Stuttgart Zugabe für die "Häschenschule"

Ein Kind blättert im neu erschienenen Bilderbuch "Ferien in der Häschenschule".
Ein Kind blättert im neu erschienenen Bilderbuch "Ferien in der Häschenschule". © Foto: Franziska Kraufmann/dpa
Stuttgart / ROLAND BÖHM, DPA 10.02.2016
Seit mehr als 90 Jahren zieht die "Häschenschule" Generationen von Kindern in ihren Bann. In München ist vor Kurzem eine Fortsetzung aufgetaucht.

"Kein Ostern ohne die ,Häschenschule'!", hat Schriftstellerin Elke Heidenreich einmal gesagt. Bösewichte werden in der Schule zwar nicht mehr in die Ecke gestellt, und die Ohren bekommen sie auch nicht mehr langgezogen. Doch trotz pädagogischer Einwände begeistert die "Häschenschule" Generation um Generation. 2,2 Millionen Mal dürfte der österliche Bilderbuch-Klassiker seit der Erstausgabe 1924 verkauft worden sein.

Jetzt gibt es unverhofft einen Zuschlag: Der Stuttgarter Verlag Thienemann-Esslinger hat einen vierten Teil veröffentlicht. "Ferien in der Häschenschule" lag womöglich 70 Jahre in einer Schublade in München, wo die Tochter des Ehepaars Anne und Rudolf Mühlhaus das Manuskript des vierten Teils entdeckt hat. Es ergänzt die Reihe: Drehte sich in den bisherigen Büchern alles um den Schulalltag, hat Hasenjunge Fritz jetzt Ferien. "Wie die Brötchen knusprig munden - in den ersten Morgenstunden. / Vater sagt: Wir wandern heut - in der schönen Ferienzeit!", heißt es darin. Das Ehepaar Mühlhaus hatte den mehr als 90 Jahre alten Klassiker des thüringischen Autors Albert Sixtus (1892-1960) und des Künstlers Fritz Koch-Gotha (1877-1956) bereits 1947 um einen dritten Band - "Ein Tag in der Häschenschule" - ergänzt. "Wir gehen davon aus, dass der neue Teil auch aus dieser Zeit stammt", sagt Sibylle Schumann von Thienemann-Esslinger. Esslinger hatte 1996 den Leipziger Alfred Hahn's Verlag, der die ersten "Häschenschule"-Bücher herausgab, übernommen. Sixtus war schwer verwundet aus dem Ersten Weltkrieg zurückgekehrt, wollte Lehrer werden - und dichten. Von ihm gibt es mehr als 50 Bilder- und Märchenbücher sowie Jugendromane. Die ersten Verse der fröhlichen Schulgeschichte um die Hasenkinder Hans und Gretchen schrieb er 1922. Zwei Jahre später wurden sie mit Illustrationen von Koch-Gotha erstmals gedruckt.

Jugend- und Kinderliteraturforscherin Mareile Oetken von der Uni Osnabrück vergleicht die "Häschenschule" mit Heinrich Hoffmanns "Struwwelpeter" (1845) und Else Urys Jugendbüchern übers "Nesthäkchen" (1913). Sie alle würden von Generation zu Generation weitergegeben und seien "emotional aufgeladen". Man erkenne sie wieder, verbinde Erinnerungen damit und gebe sie weiter. Gutes und Böses werde klar benannt. Der Anthropomorphismus, also die Vermenschlichung von Tieren, in der "Häschenschule geht auf den Griechen Äsop zurück.

Das Bilderbuchmuseum in der Burg Wissem in Troisdorf zeigt über Ostern (21. Februar-15. Mai) das Manuskript, Originalzeichnungen und die Deckelbildentwürfe der "Häschenschule". In der Ausstellung heißt es zum Erfolgsrezept: "Seine Langlebigkeit verdankt das Buch der künstlerisch gekonnten, humoristischen Darstellung einer traditionellen Dorfschule, bei der Koch-Gotha romantische Verklärung mit freundlicher Parodie und sanftem Spott erfolgreich verbindet."

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