 1970er-Jahren sei er an Weihnachten als Kind das erste Mal in St. Georg gewesen. „Das ist der erste Gottesdienst, an den ich mich noch genau erinnern kann“, erzählte er. Die Sänger seien „Mithelfer Jesu, sein Evangelium zu verkünden“, so der Geistliche: „Ihr macht das oft viel besser, als das ein Prediger kann.“

Auch die Gemeinschaft in den Chören lobte Schneider: Die Chorknaben säßen – wie die Jünger und Jesus im gestern verlesenen Evangelium – in einem Boot. „Ihr zieht auch manchmal mit eurem Boot das zuweilen ganz schön morsche Boot der Kirche hinter euch her“, sagte der Ordinariatsrat selbstkritisch. Entsprechend wurde auch in den Fürbitten mit dem Kindesmissbrauch ein Thema angesprochen, das derzeit in aller Munde ist und von dem auch die katholischen Knabenchöre betroffen sind.

Ansonsten war es aber ein fröhliches Familienfest, was sich die jungen Sänger auch durch John Rutters „This is the day“ vor Augen riefen: Ein Festtag sollte es sein, für die Georgschorknaben und die anderen Chöre.

Zum Schluss bedankte sich der  Chorleiter der Georgschorknaben, Thomas Stang, nicht nur bei seinem Organisationsteam, sondern auch bei dem Blechbläserensemble der JBU, das den Gottesdienst mitgestaltet hatte: „Das zeigt, wie eng wir hier in Ulm miteinander verlinkt sind.“

Treffen für ehemalige Chorknaben

Wiedersehen Am 13. und 14. Oktober bieten die Georgschorknaben ehemaligen Mitgliedern die Möglichkeit, noch einmal Knabenchorluft zu schnuppern. Gemeinsam mit den jetzigen Sängern sollen die Ehemaligen den Kirchweihgottesdienst am übernächsten Wochenende gestalten. Interessenten sind aufgerufen, sich über die Homepage www.chorknaben-ulm.de zu melden. hga

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