Frankfurt Zeichen und Zeiten: Umberto Eco wird 80

Auch Kritik kann er mit einem Schmunzeln nehmen: Semiotik-Professor und Bestsellerautor Umberto Eco.
Auch Kritik kann er mit einem Schmunzeln nehmen: Semiotik-Professor und Bestsellerautor Umberto Eco.
CLAUDIA SCHÜLKE, EPD 05.01.2012
In Italien ist er moralische Instanz: Wissenschaftler Umberto Eco opponierte früh gegen Berlusconi. Als Autor wurde er mit "Der Name der Rose" berühmt.

Er lacht gern. Das wissen alle, die Umberto Eco je in Mailand besucht haben. Kein Wunder, dass ein Buch über das Lachen den italienischen Schriftsteller berühmt gemacht hat. Allerdings stammt die Abhandlung von Aristoteles, Eco hat sie 1980 in "Der Name der Rose" in den Mittelpunkt seiner Geschichte um Todesfälle in einer mittelalterlichen Abtei gestellt. Der Roman, verfilmt mit Sean Connery, wurde 15 Millionen Mal verkauft - es ist der größte Erfolg des Autors, der heute 80 Jahre alt wird.

"Weil ich ein Mensch des Buches bin, schreibe ich über Bücher", sagt Eco. Eigentlich ist er ein Mensch der Zeichen, ein Semiotik-Professor. Die Wissenschaft von den Zeichen ermöglicht es Eco, Geschichte ironisch zu überblenden und sich damit in der Gegenwart zu bewegen. Jüngstes Beispiel: "Der Friedhof in Prag", 2011 erschienen, ist ein Panorama der Verschwörungstheorien, ein Graben nach den Wurzeln des europäischen Antisemitismus. Zwei seiner Romanfiguren sind wie Eco in Alessandria im Piemont geboren: Baudolino, Titelheld des gleichnamigen Kreuzfahrerromans (2000), und Roberto de la Rive, Protagonist einer barocken Robinsonade. Mit der "Insel des vorigen Tages" empfahl sich Eco 1994 als Kenner historischer Verschwörungstheorien, als der er sich schon mit dem "Foucaultschen Pendel" erwiesen hatte.

Aufgewachsen unter dem Faschismus, begann Eco gegen den Wunsch seines Vaters Philosophie und Literaturgeschichte zu studieren. Seine Dissertation verfasste er über die Ästhetik bei Thomas von Aquin. Die scholastische Theologie und das Mittelalter ließen ihn nie mehr los. Dennoch ging er zum Fernsehen, um ein Kulturprogramm aufzubauen. 1959 wurde er Sachbuchlektor. Schon 1963 hatte er eine Karriere als Dozent für Ästhetik und visuelle Kommunikation begonnen. 1971 wurde er in Bologna Professor für Semiotik. Eco reüssierte als Essayist und Kolumnist. Als Opposition gegen Berlusconi gründete er mit Genossen die Gruppe "Libertà e Giustizia". Sein "Friedhof in Prag" kam bei der Kritik nicht nur gut an. Eco nimmts ironisch: "Ich versuche ja, von Buch zu Buch immer komplizierter zu werden, um die Leser abzuschrecken."

Info Zum Geburtstag ist der Band "Bekenntnisse eines jungen Schriftstellers" mit Reflexionen des Autors Eco erschienen (Hanser Verlag, 208 Seiten, 19.90 Euro)