Kirchenkonzert Wiederbegegnung mit Knud Nystedt in Ulm

Ulm / Günter Buhles 21.02.2018

Aussagekräftiger als das Motto „Barock und Moderne“ in der Ankündigung des Konzerts des Kammerchores der Uni Ulm in der Neu-Ulmer Petruskirche war das Titelbild des Programmhefts: das „memento mori“-Bild aus der Kirche im Kleinen Lautertal mit Sanduhr, Totenkopf und Messbecher. Es wies darauf hin, dass mit Chorwerken von Bach und Schütz zwei Trauermusiken auf dem Programm standen. Die „Missa brevis“ des Norwegers Knud Nystedt fügte sich bei trefflichen Wiedergaben unter Manuel Sebastian Haupt gut in den ernsten Rahmen.

Bei der Motette „Der Geist hilft unser Schwachheit auf“, von Bach 1729 für die Beerdigung eines Leipziger Professors und Thomasschul-Kollegen komponiert, blühten im dezent mezza voce gesungenen achtstimmigen Doppelchor glockenhelle Soprankoloraturen auf. Der warm tönenden und locker pendelnden Doppelfuge schloss sich ein feierlicher Choral in stärkerer, wirkungsvoller dynamischer Gestaltung an.

Es folgte – vielen Zuhörern gewiss nicht bewusst – bei Nystedts 1985 entstandener und sich großer Popularität erfreuender kurzen Messe eine Wiederbegegnung mit dem 2014 im Alter von 99 Jahren gestorbenen Komponisten. Er hatte Ulm vor Jahren besucht, und die Ulmer Spatzen boten 1991 die Uraufführung seines Frauenchorstücks „Ave Christe“.

Die musikalische Sprache Ny­stedts erweist sich bei der „Missa“ als rhythmisch anspruchsvoll im packenden Gloria und kon­trast­reich im Credo. Seine Modernität zeigt er im Einbezug von Dissonanzen etwa schon im Kyrie und in einem rasch entwickelten, clusterartig liegenden Akkord von sanft mesmerisierender Wirkung im Sanctus – Benedictus. Das besinnliche Agnus Dei beschloss mit der Bitte „donna nobis pacem“ die Interpretation in vornehmer Andacht und berührender Schlichtheit.

Lesungen im gesamten Raum

Die „Musikalischen Exequien“ von Heinrich Schütz, 1635 – gemäß dem Titel zur Aussegnung des Landesherrn Heinrich Postumus – aufgeführt, sind in der transparenten Anlage mit vielen solistischen Episoden ein wirklich kammermusikalisches Chorwerk. Die fast 20, von David Jochim an der Orgel begleiteten Sängerinnen und Sänger folgten Haupts Dirigat mit sicheren Einsätzen und perfekt realisierter Dynamik. Die jungen Solisten überzeugten ohne Ausnahme, allen voran der die Intonatio (in etwa der Rolle des Erzählers in Oratorien entsprechend) ausführende lyrisch timbrierte Tenor Ralf Höchenberger.

Fast wie ein Werk im Werk wirkte die mit über den Raum verteilten Text-Lesungen umrahmte Motette „Herr, wenn ich nur dich habe“. Für die neun Sprecher hatte Thomas Dietrich Zitate ausgesucht, die vom Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer bis zu Bob Dylan und The Doors reichten.

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