Prominente Zachi Noy: „Die Kamera liebt mich“

Zachi Noy ist im Geschäft geblieben und spielt auch regelmäßig Theater.
Zachi Noy ist im Geschäft geblieben und spielt auch regelmäßig Theater. © Foto: Willi Weber/Sat1
Ulm / Christoph Alexander Schmidberger 10.08.2018

Israel, Ende der 50er Jahre: Der chronisch liebeskranke Benny (Yftach „Jesse“ Katzur), der Frauenschwarm Bobby (Jonathan Sagall) und der dickliche, gutmütige Johnny (Zachi Noy) geraten auf der Suche nach erotischen Abenteuern in allerlei lustige Situationen. Neben Humor und nackter Haut ist es der Soundtrack, der die achtteilige Teenie-Klamotte zum Kult machen sollte: Rock´n´Roll-Hits am laufenden Band. Der Spaß kam vor 40 Jahren in die Kinos, 1988 verabschiedete sich die  Reihe mit der Folge „Summertime Blues“, und sie wird seitdem vom TV- und Heimkino-Publikum gefeiert. Zachi Noy (65) ist bis heute ein vielbeschäftigter Schauspieler und Entertainer.

Herr Noy, 40 Jahre „Eis am Stiel“ – ein Anlass für Sentimentalität?

Zachi Noy: Ich finde es fantastisch, dass diese Filme bis heute Gefallen bei den Zuschauern finden. Die unglaublich vielen Wiederholungen fast auf der ganzen Welt machen „Eis am Stiel“ und somit auch mich zu Kult.

Wie viel Zachi Noy steckt denn in Johnny?

Johnny ist ein lustiger, tollpatschiger, liebenswürdiger und dicker Kerl – ich auch. Im wahren Leben hatte ich bei Frauen aber viel mehr Erfolg als Johnny.

Schon in Teil Eins sieht man Sie ziemlich nackt – hat Sie das Überwindung gekostet?

Natürlich, für mich als dicklicher, junger Mann in Unterhosen vor der Kamera zu stehen, 20 bis 30 Leute um einen herum, das kostete damals eine ziemliche Überwindung. Aber die Rolle erforderte es eben und das Publikum liebte diese Szenen. Mein nackter Hintern ist genauso bekannt wie Thomas Gottschalks Nase.

Wie weit gingen die pikanten Situationen mit Erotikdarstellerinnen wie Sibylle Rauch?

Oh mein Gott, es gab keinen echten Sex in „Eis am Stiel“, das waren Erotikkomödien, wo man mal einen nackten Hintern oder einen nackten Busen zu sehen bekommt. Für heutige Zeiten total harmlos. Aber damals war es sehr aufregend. Übrigens, in einem anderen Film (Garten der Zuflucht),  den ich in Amerika gedreht habe, spielte ich mit Melanie Griffith. Ihren Busen habe ich sogar vor Antonio Branderas gesehen.

Waren die Drehs sehr lustig?

Wir haben viel gelacht und hatten eine schöne Zeit. Aber es war anstrengend, da wir viele Drehs hatten, und ich drehte ja auch noch mindestens ein bis zwei andere Filme pro Jahr. Es ist schwieriger, die Leute zum Lachen als zum Weinen zu bringen. Wir haben beides geschafft.

Warum verflachten die Filme nach dem herausragenden, mit einem Golden Globe nominierten ersten Teil zunehmend?

Heute würde man sagen: Das ist Mainstream. Wir haben das gemacht, was die Zuschauer im Kino sehen wollten. Und das mit riesigem Erfolg.

Wie erklären Sie sich denn den bis heute immer noch anhaltenden Erfolg und den Kultstatus dieser Filmreihe?

Die Geschichten sind eigentlich zeitlos, und man kann bis heute über die Filme lachen. Mehrere Generationen sind mit diesen Filmen aufgewachsen und damit erwachsen geworden. „Eis am Stiel“ gehört für sehr viele Leute einfach zu ihrem Leben dazu und hat die Menschen mitgeprägt.

Sind Sie heute noch mit Ihren Kollegen befreundet?

Yftach Katzur treffe ich noch gelegentlich. Er war auch bei der Hochzeit meiner Kinder dabei. Zu den anderen Leuten besteht ein lockerer Kontakt. Die meisten arbeiten ja auch nicht mehr in diesem Beruf.

War die Rolle des lustigen Dicken ein Fluch für Sie?

Besser die Masche des Dicken als gar keine. Ich habe viele unterschiedliche Rollen gespielt, die teilweise dramatisch und ernsthaft waren. Ich habe auch in internationalen Filmen mit Weltstars wie etwa Shirley Winters, Robert Mit­chum, Franco Nero und Rock Hudson gespielt.  Natürlich würde ich sehr gerne wieder ernsthafte Rollen wie die eines Mörders oder Pädophilen spielen. Ich kann das – glauben Sie mir. Wenn das hier ein Regisseur oder Produzent liest – ich kann’s noch immer.

Können Sie etwas über Ihre kommenden Projekte verraten?

Ich spiele in Israel fast täglich Theater, ich mache meine „Eis am Stiel“-Partys in Deutschland und Österreich, bin für Autogrammstunden bei Festivals gebucht, habe einen neuen Song „Affengeil“ aufgenommen und drehe immer wieder Filme oder Serien, wie zum Beispiel „Die Deichbullen“. Die Schauspielerei ist meine Passion, ich liebe die Kamera und zum Glück liebt die Kamera auch mich.

Zur Person

Zachi Noy wurde am 8. Juli 1953 in Haifa geboren und wohnt mit Frau und zwei Kindern in Tel Aviv. 1975 stand er für „Wovon die Frauen Träumen“ erstmals vor der Kamera. 1978 kam mit „Eis am Stiel“ der Durchbruch. Zuletzt drehte er für TV-Formate wie „Frauentausch“ und „Promi Big Brother“ sowie den preisgekrönten Spielfilm „Timeless“ des Stuttgarter Filmemachers Alexander Tuschinski.

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