Gemeinschaftskonzert Würdiger Abschluss des Donaufestes

160 Sänger aus vier Ländern begeisterten in der Pauluskirche mit Karl Jenkins’ „The Armed Man“.
160 Sänger aus vier Ländern begeisterten in der Pauluskirche mit Karl Jenkins’ „The Armed Man“. © Foto: Matthias Kessler
Ulm / Henri Gallbronner 16.07.2018

Glauben Sie mir, ich hab ein Jacket“, witzelte Thomas Kammel zum Beginn des Abschlusskonzertes des Donaufestes und der baden-württembergischen Schulchortage in der Pauluskirche. Getragen hat es der Chorleiter des Neuen Heidenheimer Kammerchors, der die über 200 Musiker dirigierte, aber nicht. Dafür war es am Samstagabend einfach zu heiß.

Doch die Hitze war bald wie weggeblasen, denn der Anfang von Karl Jenkins’ Friedensmesse „The Armed Man“ treibt einem unweigerlich einen kalten Schauer über den Rücken. Ihr Beginn ist nämlich überhaupt nicht friedlich: Der Chor ahmt eine marschierende Armee nach, wird dabei von Marschtrommel und Piccolo-Flöte unterstützt, dann erklingt das aus der Renaissance stammende französische  Soldatenlied „L’homme armé“. Man braucht das sehr schön gestaltete und im Übrigen sehr informative Programmheft gar nicht zu lesen, um zu wissen, wem der Waliser Jenkins seine Messe gewidmet hat: Den Opfern von Krieg und Gewalt, insbesondere denen des Kosovokrieges.

Ein erstes solistisches Highlight setzte Mahmut Unlütürk, der – ja, auch das ist Bestandteil dieser Messe – den muslimischen Gebetsruf anstimmte. Nichts rührte sich mehr in der Kirche, als er mit obertonreicher und durchdringender Stimme den arabisch Adhaan genannten Gesang vortrug. Unlütürk ergänzte sich perfekt mit der zweiten Solistin des Abends, Magdalena Hug, die den Beginn des christlichen Kyrie ausführte: gelebte musikalische Ökumene.

Mindestens genauso beeindruckend wie die Solisten waren die vier Chöre, die extra für diesen Abend einen Festivalchor formten: Die Sänger aus Heidenheim, Graz, Sofia und dem ungarischen Hódmezövásárhely bildeten trotz nur weniger gemeinsamer Proben eine musikalische Einheit. Dass es sich um Schulchöre handelt, war an keiner Stelle zu bemerken. Sie glänzten nicht nur durch hervorragenden Gesang, sondern auch durch eine perfekt aufeinander abgestimmte und vor allem deutliche Aussprache. Lediglich während des siebten Satzes zeigten sich einige Schwierigkeiten im Sopran.

Umso beeindruckender war das Ende ebendieses Satzes, der den Namen „Charge!“ trägt: Hier machten sich die Sänger, die im Altarraum der Pauluskirche kaum Platz fanden, ihre Masse zu Nutze. In einem atemberaubenden Crescendo entfalteten sie ihr volles Lautstärkepotenzial, um gleich darauf vollständig zu verstummen.

Etwas eingetrübt wurde der Höreindruck durch das einzige beteiligte Profiensemble: Das Philharmonische Orchester der Stadt Ulm lieferte zwar eine solide Leistung ab, jedoch zogen sich von Beginn an kleinere und mittlere Unsicherheiten durch die komplette Messe. Dennoch vernahm man auch aus den Reihen des Orchesters extrem berührende Passagen – wie etwa  das Cello-Solo im Benedictus von Anne Schumacher, die die hohe Lage bravourös meisterte.

Abgerundet wurde dieser wirklich würdige musikalische Abschluss des Donaufestes durch eine hervorragende, der Musik folgende Beleuchtung, die dem Kirchenraum zwar gerecht wurde, aber dennoch die durch die sehr bildhafte Musik Jenkins’ transportierten Emotionen verstärkte.

L’homme armé – Der bewaffnete Mann

Zitat Das französische Soldatenlied „L’homme armé“, das namensgebend für „The Armed Man“ war, entstand im 15. Jahrhundert. In der Kirchenmusik war es schon lange vor Jenkins bekannt: In sogenannten Parodiemessen der Renaissance, die oft auf weltlichen Liedern basieren, fand die Melodie als „Cantus firmus“, also als eine Art grundlegende Melodie, häufig Verwendung.

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